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Kassel: Streit um den neuen Windpark Reinhardswald

Das Klima retten?

"Ökologische Katastrophe" - Streit um den Windpark Reinhardswald

"Ökologische Katastrophe" - Streit um den Windpark Reinhards Das Klima retten?

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von Alexandra Pitronik

Eine ökologische Katastrophe oder die Rettung des Klimas? Das Windkraftprojekt im Reinhardswald spaltet die Meinungen: Die einen möchten den Wald retten, die anderen das Klima. Jetzt gibt es kein Zurück mehr und die Genehmigung für das Projekt liegt vor. Ob die Waldschützer noch eine letzte Chance haben, sehen Sie im Video.

Massive Schäden durch Abholzung

Der Reinhardswald ist mit 200km2 das größte Waldgebiet Hessens. Doch bald nicht mehr, denn für den dort entstehenden Windpark müssen Bäume gefällt werden. Naturschützer haben lange gegen das Projekt protestiert, jedoch ohne Erfolg. Das Regierungspräsidium Kassel hat nun das Go zum Bau bereits erteilt. Die Betreiberfirma hat schon mit den Baumfällarbeiten begonnen.

Naturschutzbehörde prüft alle Gegebenheiten

Mit seinen Buchenwäldern ist der Reinhardswald ein riesiges Biotop für die heimischen Tiere aber auch ein Naherholungsgebiet für Menschen der Region. Eine „ökologische Katastrophe“ nennt Oliver Penner vom Aktionsbündis Märchenland die Situation:„Das sind massive Schäden, die hier entstehen. Da geht’s einmal ums Trinkwasser, ums Grundwasser, Flächenversiegelung, Tierarten – wir hatten hier Luchs, ob die noch da sind? Wo sollen die denn alle hin?“ In dem bisher größten Windpark-Projekt Hessens dürfen ca. 18 gut 240 Meter hohe Windräder stehen. 100.000 Haushalte können laut dem Betreiber mit Strom versorgt werden.

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Der Wald muss für Windenergie weichen

Der Wald muss also weichen, um das Klima zu schützen. Geschäftsführer Ralf Paschold vom Windpark Reinhardswald ist der Konflikt zwischen dem Schutz der Wälder auf der einen Seite und dem Schutz des Klimas auf der anderen bewusst. Deshalb wurden für die Fällarbeiten hauptsächlich Fichtenstandorte ausgesucht, sagt er. „Fichtenstandorte haben eine Biodiversität wie ein Maisfeld, im Gegensatz zum Buchenstandort, der wesentlich kostbarer ist von der Artenvielfalt. Auf den wenigsten Flächen standen überhaupt noch Bäume durch die die Stürme, Dürren und Borkenkäferkalamitäten: Die Bäume, die wir fällen müssen, können wir zählen. Wir haben ca. 260 Buchen zu fällen.“, so Paschold.

Windenergie in Hessen

Der Ausbau der Windenergie in Hessen nimmt langsam wieder an Fahrt auf. Wurden 2020 nur 15 Anlagen genehmigt, waren es ein Jahr später schon 45. Dennoch liegt Hessen nur auf Platz 10 im bundesweiten Vergleich. Dennoch stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, Windräder da zu bauen, wo extra Bäume gefällt werden müssen. „Wenn wir den Wald aufgrund der Klimakrise verlieren, dann haben wir auch nichts davon. Deswegen sind Windenergie, Naturschutz und Nachhaltigkeit zwei Seiten einer Medaille. Nur mit dem Ausbau erneuerbarer Energien können wir auch unseren Wald auf Dauer schützen“, so Priska Hinz, Umweltministerin (Grüne).

Beim Regierungspräsidium Kassel hat das Aktionsbündnis Märchenwald den sofortigen Stopp der Arbeiten gefordert. Fakt ist aber auch: Wenn wir aus den fossilen Energien aussteigen und CO² verringern wollen, dann brauchen wir erneuerbare Energien - ohne die geht es nicht. Denn am Ende müssen wir es schaffen, unser Klima zu retten.