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Inzidenzwerte: „Die 35 ist sicherlich nicht mehr die 35 von vor einem halben Jahr“

Diskussionen über neue Maßnahmen

Inzidenzwerte: „Die 35 ist sicherlich nicht mehr die 35 von vor einem halben Jahr“

ARCHIV - 07.06.2021, Niedersachsen, Hannover: Eine Frau bekommt ihre erste Corona-Schutzimpfung verabreicht. Die hoch ansteckende Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Bayern zunehmend aus. Die mit Abstand meisten registrierten Fälle gibt es
Eine Impfquote von 85% unter Jüngeren fordert das RKI. Nur so ließe sich der Wettlauf gegen eine vierte Welle im Herbst gewinnen.
mof vco fuw, dpa, Moritz Frankenberg

Anstieg von Coronazahlen

Die Coronazahlen steigen wieder. Einen deutlichen Anstieg gibt es vor allem bei jungen Erwachsenen. Zwar langsam, aber kontinuierlich. Wozu das schnell führen kann, zeigen unsere Nachbarländer, zum Beispiel die Niederlande. Doch was tun, wenn die Zahlen wieder die bekannten Inzidenzschwellen von 35, 50 oder gar 100 erreichen? Hat sich die Bedeutung des Inzidenzwertes durch den Impffortschritt oder das immer häufigere Auftreten der Delta-Variante verändert?

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Neue Maßnahmen bei hohen Inzidenzen

Die Zahlen steigen, vor allem aufgrund der Delta-Variante. Schon bald könnte die Inzidenz wieder bei einem Wert von über 35 liegen. Doch hat sich seit dem letzten Erreichen solcher Werte nicht Einiges verändert? Schließlich sind mittlerweile fast 59 Prozent der Deutschen zumindest einmal geimpft. So jedenfalls sieht das die Rheinland-Pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer . Beim Gespräch im ntv-Frühstart fordert sie weniger harte Maßnahmen: "Die 35 ist sicherlich nicht mehr die 35 von vor einem halben Jahr. Schlicht und ergreifend deshalb, weil dagegengestellt werden die Menschen, die geimpft worden sind." Ab welcher Stelle einschränkende Maßnahmen wieder nötig seien, müsse daher von der Bundesregierung wieder vollkommen neu festgesetzt werden.

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Maßnahmen müssen an neue Kriterien geknüpft werden

Seit Ende Juni gilt die Bundesnotbremse nicht mehr, die vor allem bundesweite Einschränkungen ab Inzidenzwerten von 100 eingeleitet hat. Schon damals wurde von vielen die rein inzidenzbasierten Maßnahmen kritisiert. Auch bei der Überlegung von neuen Maßnahmen müsse beispielsweise die Situation in den Krankenhäusern, sowie die Impfquote mit den aktuellen Zahlen verglichen werden. Aber solche Maßnahmen müssen erstmal wieder beschlossen werden. Die nächste Ministerpräsidentenkonferenz ist für Ende August angesetzt. Möglicherweise ist die Einführung bundeseinheitlicher Regelungen bis dahin schon zu spät.

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Ziel ist Impfquote von 85 Prozent

In jedem Fall ist die Impfbereitschaft der Deutschen für den Verlauf der Pandemie weiter entscheidend. Vor allem bei den Jüngeren. Laut Robert-Koch-Institut würde die Zahl der belegten Intensivbetten auch bei vielen Infektionen kaum steigen, falls sich 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen impfen lassen. Wären es aber nur 65 Prozent, gäbe es ohne strenge Maßnahmen im schlimmsten Fall zum Jahresende 6000 Covid-Intensivpatienten. Die Zielimpfquote muss bei den 12- bis 59-Jährigen also bei 85 Prozent liegen, bei den über 60-Jährigen bei 90%. Nur so lässt sich der Wettlauf der Impfkampagne gegen die Delta-Variante vor Herbstbeginn meistern.

Neuer Lockdown im Herbst?

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier richtet sich noch einmal mit einem Appell an die Bevölkerung: "Lassen Sie sich impfen! Lassen wir nicht nach. Erst wenn noch mehr Menschen im Land den vollständigen Impfschutz erhalten haben, ist das gemeinsame Ziel erreicht." Passiert dies nicht, könnte es vermutlich auch wieder zu einem neuen Lockdown bei einer vierten Welle im Herbst kommen. Die Rheinland-Pfälzische Ministerpräsidentin bleibt bei dem Thema vage optimistisch: "Ausschließen kann man nichts. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir es gemeinsam schaffen werden dies zu verhindern." (khe)