Trotz Verurteilung durfte sie weiter Kinder betreuen

Horror-Kita geschlossen - Mutter: Erzieherin quälte meine Söhne

12. November 2019 - 9:41 Uhr

Kita-Leiterin seit August wegen Körperverletzung und Nötigung verurteilt

Simone Navarro kann nicht fassen, dass sie die grausamen Details erst jetzt erfährt. Ihre Söhne Nico und Angelo gingen über Jahre in eine Kita in Schönwalde (Brandenburg). Beide wurden dort gequält und genötigt. Die Leiterin der Kita wurde bereits im August 2018 wegen Körperverletzung und Nötigung zu einer Geldstrafe verurteilt. Dennoch leitete Martina N. danach weiter den Kindergarten - bis zur Schließung in der vergangenen Woche.

Vom Urteil - dass auch ihren Sohn Nico als Opfer miteinschließt - erfahren die Eltern erst nach mehreren Nachfragen bei Ämtern. Ihr Sohn habe bereits 2015 eine Essstörung entwickelt, die sie damals nicht auf die Kita zurückgeführt hätten, beschreibt Nicos Mutter im RTL-Interview. Die grausamen Details des Kita-Zwangs zum Essen - im Video.

Brandenburg: Familie Navarro enttäuscht, dass sie niemand informierte

Kita in Schönwalde: Schwere Vorwürfe von Eltern gegen Kita-Leiterin
Der kleine Angelo mit geschwollener, roter Wange als sein Vater ihn aus der Kita abholte
© Privat

Ihr zweiter Sohn Angelo ging seit November 2016 in die Horror-Kita. Die Eltern beschreiben im RTL-Interview, ihrem an Down-Syndrom leidenden Sohn seien die Winden nicht gewechselt worden und in dem als integrativ betitelten Kindergarten keine ausreichende Betreuung gewährt worden.

Als der kleine Angelo mit einer geschwollenen Wange nach Hause kam, konfrontierte der Vater die Kita-Leiterin mit der Verletzung. Im RTL-Interview berichten die Eltern, die Frau sei ausfällig geworden und habe behauptet, er sei im Sandkasten hingefallen. Ähnliche Vorfälle häufen sich daraufhin, die Navarros melden sich immer wieder bei den Ämtern. Als sie erfahren, dass Martina N. bereits im August verurteilt wurde - und in diesem Urteil auch ihr Sohn Nico erwähnt wurde - erstatten sie Anzeige.

Urteil: Angeklagte drückte Kind Brot in den Mund

Mittlerweile ist die Horror-Kita geschlossen. Die Staatsanwaltschaft teilt auf RTL-Anfrage mit, dass die neuen Vorwürfe von Eltern eines betroffenen Kindes Gegenstand aktueller Ermittlungen seien. "Es handelt sich um neue Vorwürfe, die nach der Verurteilung einer Kita-Mitarbeiterin durch das Amtsgericht Bernau, aufgekommen sind", so die Staatsanwaltschaft. Im August 2018 wurde Martina N. zu einer Geldstrafe von 5.400 Euro wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt.

Im Urteil, das RTL vorliegt, heißt es: "An einem Tag im Zeitraum vom 23.02. bis zum 10.04.2015 wollte das Kind Nico Navarro nicht essen, sodass die Angeklagte dem Kind ein belegtes Brot in den Mund drückte und somit diesen gewaltsam Nahrung zuführte." Karsten N., Vorstand der Kita und Ehemann von Martina N., sagt im RTL-Interview, sie seien einsichtig gewesen, was das Urteil anginge. Er widerspricht aber auch den neuen Vorwürfen und sagt: "Wenn man den ganzen Tag mit Kindern arbeitet, kann man schon mal die Nerven verlieren."