"Die Corona-Lage ist momentan nicht mehr unter Kontrolle"

Mediziner schlagen Alarm: Situation auf Intensivstationen spitzt sich weiter zu

Eine Mitarbeiterin der Pflege steht in einem Zimmer einer Corona-Intensivstation (Symbolbild).
Eine Mitarbeiterin der Pflege steht in einem Zimmer einer Corona-Intensivstation (Symbolbild).
© deutsche presse agentur

22. November 2021 - 13:49 Uhr

Die Auslastung der Intensivstationen ist besorgniserregend

Die Situation auf Deutschlands Intensivstationen wird in der vierten Corona-Welle immer ernster. Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) Gernot Marx teilte auf einer Pressekonferenz mit, dass die Corona-Lage "sehr besorgniserregend und momentan nicht mehr unter Kontrolle" sei. Laut Marx seien allein in der letzten Woche 1.887 Covid-19-Patienten neu auf deutsche Intensivstationen aufgenommen worden, 689 an Corona gestorben.

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Lage ist regional sehr unterschidlich: In einigen Bundesländern muss schon priorisiert werden

Die steigende Anzahl der Corona-Intensivpatienten trifft die Krankenhäuser unter erschwerten Bedingungen. "Weil wir eben konfrontiert sind mit der Situation, dass viele unserer Pflegekräfte aufgrund ihrer Erschöpfung ihre Arbeitszeit reduziert oder sogar ihren Beruf verlassen haben."

Regional ist die Auslastung der Intensivstationen sehr unterschiedlich. In den Bundesländern Bayern, Sachsen und Thüringen ist die Situation bereits besonders ernst. Hier muss auf den Intensivstationen teils schon priorisiert werden. Das heißt nicht notwendige medizinische Eingriffe werden aufgeschoben, bei voller Belegung müssen die Patienten auf andere Krankenhäuser verteilt werden.

Zwar werde auch in den kommenden Tagen und Wochen jeder Notfall intensivmedizinisch versorgt werden können, allerdings müsse vermieden werden, dass die medizinische Versorgung in Deutschland in einen Notfallmodus übergeht.

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Mediziner rechnen mit viereinhalb tausend Corona-Intensivpatienten

Die DIVI rechnet mit mindestens viereinhalb tausend Corona-Patienten auf den deutschen Intensivstationen und mit einer Auslastung, die die der dritten Corona-Welle übersteigen könnte. Selbst wenn alle neu ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie greifen würden.

Die Mediziner fordern deswegen schnelle Auffrischungs-Impfungen. "Es müssen Strukturen geschaffen werden, um Booster schnell durchführen zu können", teilt DIVI-Präsident Marx mit. Die geschlossenen Impfzentren müssten wieder öffnen, man müsse mobile Impfteams aufbauen. Falls die politischen Maßnahmen nicht schnell zu einer Entspannung der Situation führten, seien spätestens im Dezember zusätzliche Maßnahmen notwendig, um die vierte Welle zu brechen. (jra)

In diesen Landkreisen sind Intensivbetten ausgelastet

Die interaktive Karte zeigt, wie stark die Intensivstationen in Ihrem Landkreis ausgelastet sind. Besonders eng wird es in den rot eingefärbten Kreisen. Hier sind nur bis zu 10 Prozent aller Intensivbetten frei. Die Grafik zu der Auslastung der Intensivbetten bezieht sich auf ganz Deutschland. Sie zeigt einen Überblick, wie sich die Belegung der Betten in allen registrierten Krankenhäusern zum Vortag verändert hat.

Wie hoch die 7-Tage-Inzidenz in Ihrem Landkreis ist, also die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen, können Sie hier nachschauen!