Festnetz in Hochwassergebieten womöglich erst wieder 2022 nutzbar

Mobilfunk oder Megafon? Wie steht's um die Kommunikation in den Krisenregionen?

21. Juli 2021 - 22:07 Uhr

90 Prozent des mobilen Netzes wiederhergestellt

Zerstörte Mobilfunkmasten, kein Strom, keine Lautsprecher – die Menschen in den Hochwassergebieten leiden nicht nur unter dem Verlust ihres privaten Eigentums, sondern auch unter dem Zusammenbruch der Infrastruktur, insbesondere der zur Kommunikation. Die Anbieter arbeiten mit Hochdruck daran, alle Menschen wieder an die Netze anzuschließen - doch das könnte noch Monate dauern. Was die Deutschlandchefs der großen Mobilfunkanbieter dazu sagen und wie in Ahrweiler den Menschen mit Gratis-Handys und Powerbanks geholfen wird, sehen Sie im Video.

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Ausgelaufenes Heizöl und Explosionsgefahr haben Arbeiten an Mobilfunkstationen erschwert

Die Aufräumarbeiten seien unter teils schwersten Bedingungen abgelaufen, erklärt Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone: "Ein Großteil des Netzes ist wieder aktiv, über 90 Prozent funktionieren bereits wieder. Es ist immer abhängig auch von der Stromverfügbarkeit." Es sei auch abhängig davon, ob man Zugang zu den Mobilfunkstationen habe.

"Wir sind zum Teil mit Bergepanzern unterwegs gewesen, um heranzukommen an die Stationen", so Ametsreiter im RTL-Interview. Es sei Heizöl ausgelaufen und es habe Explosionsgefahr gegeben und trotzdem seien Dinge repariert worden, sagt der Vodafone-Chef. Die Bemühungen seien groß, den Menschen vor Ort schnellstmöglich zu helfen. Eine Million Euro stellt der Konzern Flutopfern deshalb bereit.

Telefonica: 90 Prozent des Mobilfunknetzes wieder aktiv

Auch das mobile Netz von Telefonica Deutschland steht in den betroffenen Gebieten mittlerweile wieder zu 90 Prozent. Den Vorschlag von Vodafone an die beiden Mitbewerber, die jeweiligen Netze auch den Kunden der Konkurrenz zugänglich zu machen, haben Telekom und Telefonica bislang allerdings abgelehnt.

Der Vorstandsvorsitzende von Telefonica, Markus Haas, sagte im RTL-Interview: "Mobilfunk ist heute eine Daseinsvorsorge, jeder braucht jeden Tag sein Handy und ich denke, wir werden nach dieser Katastrophe auch, insbesondere, wenn es um flächenmäßig große Ausfälle geht, in Krisenfällen National-Roaming-Konzepte diskutieren", erklärte der Telefonica-Chef. Aber im konkreten Fall sei dies keine Lösung, so Haas.

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Festnetz in betroffenen Hochwassergebieten womöglich erst wieder 2022 nutzbar

Auch Telekom-Chef Timotheus Höttges kündigt Spenden an die Flutopfer in Höhe von einer Millionen Euro an. Wichtigste Aufgabe sei es nun, die Infrastruktur zu reparieren. Rund 90 Prozent der ursprünglich ausgefallenen Mobilfunkstandorte seien inzwischen wieder am Netz und zerstörte Glasfaserleitungen seien an vielen Stellen durch Richtfunk ersetzt worden. Der Wiederaufbau des Festnetzes werde mehrere Monate dauern.

Insgesamt seien im Telekom-Mobilfunknetz durch die Unwetter etwa 130 Standorte in den Krisenregionen in NRW und Rheinland-Pfalz ausgefallen, hieß es vor drei Tagen von der Telekom. Es gebe Orte, in denen eine komplett neue Infrastruktur aufgebaut werden müsse. Die Telekom habe Maßnahmen ergriffen, um Betroffenen schnell und unkompliziert zu helfen. So würden Handys, SIM-Karten und Powerbanks in die Krisengebiete geschickt. Vertragskunden könnten kostenlos für 31 Tage unlimitiertes Datenvolumen aktivieren.

Das mobile Netz kehrt also nach und nach wieder in die betroffenen Regionen zurück, das Festnetz allerdings wird so schnell nicht wieder nutzbar sein. Diese Infrastruktur in Gänze wieder herzustellen könnte bis 2022 dauern. (dpa/lwe)

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