Aufforstung unter Wasser

Korallengärtner "pflanzen" Hoffnung - Wie Jamaika seine Unterwasserwelt rettet

17. September 2019 - 18:15 Uhr

Die "Regenwälder der Meere" sind vom Aussterben bedroht

Die Zeit für den Erhalt der Korallenriffe wird knapp. Nur wenn der Klimawandel gebremst wird, die Wassertemperatur nicht weiter ansteigt und die starke Überfischung gestoppt wird, kann dieser einzigartige Lebensraum noch gerettet werden.
Solange will und kann Jamaika nicht warten, deswegen nimmt die Karibikinsel die Sache jetzt selbst in die Hand: Unterwassergärtner versuchen mit dem Anbau von Korallengärten, das Aussterben der Koralle zu stoppen. Im Video sehen Sie, wie ihre Arbeit aussieht und ob das Projekt schon Früchte trägt.

Korallengärtner - Hoffnung für die Korallen

Die Korallenriffe Jamaikas erstrecken sich über mehr als die Hälfte der insgesamt 1.022 Kilometer langen Küste. Doch im Laufe der Jahre haben Umweltverschmutzung und Überfischung ihnen stark zugesetzt. Nach einer Reihe von Naturkatastrophen in den 1980er- und 1990er-Jahren sind 85 Prozent der Nesseltiere, die wie bewegliche Pflanzen anmuten, ausgestorben.

Die "Oracabessa Bay Fish Sanctuary", wie sich die Organisation nennt, ist nun der erste Versuch, Jamaikas Korallenriffe wiederzubeleben. Seit 2010 versuchen nun eigens dafür ausgebildete Korallengärtner die Riffe wiederaufzuforsten. Es sind größtenteils einheimische Fischer, die die "Gartenarbeit" erledigen. Denn zum einem haben sie Erfahrung mit der Arbeit im Wasser, zum anderem litten die Fischer besonders stark am Korallensterben: Ihr Fang hatte sich auf ein Sechstel reduziert

Korallen sind die großen Verlierer der Umweltkatastrophe

Korallenriff Jamaika
Ein Korallenriff bei Jamaica.
© iStockphoto, mirjana Simeunovich

Nicht nur in der Karibik herrscht ein großes Korallensterben. Schuld daran ist der Klimawandel und die dadurch erhöhte Wassertemperatur, die die Korallen ausbleicht. Ihre eigentlich bunte Färbung bekommen die faszinierenden Lebewesen nämlich durch Algen - eine lebenswichtige Verbindung, denn die Korallen sind abhängig von den Nährstoffen, die diese Algen bilden.. Doch wenn das Wasser wärmer wird, werden die Algen giftig, und die Korallen stoßen sie ab.

Bereits 1999 stellte der australische Biologe und Klimaforscher Ove Hoegh-Guldberg von der Universität of Queensland eine Verbindung zwischen globaler Klimaerwärmung und Korallensterben her. "Die Bleichen geschehen auf Grund außerordentlich hoher Wassertemperaturen in vielen tropischen Küstengebieten", erklärt der Wissenschaftler.

Hinzu kommt noch eine Meeresübersäuerung: Da die Meere Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen, verringert sich ihr pH-Wert. Die Versauerung lässt die Kalkskelette der Steinkorallen langsamer wachsen, sie werden empfindlicher und damit anfälliger für Fraßfeinde.​