RTL News>Rtl Nord>

Jens Söring: Das bereut er nach 33 Jahren US-Knast am meisten

1987 wegen Doppelmordes an Eltern seiner Ex verurteilt

Jens Söring nach 33 Jahren US-Knast: „Habe meiner Familie unglaubliches Leid zugefügt“

PRODUKTION - 14.09.2021, Hessen, Frankfurt/Main: Jens Söring steht im Palmengarten in Frankfurt und hält sein Buch «Rückkehr ins Leben» in der Hand. Der Sohn eines deutschen Diplomaten war in den USA wegen Doppelmordes zu lebenslanger Haft verurteilt
Ex-Langzeit-Häftling Jens Söring
brx lop, dpa, Boris Roessler

55-Jähriger beteuert seine Unschuld

Wegen dem Doppelmord an den Eltern seiner damaligen Freundin wird Jens Söring 1987 zu zweimal lebenslänglich verurteilt. Die Morde im Jahr 1985 hatte er zunächst gestanden, das Geständnis später aber wieder zurückgezogen und seither seine Unschuld beteuert. Im Dezember 2019 wird er überraschend auf Bewährung aus der Haft entlassen und nach Deutschland überstellt. Bei „SternTV“ erzählte er nun von seinem neuen Leben in Freiheit.

Überwältigt vom Wandel

Als Jens Söring 2019 nach über 33 Jahren nach Deutschland zurückkehrt, ist er von den Veränderungen, die er in drei Jahrzehnten Haft verpasst hat, überwältigt. „Ich konnte mich im Supermarkt an der Wursttheke gar nicht entscheiden, welche Wurst ich nehme, weil es so viele verschiedene Arten gab“. Auch an den technischen Wandel musste sich der 55-Jährige erst einmal gewöhnen. „Ich wusste nicht wie man einen Anruf auf einem Smartphone annimmt, das war alles neu für mich“.

Lockdown als größte Freiheit

Nur drei Monate nach seiner Haftentlassung gibt es in Deutschland den ersten Lockdown zur Bewältigung der Corona-Pandemie. „Trotz der Freiheitsbeschränkungen, war es für mich noch immer die größte Freiheit überhaupt“, erzählt Söring. „Die Welt dreht sich so schnell, und so viel schneller als in den 80er Jahren. Weil durch den Lockdown aber die ganze Welt so ein bisschen langsamer wurde, hatte ich die Chance, mich daran zu gewöhnen“.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

„Ich bin bereit Rede und Antwort zu stehen“

Heute lebt Jens Söring in Hamburg. Erkannt werde er nur selten. „Die wenige Male, wo das passiert ist, waren das positive Erlebnisse. Und wenn mich jemand ansprechen will, bitte. Ich bin bereit Rede und Antwort zu stehen und ich unterhalte mich gerne mit Menschen.“

„Ich kann meine Unschuld nicht beweisen“

Die Frage, die wohl die meisten Menschen interessieren dürfte, ist die nach seiner Unschuld. Immerhin hatte er den Doppelmord zunächst gestanden und wurde 2019 auch nur auf Bewährung entlassen. „Ich kann meine Unschuld nicht beweisen. Ich kann beweisen, für jeden Menschen der halbwegs fair ist, dass ich nie hätte verurteilt werden dürfen. Das ist für viele Menschen schwer zu ertragen“, so Söring.

„Ich habe meiner Familie unglaubliches Leid zugefügt“

Am meisten scheint Söring sein aus seiner Sicht falsches Geständnis zu bereuen: „Ich habe meiner Familie unglaubliches Leid zugefügt mit diesem falschen Geständnis. Und ich bin da wirklich nicht frei von Schuld gegenüber meiner eigenen Familie.“

Söring hoffte auf Immunitätsschutz

Als Sohn eines deutschen Diplomaten vertraute der heute 55-Jährige damals nach eigenen Angaben auf seine Immunität: „Es ist im Allgemeinen so, dass auch die Familienmitglieder von Diplomaten geschützt sind. Ich dachte, das schlimmste, was mir passieren könnte wäre, dass ich nach Deutschland geschickt werden würde und dort 5-10 Jahre in einem Jugendgefängnis verbringe.“

Mit seinem falschen Geständnis habe er seine damalige Freundin, gegen die auch ermittelt wurde, vor einer möglichen Todesstrafe schützen wollen. „Das war ein Preis, den war ich bereit zu zahlen, um ein Menschenleben zu retten.“

„Rückkehr ins Leben“

In seinem Buch „Rückkehr ins Leben“ verarbeitet Söring seine Zeit in Haft und seine Rückkehr nach Deutschland. Zukünftig möchte der 55-Jährige seinen Lebensunterhalt als Buchautor bestreiten. (tja)