Mutter steht vor Hamburger Gericht

Hat sie ihre vierjährige Tochter vergiftet?

Eine Mutter steht wegen versuchten Mordes an ihrer vierjährigen Tochter in Hamburg vor Gericht.
Eine Mutter steht wegen versuchten Mordes an ihrer vierjährigen Tochter in Hamburg vor Gericht.
© deutsche presse agentur

02. August 2021 - 15:59 Uhr

Schlafmittel hätte Tochter töten können

Eine Mutter aus dem Stadtteil Farmsen-Berne soll ihrer vierjährigen Tochter Ende vergangenen Jahres Schlaf- und Beruhigungsmittel verabreicht haben, die für das Kind hätten tödlich sein können. Nun muss sich die 36-Jährige, die als Intensivkrankenschwester arbeitet, wegen versuchten Mordes an ihrer kleinen Tochter vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Was das Motiv für die Tat sein könnte, ist noch völlig unklar.

Vor Gericht wirkt die Angeklagte auf den RTL Nord-Reporter neutral und abgeklärt: Stumm hört sie der Anklageverlesung zu, reagiert nicht, vergießt keine Tränen. Der Prozess wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgeführt.

Ärzte entdecken neurologische Auffälligkeiten bei Tochter

Laut Anklage brachte die dreifache Mutter ihre Tochter am 28. Dezember 2020 mit Verdacht auf Schädelprellung ins Kinderkrankenhaus Wilhelmstift. Der Zustand des Mädchens verschlechterte sich aber zunehmend und die Vierjährige wurde ans Kinder-UKE (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) überwiesen. Hier bemerkten die Ärzte neurologische Auffälligkeiten, die nicht allein durch die Schädelprellung hervorgerufen worden sein konnten. Es folgten weitere Untersuchungen. Das Ergebnis: Urin- und Blutproben hätten Rückstände von Schlaf- und Beruhigungsmitteln ergeben. "Es waren sogenannte Benzodiazepine dabei, die nicht für kleine Kinder geeignet sind", so ein Gerichtssprecher.

Versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung

Die Ärzte erstatteten Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft wirft der angeklagten Mutter nicht nur versuchten Mord, sondern auch gefährliche Körperverletzung vor. Zudem ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, dass die dreifache Mutter ihrer Tochter ein mitgebrachtes Mittel im Kinderkrankenhaus Wilhelmstift verabreichte und zwei weitere Medikamente im Kinder-UKE. Nach ärztlichen Angaben sei das Kind schläfrig und matt geworden. Es habe zudem akute Lebensgefahr aufgrund eines Atemstillstandes bestanden.

Die Deutsche sitzt seit Februar in Untersuchungshaft. Bis zum 6. Dezember sind 22 Verhandlungstage geplant. (dpa/fst)