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Holzöfen und Stromheizungen angesichts Angst vor Gas-Stopp und kaltem Winter gefragt wie nie

Angst vor dem Gas-Aus

Jetzt werden Öfen und Brennholz knapp

Die Nachfrage nach Holzöfen und Elektro-Heizungen ist gestiegen
Die Nachfrage nach Holzöfen und Elektro-Heizungen ist gestiegen
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Was passiert, wenn Putin den Gashahn zudreht? Diese Frage stellen sich aktuell wohl viele Deutsche und die Sorge, im Winter in einer kalten Wohnung zu sitzen, ist groß. Denn immerhin heizt rund die Hälfte aller Deutschen in ihren Häusern und Wohnungen mit Gas. Viele schauen sich jetzt schon nach Alternativen um – die Folge: Holzöfen sind gefragt wie nie. Doch auch ein Ofen garantiert kein warmes Wohnzimmer, wenn es am Brennholz fehlt. Auch Stromheizungen werden immer beliebter – doch ist das wirklich eine gute Alternative?

Nachfrage explodiert durch Ukraine-Krieg

Holzöfen und Brennholz sind im Zuge des Ukraine-Kriegs bundesweit Mangelware geworden. Ofenbauer und Installateure können sich vor Aufträgen besorgter Kunden kaum retten, die eine zusätzliche Heizmöglichkeit in Haus oder Wohnung einbauen wollen. „Mit Ausbruch des Krieges ist die Nachfrage explodiert“, sagt ein Sprecher des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) in Sankt Augustin auf Anfrage.

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Auch die Brennholzhändler sind mit einem bundesweiten Kundenansturm konfrontiert und können die gestiegene Nachfrage vielerorts nicht mehr bedienen. „Der Markt ist leer“, sagt Gerd Müller, Leiter der Geschäftsstelle des Bundesverbands Brennholz in Kamen

Die Menschen sind verunsichert

Auslöser sind offensichtlich sowohl die sprunghaft gestiegenen Gas- und Heizölpreise ebenso wie die Sorge, dass die Heizung im nächsten Winter kalt bleiben könnte. „Die Menschen sind verunsichert oder gar verängstigt“, heißt es beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima. Zumindest einige Kunden werden ihren Ofen aber wohl nicht mehr vor Ende des nächsten Winters bekommen. Die Wartezeit liegt laut dem Verband zum Teil bei einem Jahr, denn auch die Ofenbauer sind von Fachkräftemangel und Lieferproblemen betroffen wie so viele Branchen.

Stromheizung als Alternative?

Auch Heizlüfter, Radiatoren und Konvektoren erfreuen sich in diesem Jahr großer Beliebtheit. Zwischen Januar und Mai ist der Absatz der Elektroheizgeräte gegenüber dem Vorjahr nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung um 25 Prozent gestiegen. Doch lohnt sich so eine Anschaffung überhaupt? Energieberaterin Inse Ewen von der Verbraucherzentrale Bremen ist da skeptisch: „In den meisten Fällen ist es überhaupt nicht sinnvoll“, sagt sie im Interview mit RTL. „Die elektrische Beheizung durch Radiatoren, Konvektoren und Heizlüfter ist auf jeden Fall eine wahnsinnig teure Angelegenheit und hilft dann nicht weiter, wenn es um die Rechnung geht.“

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Eine sinnvolle Nutzungsmöglichkeit sieht die Expertin aber: Es ist eigentlich nur die Notlösung, wenn die Heizung wirklich ausfällt und wenn ich keine andere Heizungsmöglichkeit für meinen Raum habe. Aber es ist wirklich nur eine Notlösung. Es ist keine strategische Überlegung.“

Lohnende Alternative: Die Wärmepumpe

Eine strategische Überlegung, um auch langfristig wegzukommen vom Gas, ist eine Wärmepumpe. Auch sie arbeitet mit Strom, hat aber einen deutlich höheren Effizienzgrad als zum Beispiel ein Heizlüfter. Bis 2030 will das Wirtschaftsministerium auf einen Stand von sechs Millionen Wärmepumpen kommen. Die Bundesregierung plant also eine Offensive zum Einbau von Wärmepumpen als umweltfreundliche Alternative zur Öl- und Gasheizung

Doch klar ist auch: Der Einbau einer solchen Heizung dauert. Viele Betriebe kommen bei den Aufträgen kaum hinterher. Auch Installateur Peter Seven kann die Nachfrage kaum bedienen. Die Wartezeit beträgt bei ihm aktuell sieben bis acht Monate. Denn der Wärmepumpen-Boom stößt auf Lieferengpässe. Für den kommenden Winter ist das schon zu spät. Dazu kommt: Eine Wärmepumpe eignet sich nicht für jedes Haus. Wo der Einbau besonders sinnvoll ist, lesen Sie hier:

Lese-Tipp: Energieberater: Nicht in jedem Haus macht eine Wärmepumpe Sinn!

In jedem Fall ergibt es Sinn, Gas zu sparen. Das ist nicht nur gut für die Umwelt und den Geldbeutel, sondern auch für den kommenden Winter. (rcl mit dpa)

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