30 Jahre lang unterdrückte und missbrauchte "Der Doktor" (77) Frauen und Kinder

Der Feenkreis des Sexgurus

01. August 2020 - 12:42 Uhr

Es geht um Sex, Gehirnwäsche, Folter und Ausbeutung

Sie nannten sich die "Bestien", ihr Anführer vergewaltigte und missbrauchte Frauen. Sie folterten sie, setzten sie psychisch unter Druck. 30 Jahre lang soll die Psycho-Sekte ihr Unwesen getrieben haben, angeführt von einem Guru, den seine Opfer "Er" oder "Der Doktor" nennen musste. Jetzt flog der bösartige Lustgreis (77) in der Nähe von Novara im Norden Italiens auf. Er soll viele Komplizen und Helferinnen gehabt haben, berichten italienische Medien. Unser Video zeigt, wie er seine Opfer köderte.

"Er entscheidet alles. Er wählt aus, mit welchen Mädchen er Spaß haben möchte"

Screenshot, Polizia di Stato
Die Gruppe nannte sich "Die Bestien" (Screenshot, Polizia di Stato)
© Polizia di Stato

Seiner Umwelt gaukelte der Mann ein normales Leben vor, getarnt hinter der Fassade einer bürgerlichen Existenz in einem alternativen Heilberuf. Hinter den dicken Mauern seines Anwesens soll er ein Regiment des Schreckens geführt haben. Folter, Sklaverei und Gewalt seien an der Tagesordnung gewesen, heißt es im Polizeibericht.

Ans Tageslicht kamen die Machenschaften erst vor zwei Jahren, als sich eine Betroffene der Polizei offenbarte. Sie war nicht einmal zehn Jahre alt, als sie das erste Mal missbraucht wurde. "Er entscheidet alles. Er entscheidet, wen sie besuchen können, wo Sie arbeiten können. Er wählt aus, mit welchen Mädchen er Spaß haben möchte. Er entscheidet, ob Sie zu unseren 'Feenplätzen' gehen können oder nicht", sagt sie den Ermittlern. Wie viele Opfer es insgesamt gibt, ist noch unklar, die Dunkelziffer dürfte immens sein.

Mehr als 20 Menschen sollen dem obskuren Guru geholfen haben, seine Opfer zu finden und zu unterdrücken. Sie nannten sich selbst die "Bestien", unterhielten ein dichtes Netzwerk. So konnten sie die Opfer unterdrücken und in Abhängigkeit halten. Neben offener Gewalt auch mit Psychotricks. Um nicht aufzufliegen, schafften die Gruppe ein alternativ anmutendes Umfeld, in dem sie zwei Tanzschulen und eine Schule für "keltisches Schwert" unterhielt, Kräuterkurse anbot, einen Kunsthandwerksladen und einen Verlag gründete.

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Dichtes Netzwerk an Abhängigkeiten

Polizeivideo; Polizia di Stato
Screenshot aus einem Polizeivideo zur Aktion in Novara
© Polizia di Stato

Der "Doktor" behielt dabei stets die oberste Kontrolle – über alles, so die Ermittler. Gezielt wurden labile Persönlichkeiten ausgewählt. Familiären und psychologische Schwierigkeiten und Schwächen seien ausgenutzt worden, immer mit dem einen Ziel, die Opfer zu "zwingen, sich nur ihm hinzugeben".

Die Organisation setzte professionelle Psychologen ein, um ihre Opfer zu manipulieren und ging nach einem festen Schema vor. Auch von "Gehirnwäsche" ist die Rede.

"Magische Praktiken", bei denen es oft um Sex geht

Den "Auserwählten", im Allgemeinen jungen Frauen, aber oft auch Teenager oder sogar Kinder, wurden erst mit Aufmerksamkeiten geködert und dann in die "Philosophie" der Sekte eingeführt. Von "magischen Praktiken" ist die Rede – hauptsächlich sind damit sexuelle Praktiken gemeint. "Oft extrem und schmerzhaft", so der Bericht.

Nach und nach wurden die Betroffenen von der Außenwelt isoliert und in die Abhängigkeit zur Sekte getrieben, bis diese der einzige Bezugspunkt für sie darstellte. Auch finanziell wurden sie ausgebeutet. Drei Jahrzehnte lang blieben die furchtbaren Machenschaften verborgen, ehe eine Frau die Kraft aufbrachte, ihr Schweigen zu brechen.