Wie einst Tom Hanks in "Terminal"

Junge Russen fliehen vor Kriegsdienst und stranden am Flughafen in Südkorea

Russen stranden an Flughafen Südkorea
Wladimir Maraktajew lebt seit mehreren Monaten am Flughafen von Incheon.

Ihr Schicksal erinnert an das der Filmfigur Viktor Navorski, die Tom Hanks in der Tragikomödie "Terminal" (2004) spielt: Fünf Russen sind am Flughafen von Incheon gestrandet, nachdem sie vor der Teilmobilisierung in ihrer Heimat nach Südkorea geflohen waren. Was sie nicht wussten: Das asiatische Land lehnt den weitaus größten Teil der dort gestellten Asylanträge ab.

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Russe soll in Ukraine-Krieg ziehen und flieht

Wladimir Maraktajew (23) erhält am 24. September die Nachricht, dass er für Russland in den Ukraine-Krieg ziehen soll, berichtet die "Korea Times". Schnell ist für ihn klar, dass er fliehen muss. "Wenn uns jemand angreift und meine Angehörigen in Gefahr bringt, würde ich mich freiwillig zum Kampf melden", sagt er. "Aber es ist eine ganz andere Geschichte, wenn mein Land den Krieg anzettelt." Niemals würde er zur Waffe greifen, "um in der Ukraine unschuldige Menschen zu töten".

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Südkorea gesteht 23-Jährigem keinen Flüchtlingsstatus zu

Der 23-Jährige macht sich mit anderen Männern, die ebenfalls in den Krieg ziehen sollten, auf den Weg Richtung Mongolei. Von der Hauptstadt Ulaanbaatar aus fliegt Maraktajew auf die Philippinen und am 12. November weiter nach Südkorea. Doch seine Hoffnung, dort bleiben zu können, zerschlägt sich: Dass der junge Russe nicht in den Krieg ziehen will, ist für die südkoreanischen Behörden kein ausreichender Grund, ihm den Flüchtlingsstatus zuzugestehen. Sein Asylgesuch wird abgelehnt.

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Privatsphäre ist anders: das Nachtlager der am Flughafen gestrandeten Russen.

Wie ihm geht es vier weiteren Russen in Incheon nahe der Hauptstadt Seoul: Die Männer leben seit Monaten im Warteraum des Duty-Free-Bereichs – Ende offen. Essen und Getränke bekommen sie vom südkoreanischen Justizministerium: zum Frühstück und Abendessen jeweils ein Muffin mit Saft und zum Mittagessen Reis mit Huhn.

Doch die fünf Russen kämpfen weiter dafür, als Flüchtlinge anerkannt zu werden und haben einen Anwalt eingeschaltet. Derzeit wird vor Gericht verhandelt, ein Urteil soll Ende Januar fallen. Rein statistisch gesehen stehen ihre Chancen nicht gut: Die Anerkennungsquote für Flüchtlinge in Südkorea lag im Jahr 2021 bei gerade einmal 1,3 Prozent. (bst)