Nach mehr als 12.000 Tagen

Deutscher Doppelmörder Jens Söring kommt nach 33 Jahren aus US-Gefängnis frei

28. November 2019 - 15:11 Uhr

Jens Söring widerrief sein Mordgeständnis

Am 30. April 1986 wird in England der deutsche Diplomatensohn Jens Söring verhaftet. Verona Pooth feiert an diesem Tag ihren 18. Geburtstag. In der Bundesrepublik regiert Kanzler Helmut Kohl. Jens Söring ist von nun an kein freier Mann mehr. 33 Jahre lang wird er im US-Bundesstaat Virginia hinter Gittern verbringen, mehr als 12.000 Tage seines Lebens. Jetzt kommt der verurteilte Doppelmörder frei, auf Bewährung. Die USA muss er verlassen, er soll nach Deutschland gebracht werden. Jens Söring bestreitet, die Eltern seiner Freundin getötet zu haben. Im Video erzählt er seine Version der Geschichte.

Mordgeständnis aus Liebe: „Ich dachte, ich sei ein Held“

Versprechen
Plakat der deutschen Verfilmung mit dem Titel "Das Versprechen".

Der Fall Jens Söring ist ein spannender, ungewöhnlicher Kriminalfall, bis heute ranken sich Mythen um die Geschichte. Auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem brutalen Mord sind noch immer viele Fragen offen. Jens Söring ein eiskalter Mörder oder ein naiver Liebhaber? Das Schicksal des Deutschen und seiner kanadischen Freundin Elizabeth Haysom wird verfilmt. Söring selbst schreibt ein Buch.

Im März 1985 werden in der Kleinstadt Lynchburg Nancy und Derek Haysom erstochen, brutal niedergemetzelt. Die Leichen der Eltern von Elizabeth Haysom sind blutüberströmt. Allein auf den Vater wird 38 Mal eingestochen. Die Köpfe der Leichen sind abgetrennt. Ermittler sagen, der Tatort sehe aus "wie ein Schlachthaus".

Urteil: zweimal lebenslänglich für Jens Söring

Jens Söring: Für seine erste und letzte Liebe bezahlte er mit einem Leben im US-Knast
Elizabeth Haysom und Jens Söring (Archiv, 1990)
© picture alliance / ASSOCIATED PR

Des Mordes für schuldig gesprochen wird ein junges Paar. Jens Söring, ein hochintelligenter deutscher Diplomatensohn. Elizabeth Haysom, Tochter eines reichen Unternehmers aus der Stahlindustrie. Sie ist bisexuell, möglicherweise ein Opfer sexuellen Missbrauchs durch ihre Mutter. Das Urteil: Zweimal lebenslänglich für ihn, 90 Jahre wegen Anstiftung zum Mord für sie.

Das Paar kennt sich seit 1984, als sich Söring in die Studentin verliebt, die er so "verdammt sexy" findet, die offenbar die erste Frau in seinem Leben ist. Nach dem Mord an ihren Eltern setzen sich die beiden nach England ab, wo sie der Polizei als Betrüger ins Netz gehen.

Er gesteht, weil ihr die Todesstrafe droht

Beim Verhör wird Jens Söring den Mord auf sich nehmen. Weil ihr die Todesstrafe droht. "Aus Liebe", sagt er. Im Prozess wird er erklären, er habe gelogen und sei unschuldig. "Ich dachte, ich sei ein Held", erzählt er später, der das Leben der Frau rettet, die er liebt.

Jetzt wird der inzwischen 53-Jährige aus dem Gefängnis entlassen. Das teilte das zuständige Gremium Virginias mit. Laut Gouverneur Ralph Northam wird Söring der Einwanderungspolizei übergeben und nach Deutschland ausgeliefert. Er soll nie wieder in die USA einreisen dürfen. Söring stelle keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit dar und habe lange genug gebüßt. Eine Begnadigung wurde allerdings abgelehnt.

Auch Elizabeth Haysom kommt frei, sie soll in ihr Heimatland Kanada ausgeliefert werden.