RTL News>Fussball>

Jürgen Klopp: DIESEN fatalen Fehler beging er im Champions-League-Finale

Thiagos Fuß war taub

Jürgen Klopp: DIESEN fatalen Fehler beging er im Finale

Klopp geknickt: "Real hatte einen Torschuss, oder? Ancelotti sagte Sieg voraus
02:38 min
Ancelotti sagte Sieg voraus
Klopp geknickt: "Real hatte einen Torschuss, oder?

30 weitere Videos

In der Kabine des FC Liverpool mochte niemand den Stolz teilen, den Trainer Jürgen Klopp fühlte. Er fühlte den Stolz, obwohl seine drückend überlegene Mannschaft gerade erst das Finale der Champions League mit 0:1 (0:0) gegen Real Madrid verloren hatte. Während die Königlichen im Stade de France die Krönung der surrealen Reise durch die Königsklasse zelebrierten und den Henkelpott in die Luft stemmten, blickten die Reds erschöpft in ihr europäisches Nirwana. Sie waren der Favorit, sie waren besser, aber sie waren verzweifelt. Vor allem an Torwart Thibaut Courtois, der mehrfach titanische Paraden auspackte, aber auch an Madrids Leidenschaft.

"Wir machen eine Parade!"

Der seltsamste CL-Sieger aller Zeiten"Selbst wenn niemand auf dem Planeten verstehen wird, dass wir eine Parade machen, machen wir eine. Ich hoffe, dass alle in Liverpool kommen", bekannte Klopp noch am Abend. Es war eine Art Selbstvergewisserung, dass diese Saison etwas ganz Besonderes war. Zwar nicht gekürt mit dem historischen Quadruple, aber eben mit zwei Titeln, dem FA-Cup und dem Ligapokal, und zwei zweiten Plätzen. In der Liga, wo sich das Team wieder mal einen spektakulären Zweikampf mit Manchester City geliefert hatte, und nun eben in der Champions League. Ja, es war eine fantastische Saison. Ohne Frage.

Lese-Tipp: Real gewinnt die Champions League - und keiner weiß warum!

"Wir werden diese Saison feiern. Nach etwas Schlaf und ein paar Worten von mir werden meine Spieler das dann hoffentlich auch verstehen", sagte Klopp. "Die Jungs brauchen etwas länger, und das verstehe ich. Aber die zwei Titel, die wir nicht gewonnen haben, haben wir mit dem kleinsten Unterschied verloren, der möglich ist." In der Premier League war es ein Punkt, in der Königsklasse ein Tor (zumindest zur Verlängerung). Woran es gelegen hat? An der einfachsten Sache der (Fußball)-Welt. "Sie haben ein Tor geschossen, wir nicht." Wenn der Torwart des Gegners "Man of the Match" ist, dann "weißt du, dass irgendwas scheiße gelaufen ist."

Trent Alexander-Arnold erwischt einen rabenscharzen Abend

Tatsächlich kannte das Spiel fast nur eine Richtung - zum Tor der Madrilenen. 24 Mal pfefferten die Reds den Ball auf das Gehäuse, ohne jeden Ertrag. Wie gnadenlose Effizienz geht, machte Real in der 59. Minute vor, Vinicius Junior vollendete einen perfekten Konter. Unklar ist indes, ob Vorlagengeber Fede Valverde wirklich passen oder nicht vielleicht doch schießen wollte. Seine knallharte Hereingabe, die der junge Brasilianer am langen Pfosten verwandelte, lieferte Argumente für beides. Also für Pass und Schuss. Sei's drum! Die Szene erzählt aber eine ganze Menge über die Niederlage der Liverpooler.

Dann ist da zum Beispiel Trent Alexander-Arnold. Der 23-Jährige gilt als modernster Rechtsverteidiger der Welt. Der Engländer hat einen unbändigen Offensivdrang. In dieser Saison hatte er 19 (!) Tore vorbereitet. Eine unfassbare Statistik. Der Makel, der ihm anhängt: Bisweilen übertreibt er es mit seinen Vorstößen. Ausgerechnet im Finale lieferte er eine seiner schlechtesten Leistungen der Spielzeit ab. Fast immer hatte er vorne die falsche Idee und ließ nach hinten reichlich Luft. Vinicius Junior, sein Gegenspieler, bestrafte das aber nur einmal. Glück für "TAA", dass Innenverteidiger Ibrahima Konaté regelmäßig für ihn einsprang.

Lese-Tipp: Toni Kroos entgleist nach dem Triumph

Konaté war an diesem Abend der prägende Spieler in der Liverpooler Defensive, auch wenn die lediglich selten gefordert wurde. Virgil van Dijk, der Hüne, der Anführer, blieb dagegen überraschend blass - und beim Gegentor viel zu passiv. Er ließ Valverde tun, was er tun wollte. Sein Versuch den Schuss zu blocken, war mehr ein Alibi als ein Arbeitsnachweis. Doch die Fehlerkette hatte bereits im Mittelfeld angefangen. Thiago und Fabinho hatten den Konter nicht stoppen können. Das sonst so perfekt harmonierende Duo befand sich für einen kurzen Moment aus der Balance. Ein folgenschwerer Abstimmungsfehler, der die Mitte öffnete.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Warum spielte Thiago eigentlich?

 Liverpool FC v Real Madrid - UEFA Champions League Final 2021/22 Thiago Alcantara of Liverpool FC during the UEFA Champions League Final match between Liverpool FC and Real Madrid CF at Stade de France on May 28, 2022 in Paris, France. Paris Paris F
Thiagos Fuß war offenbar taub.
www.imago-images.de, IMAGO/NurPhoto, IMAGO/Giuseppe Maffia

Thiago, das war so ein Spieler, dem nach herausragenden Spielen in den vergangenen Wochen eine Heldenrolle für das Finale in Paris, das von einem erschütternden Einlass-Chaos überschattet worden war, zugeteilt worden war. Doch der Spanier, der ein Spiel auf eine einzigartige Weise mit seiner Genialität beherrschen kann, wirkte bei allem Engagement reichlich gehemmt. Was offenbar auch gesundheitliche Gründe hatte.

Lese-Tipp: "Bullshit" der UEFA sorgt für wilde Empörung

Wie Klopp nach dem Spiel bei DAZN berichtete, habe Thiago wegen Schmerzen in "einem Bereich, wo man es nicht so richtig ignorieren kann", Schmerzmittel gespritzt bekommen. "Alles gut. Nur das Problem ist, da war der Fuß taub." Er habe zu Thiago gesagt: "Du hast mit taubem Fuß immer noch 80 Prozent mehr Ballgefühl als ich."

Eine typische Klopp-Anekdote. Aber eine, die zumindest die Fragen aufwirft, ob der Thiago-Plan so sinnvoll war? Offenbar war sich auch Klopp nicht ganz sicher, Thiago wärmte sich abseits der Truppe auf, während Naby Keita für einen Einsatz bereits bereitstand. Es kam aber eben anders. Ein fataler Fehler!

Lese-Tipp: Polizei setzt Tränengas auch gegen Schwangere und Kinder ein

Nun war es allerdings nicht so, dass die Mannschaft wegen der Ausfälle ihrer Schlüsselspieler chancenlos war. Das Gegenteil war der Fall. Doch aus der gefühlten Dominanz sprang zu wenig Zwingendes heraus. Liverpool fehlte das, was es sonst auszeichnete. Das Spiel war "heavy" aber ohne "metal". Die Spuren einer zehrenden Saison waren unübersehbar. Die Power nicht auf dem obligatorischen Reds-Level. Mo Salah und Sadio Mané verzweifelten an Courtois, der Rest des Teams an der leidenschaftlichen Gegenwehr der könglichen Helden im Blaumann. Angeführt von den starken Schlachtrössern David Alaba und Dani Carvajal.

Während Carlo Ancelotti, der wundersam auferstandene Trainer-Routiner von Real, ein für unmöglich gehaltenes Comeback auf der größten Bühne feierte und sich mit seinem vierten Triumph in der Königsklasse endgültig zur unsterblichen Trainer-Legende machte, musste Klopp mit der nun dritten Niederlage im vierten Königsklassen-Finale umgehen. Er tat das auf seine Weise. Aufrecht und mit Stolz. Kritik an der Titelausbeute kassierte der 54-Jährige sofort und vehement ein: "Da ist uns natürlich nix vorzuwerfen, was soll der Mist?" (tno)