Im Podcast "heute wichtig"

Mythos Herdenimmunität: "Das Ziel kann doch nicht heißen, dass sich niemand infiziert"

IMPFPASS Impfung COVID 19 SARS CoV 2 Corona COVID 19 Pandemie *** IMPFPASS Vaccination COVID 19 SARS CoV 2 Corona COVID
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23. November 2021 - 6:00 Uhr

Immunologe Peter Kern erklärt Konzept der Herdenimmunität für gescheitert

Es müssen nur genügend Menschen gegen das Coronavirus geimpft sein, dann sind die anderen ebenfalls geschützt – eine weitverbreitete Annahme zu Beginn der Pandemie. Von diesem Gedanken sollten wir uns allerdings verabschieden, meint der Immunologe Peter Kern und erklärt das Konzept der Herdenimmunität bei "heute wichtig" für gescheitert.

Impfung schützt vor schwerem Verlauf aber nicht vor Infektion

Ein, zwei kleine Piekse mit Biontech, Moderna oder Johnson & Johnson – und vorbei ist der ganze Spuk mit dieser Pandemie. Diese schöne Vorstellung zu Beginn der Coronakrise hat wohl einige Menschen durch die letzten Monate getragen. Doch das ist zumindest zum Teil ein Trugschluss, leider. Denn ja, man schützt sich selbst mit einer Impfung gegen das Coronavirus und man schützt zu einem gewissen Grad auch andere. Doch der Schutz vor einer Infektion war nie das Hauptziel der Impfung – ein weit verbreitetes Missverständnis.

Immunologe Prof. Peter Kern kennt diesen Denkfehler nur zu gut: "Die Impfung schützt sehr, sehr gut vor schwerer Erkrankung und vor Tod. Sie schützt aber nicht so gut vor Infektion. Wenn wir nur auf die Infektionszahlen schauen, dann schauen wir auf die falsche Kategorie."

Prof. Dr. Peter M. Kern
Prof. Dr. Peter M. Kern erklärt im Podcast "heute wichtig", warum das Konzept der Herdenimmunität aus seiner Sicht gescheitert ist.
© Walter M. Rammler/Klinikum Fulda

Geimpfte Infizierte sind nicht das Problem

Denn wirklich wichtig ist der Unterschied, ob sich jemand lediglich infiziere, oder an Covid-19 erkranke: "Das Ziel, das wir in dieser Pandemie haben, kann doch nicht heißen, dass sich niemand infiziert. Wenn jemand der infiziert ist nur leicht krank ist, ist das doch kein Problem. Weder für den Betroffenen, noch für die Gesellschaft." Das wirkliche Problem, das mit großen Belastungen für das Gesundheitssystem und die Intensivstationen einhergeht, sind die schweren Erkrankungen und die Todesfälle.

Denn wenn diese Intensivstationen überlastet sind, kommt es im schlimmsten Fall zur sogenannten Triage, auf die sich erste Kliniken in Sachsen bereits vorbereiten: "Triage bedeutet, dass man den weniger Kranken nicht versorgen kann, zugunsten der Versorgung des Kränkeren. Also eine Ressource, die man nur einmal hat, kann man natürlich auch nur einem Menschen zuteilwerden lassen – und wenn zwei sie bräuchten, dann muss einer zurücktreten. Das ist eine Situation, die wir sonst niemals haben, die kennen wir in der Medizin nicht."

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Außerdem im Podcast: Die größten Zukunftssorgen der jugen Leute in Deutschland

Außerdem schauen wir bei "heute wichtig" auf die Ergebnisse der Studie "Jugend in Deutschland", die jedes halbe Jahr bei den 14-29-Jährigen nachfragt, was sie gerade umtreibt und wie sie ihre Lebens- und Arbeitswelt jetzt und in Zukunft gestalten möchten. Die Ergebnisse zeigen: Diese Jugend ist nicht so grün, wie man vielleicht erwarten könnte.

"Wir sehen bei der Jugend zwar die Bereitschaft, andere, nachhaltigere Lebensformen zu erproben. Wir sehen allerdings auch: Es wird nicht ohne etwas Druck gehen", so der Studienautor und Jugendforscher Simon Schnetzer. Neben der Klimakrise sind vor allem die finanziellen Nöte und damit einhergehend die Sorgen um die Rente prominent: "Wir hören seit Jahren: Die Rente ist nicht sicher, die Rente ist nicht sicher. Das trägt Früchte bei den Jugendlichen."

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