Forscher sehen auch Chancen für ältere Erwachsene

Darum sind Kinder viel besser vor Corona geschützt

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20. August 2021 - 9:13 Uhr

Forscher finden Antworten - auch für Erwachsene?

Kinder sind, wenn sie nicht vorerkrankt sind oder unter chronischen Gesundheitsproblemen leiden, sehr gut vor dem Coronavirus Sars-CoV-2 geschützt – das belegen seit Anfang der Pandemie alle Zahlen. Aber was ist das Geheimnis hinter dem guten Immunschutz der Kleinsten? Das wollten jetzt Forscher aus Berlin und Heidelberg ergründen. Und sie haben Antworten gefunden. Antworten, die in Zukunft auch älteren Erwachsenen helfen könnten.

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Erhöhte Alarmbereitschaft in den Zellen der oberen Atemwege

Medizin-Journalist Dr. Christoph Specht betont es immer wieder: "Für ein kleines Kind, für einen jungen Organismus, ist ja jedes Virus neu, aber das kindliche Immunsystem ist dafür gerüstet, mit neuen Viren in Kontakt und dann gut mit ihnen zurechtzukommen - das hat der liebe Gott quasi so eingerichtet." Das dürfe der Grund sein, warum kleine Kinder, vor allem die Kleinsten, eine Infektion mit Sars-CoV-2 nicht einmal mitbekämen, so Specht im Juni gegenüber RTL.

Und tatsächlich: Die Zellen der oberen Atemwege befinden sich einer aktuellen Untersuchung zufolge bereits in erhöhter Alarmbereitschaft und können das Virus im Falle einer Infektion schnell bekämpfen, bevor es sich massiv vermehrt. Das erklärt vermutlich auch, warum Kinder sehr viel seltener als Erwachsene schwer an Covid-19 erkranken, wie Forschende aus Berlin und Heidelberg im Fachmagazin Nature Biotechnology berichten.

Zellen der Nasenschleimhaut analysiert

Auf der Suche nach einer Antwort entnahmen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen 42 gesunden und infizierten Kindern sowie 44 Erwachsenen einige Zellen der Nasenschleimhaut. Sie analysierten dann unter anderem die Aktivität bestimmter Gene in den einzelnen Zellen. "Wir wollten verstehen, warum die Virusabwehr bei Kindern offenbar so viel besser funktioniert als bei Erwachsenen", erklärt dazu Irina Lehmann, Leiterin der Arbeitsgruppe Molekulare Epidemiologie am Berlin Institute of Health (BIH) an der Berliner Charité.

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Bei Erwachsenen wird das Frühwarnsystem überrumpelt

Um Viren schnell bekämpfen zu können, müssen sogenannte Mustererkennungsrezeptoren aktiviert werden, erläutern die Forschenden. Und genau dieses System war bei den Kindern in den Zellen der oberen Atemwege und in bestimmten Zellen des Immunsystems aktiver als bei den Erwachsenen, zeigten die Analysen. Infiziert ein Virus die Zelle, bildet der Körper den Botenstoff Interferon, der die Bekämpfung des Virus einleitet. Bei Erwachsenen werde das Frühwarnsystem überrumpelt, das Virus wird nicht so effektiv bekämpft und kann sich stärker ausbreiten.

"Wir haben aus dieser Studie gelernt, dass es offensichtlich nicht nur Risikofaktoren für schwere Covid-19-Verläufe gibt, sondern auch schützende Faktoren", erläuterte Lehmann. Man könne nun darüber nachdenken, ob sich schützende Antworten bereits vor einer Infektion anregen ließen, um so möglicherweise Risikopatienten vor einer schweren Erkrankung zu schützen. (dpa/ija)

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