Das Mädchen war überfordert mit Border Collie Mo

16-Jährige kauft Hund über Online-Kleinanzeige - und setzt ihn kurz danach wieder aus

Mo wurde von seiner überforderten Besitzerin ausgesetzt.
Mo wurde von seiner überforderten Besitzerin ausgesetzt.
© Sylvia Hemmerling

03. Dezember 2020 - 9:41 Uhr

Verzweiflungstat eines Teenagers - die auf ein größeres Problem hinweist

Eine 16-Jährige kaufte sich einen Hund über das Kleinanzeigenportal Quoka. Doch schon nach kurzer Zeit war das Mädchen im Umgang mit dem Tier überfordert – und setzte es einfach aus. Doch der niedliche Border Collie "Mo" hatte Glück im Unglück.

Einfach an den Baum gebunden

"Es ist eine Geschichte zum Kopfschütteln", schreibt das Tierheim Köln-Dellbrück in einem Instagram-Post, in dem erstmals über das Schicksal des Rüden berichtet wird. Eine Frau fand den Border Collie festgebunden an einem Baum, Maulkorb auf der Schnauze. Er wurde jedoch gerade erst ausgesetzt, sodass die Zeugin das Auto noch wegfahren sah und sich geistesgegenwärtig das Nummernschild notieren konnte. Sie brachte Mo ins Tierheim und informierte die Polizei.

Dank der aufmerksamen Zeugin fand die Kölner Polizei schnell den Fahrer des Wagens. In seiner Wohnung befand sich auch eine 16-Jährige, die die Tat ohne zu zögern zugab. Sie habe Mo vor einigen Wochen über Quoka gekauft, war aber, nachdem er sie mehrfach gebissen habe, absolut überfordert, so das Tierheim Köln-Dellbrück im Instagram-Beitrag. "Und anstatt sich bei uns oder an anderer Stelle Hilfe zu suchen hatte sie ihn dann samt Maulkorb ausgesetzt."

Hund Mo im Tierheim Köln-Dellbrück
Mo ist ein hübsches Kerlchen - aber Border Collies sind nicht gerade unanstrengend!
© Sylvia Hemmerling

„Wir kriegen im 5-Minuten-Takt Tiere, die bei Ebay & Co. gekauft werden“

Wir haben mit Sylvia Hemmerling vom Tierheim Köln-Dellbrück über Mo und das Problem von Tierkäufen über Internetportale gesprochen. "Es war einfach Glück für den Hund. Aber einen Hund auszusetzen darf man auch nicht mildern. Auch wenn sie 16 ist und auch wenn sie hilflos war. Das macht man nicht", erzählt sie gegenüber RTL.

"Wir kriegen mittlerweile im 5-Minuten-Takt Tiere, die bei Ebay gekauft werden", erklärt Hemmerling die Problematik. "Es ist viel einfacher, sich da ein Tier zu kaufen als ins Tierheim zu gehen, es ist billiger als beim Züchter und deswegen blüht dieser Handel halt ohne Ende. Von Kaninchen über Mäuse, bis Katzen und Hunde – bei jedem Dritten, der sein Tier abgeben will, fragt man 'Wo ist es denn her? – Aus dem Internet!'".

Gerade jetzt in der Corona-Pandemie werde das Problem noch verstärkt, so Hemmerling. Es gebe gerade viele Menschen, die jetzt im Homeoffice sind, nicht mehr viel unternehmen können, sich zu Hause langweilen. "Der Run auf Hunde ist so extrem im Moment, dass wir Tierheime die Leute überhaupt nicht mehr bedienen können, weil wir gar nicht genug haben. Und dann wird das im Internet noch mehr frequentiert."

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Die Anschaffung von Haustieren sollte gut überlegt sein

Sylvia Hemmerling wünscht sich, dass sich Menschen vorher Gedanken darüber machen, ob sie einen Hund betreuen können. "Werde ich einem Hund ein Leben lang gerecht? Kann ich einen Hund ein Leben lang finanzieren? Habe ich (oder einer aus der Familie) ein Leben lang genug Zeit für den Hund? Kann ich das 15 Jahre lang (wenn es ein kleiner Hund ist) irgendwie leisten?" Diese Fragen müsse man sich stellen, bevor man ein Tier aufnimmt. Auch sei nicht jede Rasse für jeden Besitzer geeignet. Bei Tieren, die übers Internet verkauft werden, stellt diese Fragen aber häufig keiner. Wenn dann auch der Käufer sich der Verantwortung nicht bewusst ist, ist die Tragödie vorprogrammiert.

"Was uns am Herzen liegt, ist dass der Tierverkauf über diese Plattformen endlich mal verboten wird", sagt Sylvia Hemmerling. Das ist ein Riesenproblem, dass wir Tierheime auslöffeln müssen."

Mo ist übrigens nun erstmal zur Beobachtung und tierärztlichen Versorgung im Tierheim. Noch sind daher keine Adoptionswünsche möglich. Aber sobald ein neues Zuhause für den hübschen Border Collie gesucht wird, gibt das Tierheim Köln-Dellbrück dies auf seiner Homepage bekannt.