Für arme Kinder sind die Corona-Auswirkungen besonders dramatisch

Arche-Leiter schlägt Alarm: „Es gibt Kinder, die Tag und Nacht verwechseln, die nachts wach sind und tagsüber schlafen"

11. März 2021 - 15:30 Uhr

Ärmere Kinder leider mehr unter Lockdown-Auswirkungen

Traurige Wahrheit: Kinder aus armen Familien haben es schwerer als andere. Von den Auswirkungen der Corona-Pandemie sind sie deshalb auch besonders betroffen. In der "Arche" bekommen sie für ein paar Stunden pro Tag Unterstützung und etwas Struktur. Aber reicht das, um die Corona-bedingten Probleme auszugleichen? Tobias Lucht, Leiter der "Arche" in Hamburg-Jenfeld, schlägt jetzt Alarm.

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Im Video sprechen der 9-jährige Lawi und seine Freunde aus der Arche über die für sie schwere Zeit im Corona-Lockdown.

Hilfe für Kinder in der "Arche"

In der "Arche" in Hamburg-Jenfeld bekommen die Kinder ein warmes Mittagessen und Hausaufgaben-Betreuung. Für ein paar Stunden am Tag gibt es jemanden, der ihre Sorgen anhört und sie unterstützt. Die Eltern der Kinder sind oft nicht in der Lage, die Kinder aufzufangen – gerade in dieser schwierigen Zeit, wo viele Erwachsene selbst unter Existenzängsten und Zukunftssorgen leiden.

Zu siebt in 2-3 Zimmern ist nicht selten

Tobias Lucht, Leiter Arche Hamburg-Jenfeld
Tobias Lucht, Leiter der Arche Hamburg-Jenfeld
© RTL

Sie leben in kleinen Wohnungen – "bis zu sieben Kinder auf 2 oder 3 Zimmer ist nicht selten", sagt der Leiter der Einrichtung, Tobias Lucht. Und oft ist trotzdem zu Hause niemand, der einem die vielen Fragen beantworten, die Ängste nehmen kann.

Im Moment dürfen die Kinder nicht mehr täglich in die Arche kommen. Das hat bei ihnen, den Benachteiligten, schnell drastische Auswirkungen. Selbst in der vierten Klasse können einige von ihnen noch nicht lesen. Aber das ist für sie im Moment nicht das schlimmste Problem.

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Selbst einfache Dinge wie täglich ein warmes Mittagessen sind in vielen Familien nicht selbstverständlich. "Es gibt auch schon Kinder, die Tag und Nacht verwechseln, die nachts wach sind und tagsüber schlafen", sagt Tobias Lucht.

Weniger Treffen mit Gleichaltrigen und weniger durchgehende Hilfestellung durch die Arche-Mitarbeiter – das macht etwas mit ihnen. Und es tut weh, das zu hören. Tobias Lucht sagt, es gebe vermehrt Aggressionen unter den Kindern, zwei von ihnen haben einen Tick entwickelt. Was aber richtig alarmiert, ist die Aussage: "Wir hatten auch schon im ersten Lockdown Kinder, die Suizid-Gedanken tatsächlich hatten". Sie brauchen Rückhalt und Ermutigung. Jemanden, der ihnen zuhört und mit ihnen Lösungen erarbeitet.

Für diese Kinder ist es noch wichtiger als für andere, dass sie weiter in die Schule oder zur Arche gehen können – damit sie für ein paar Stunden durchatmen können.

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