Große Sorgen wegen der Delta-Variante

Intensivmediziner optimistisch: Weniger Intensiv-Patienten bei vierter Welle im Herbst

Die Deltavirus-Variante von Covid-19 breitet sich vor allem in Großbritannien weiter stark aus.
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21. Juni 2021 - 7:03 Uhr

Die Pandemie ist noch nicht vorbei

Die Sonne scheint, die Inzidenzen sinken, wir haben wieder mehr Freiheiten. Da kann Corona schon mal gerne in Vergessenheit geraten. Doch die Pandemie ist noch nicht vorbei. Denn trotz sinkender Coronazahlen in Deutschland gibt es verstärkt Sorgen wegen der möglicherweise gefährlicheren Delta-Variante des Coronavirus. Intensivmediziner-Chef Christian Karagiannidis rechnet aber mit weniger Patienten bei einer vierten Welle im Herbst. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnt trotzdem vor Übermut im Sommer.

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Weniger Patienten, wenn vulnerablen Gruppen gut geimpft

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, Christian Karagiannidis, rechnet in einer möglichen vierten Corona-Welle mit weniger Patienten auf den Intensivstationen. "Wir werden, wenn es im Herbst zu einem Wiederanstieg der Infektionszahlen kommt, sehr genau auf die Neuaufnahmen auf den Intensivstationen schauen müssen. Wenn die vulnerablen Gruppen bis dahin sehr gut geimpft sind, könnte es auch bei höheren Inzidenzen viel weniger schwere Verläufe geben", sagte er der "Rheinischen Post".

Bisher seien die Intensiv-Neuaufnahmen weitestgehend parallel zu den Inzidenzen verlaufen. Wenn die vulnerablen Gruppen sehr gut geimpft seien, könne es im Sommer erstmals zu einem abweichenden Verhalten kommen. Die Inzidenzen würden dann stärker steigen als die Intensiv-Aufnahmen, weil die potenziellen Patienten durch Impfung besser geschützt seien.

Lauterbach fordert, auch Kindern ein Impfangebot zu machen

Herdenimmunität sei zwar weiterhin das Ziel. Und was die Erwachsenen angehe, sei das bis September zu schaffen, sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach Ende der vergangenen Woche. Doch wenn 80 Prozent immunisiert seien, heiße das nicht, dass die restlichen 20 Prozent sich nicht mehr anstecken könnten. "Eine Herdenimmunität im engeren Sinne gibt es eigentlich gar nicht", sagte Lauterbach weiter. Vor diesem Hintergrund forderte der Gesundheitsexperte, auch Kindern ein Impfangebot zu machen. "Gerade bei der Delta-Variante haben wir in England gesehen, dass von den infizierten Kindern ein Prozent so schwer erkranken, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das ist keine Kleinigkeit."

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Spahn: Richtige Balance finden

Nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht es in der derzeitigen Pandemie-Phase auch mit Blick auf die Delta-Variante darum, die richtige Balance zu finden. "Wir können jetzt lockern", sagte der CDU-Politiker in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Die Stimmung dürfe aber nicht zu Übermut führen. "Also: Zuversicht für den Sommer, aber eben auch Vorsicht vor allem dann auch Richtung Herbst und Winter."

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Mit Blick auf Kinder und Jugendliche sagte Spahn: "Unser Ziel sollte sein, so viel Normalität wie möglich nach den Ferien auch für die Schulen, aber eben auch so viel Sicherheit wie möglich." Eine Möglichkeit dabei seien Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren. "Wir können bis Ende August, jedem über 12-Jährigen, der geimpft werden will, mindestens die erste Impfung angeboten haben." Für alle Nicht-Geimpften brauche es auch weiterhin mindestens regelmäßiges Testen.

Risiken im Reiseverkehr

Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Michael Theurer verwies auf Risiken im Reiseverkehr. "Letztes Jahr hat das Reiserückkehrmanagement komplett versagt." Davon sei eine Infektionswelle ausgelöst worden. Von einem erneuten Lockdown hält die FDP nichts. "Die Politik muss raus aus der Lockdown-Logik", so Theurer. Die AfD warnte vor einem weiteren Eingriff in Freiheitsrechte. "Die Bürger haben ein Recht darauf, ihre bürgerlichen Freiheiten wieder in Anspruch zu nehmen und Zug um Zug zur Normalität zurückzukehren", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sebastian Münzenmaier der "Welt".

Gute Vorbereitung auf eine mögliche vierte Corona-Welle

Oppositionspolitiker forderten von der Bundesregierung einen konkreten Fahrplan, wie der Delta-Variante begegnet werden soll. "Das Politikversagen, das wir im letzten Jahr durch fehlende Luftfilter in Schulen, volle Busse und Bahnen und viel zu wenig Schutz am Arbeitsplatz erleben mussten, darf sich nicht wiederholen", sagte die Fraktionsvorsitzende der Linken, Amira Mohamed Ali, der "Welt". "Die Bundesregierung muss endlich aus ihren Fehlern lernen und die Strukturen schaffen, um einen guten Herbst und Winter zu ermöglichen."

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Auch der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes forderte eine gute Vorbereitung auf eine mögliche vierte Corona-Welle. "Keiner weiß, ob und in welchem Umfang es eine vierte Welle geben wird. Aber wenn sie kommt, sollten wir darauf gut vorbereitet sein: Es ist sehr wichtig, dass die Gesundheitsämter jetzt zügig zusätzliches Fachpersonal erhalten", sagte die Vorsitzende Ute Teichert der "Rheinischen Post". (dpa)

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