Prozess gegen IS-Rückkehrerin

Kim Teresa A. zu vier Jahren Haft verurteilt

29. Oktober 2021 - 18:06 Uhr

Kim Teresa A. folgte ihrem Mann ins IS-Kalifat nach Syrien

Kim Teresa A. folgte ihrem Mann ins IS-Kalifat nach Syrien, unter dem Pseudonym "Maryam A." wurde ihre Geschichte zum Buch-Bestseller. Heute hat das Oberlandesgericht Frankfurt die 32-Jährige wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu vier Jahren Haft verurteilt. Ihr prominenter Verteidiger, der Linken-Politiker Gregor Gysi, hatte erfolglos Milde gefordert.

Mit Ehemann soll sie Leute aus Häusern vertrieben haben

Die Frankfurterin ist mit 19 Jahren zum Islam konvertiert. In einer Offenbacher Salafisten-Gruppe soll sie sich radikalisiert haben. Kim Teresa A. hat eingeräumt, sich zwischen Juni 2014 und Sommer 2016 mit ihrem Ehemann in Syrien aufgehalten und dort für ihn den Haushalt geführt zu haben. Bei mehreren Umzügen sollen die Eheleute die rechtmäßigen Besitzer von Häusern und Wohnungen vertrieben und zudem mehrere Kalaschnikow-Sturmgewehre besessen haben. Die Anklage legt ihr daher Kriegsverbrechen gegen fremdes Eigentum und den Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last.

Gregor Gysi: "Mandantin hat den schwersten Fehler ihres Lebens begangen!"

Kim Teresa A. will sich bereits 2016 von der Ideologie des IS gelöst haben.

"Meine Mandantin hat den schwersten Fehler ihres Lebens begangen, als sie ihrem türkischen Lebensgefährten folgte", erklärt ihr Pflichtverteidiger Gregor Gysi. Sie habe sich dann aber aus freien Stücken und unter Lebensgefahr zur Flucht aus dem IS-Camp entschlossen.

Unter dem Titel "Maryam A.: Mein Leben im Kalifat: Eine deutsche IS-Aussteigerin erzählt" hat der Autor Christoph Reuter die Erlebnisse von Kim Teresa A. veröffentlicht. Auch die aktuelle Anklage greift auf diese Schilderungen zurück. Das dort beschriebene Schicksal enthält Parallelen zu dem vieler anderer Frauen, die sich radikalisiert haben.

Mit einer Freiheitsstrafe von vier Jahren gingen die Richter in ihrem Urteil über die Forderung der Generalstaatsanwaltschaft hinaus, die drei Jahre und drei Monate Haft beantragt hatte. Die Verteidigung hatte eine wesentlich niedrigere Strafe verlangt, ohne ein konkretes Strafmaß zu nennen.

Der Prozess gegen Kim Teresa A. hatte im Juni begonnen. Die Anklage warf ihr unter anderem vor, sich zwischen 2014 und 2016 in Syrien an der Seite eines IS-Kämpfers aufgehalten, verlassene Wohnungen übernommen und zwei Kalaschnikow-Gewehre besessen zu haben. (mva)