Inflationsrate auf höchstem Stand seit fast 30 Jahren

Diese 20 Waren und Dienstleistungen sind besonders stark gestiegen

12. August 2021 - 10:14 Uhr

Im Video: Die besten Spar-Tipps von RTL-Verbraucherexperte Torsten Knippertz

Das Leben in Deutschland hat sich im Juli kräftig verteuert. Angeheizt vor allem von höheren Energiepreisen sprang die Inflationsrate auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren. Die Verbraucherpreise lagen im Juli um 3,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. RTL-Verbraucherexperte Torsten Knippertz zeigt im Video, wie jeder Haushalte trotz Inflation ordentlich Geld einsparen kann.

Energiepreise treiben weiter Inflation an

Einen höheren Wert hatten die Statistiker zuletzt im Dezember 1993 mit damals 4,3 Prozent ermittelt. Im Juni 2021 hatte die Inflationsrate noch bei 2,3 Prozent gelegen.

Der Anstieg der Energiepreise (+ 11,6 %) heizte die Inflation auch im Juli an. Mit Ausbruch der Corona-Krise waren die Rohölpreise im vergangenen Jahr wegen geringer Nachfrage auf dem Weltmarkt eingebrochen. Seither haben sie sich erholt. Zudem sind in Deutschland seit Januar 25 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO2) fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht.

Vor allem Heizöl (+ 53,6 %) und Sprit (+ 24,7 %) verteuerten sich gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich. Ohne Berücksichtigung der Energieprodukte hätte die Inflationsrate den Angaben zufolge im Juli 2021 bei 2,9 Prozent gelegen. Für Lebensmittel mussten Verbraucher im Juli 4,3 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor.

Die Preise für Nahrungsmittel stiegen im Juli 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,3 Prozent, nach plus 1,2 Prozent im Juni 2021. Merklich teurer gegenüber Juli 2020 wurden zum Beispiel Gemüse (+ 7,2 %) sowie Speisefette und Speiseöle (+ 6,9 %). Darüber hinaus verteuerten sich unter den Waren auch Bekleidungsartikel (+ 6,2 %) und Fahrzeuge (+ 5,2 %) sowie Möbel und Leuchten (+4,0 %) deutlich. Etwas billiger wurden dagegen unter anderem Mobiltelefone (-2,9 %).

Verbraucherpreisindex: Diese Waren und Dienstleistungen sind im Juli 2021 besonders teuer geworden

Waren und DienstleistungenVeränderung gegenüber
Vorjahreszeitraum in Prozent
Leichtes Heizöl53,6 %
Dieselkraftstoff27,5 %
Superbenzin23,8 %
Autogas21,9 %
Glücksspiele14,4 %
Fahrschule10,3 %
Foto- und Videokameras9,6 %
Gemüse7,2 %
Speisefette und Speiseöle6,9 %
Finanzdienstleistungen6,2 %
Fahrräder6,2 %
Pflanzen und Blumen6,1 %
Bekleidung5,9 %
Schiffsticket5,9 %
Zucker, Marmelade, Honig5,2 %
Milch, Butter, Eier5,1 %
Mineralwasser, Limonaden und Säfte4,9 %
Flugticket4,5 %
Brot und Backwaren4,3 %
Zeitungen und Zeitschriften4,2 %

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Mehrwertsteuersenkung lässt Inflation steigen

Ein wichtiger Grund für den aktuellen Anstieg ist ein sogenannter Basiseffekt: Um den Konsum in der Corona-Krise anzukurbeln, hatte der Bund die Mehrwertsteuer befristet vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 gesenkt. Seit Januar 2021 gelten wieder die regulären Mehrwertsteuersätze, Waren und Dienstleistungen werden also tendenziell wieder teuer.

Die Teuerung dürfte in den nächsten Monaten weiter anziehen. Ökonomen halten das bislang weitgehend für ein vorübergehendes Phänomen. (dpa/aze)