Gespaltene Meinungen im Fußball-Zirkus

Fan-Party oder Geisterspiele: Wie umgehen mit Corona im Fußball?

29. November 2021 - 13:48 Uhr

Hitzige Debatte: Sind Geisterspiele doch die Zukunft?

Während am Wochenende in Köln mehr als 50.000 Fans im ausverkauften Rhein-Energie-Stadion feierten und jubelten, herrschte bei RB Leipzig gähnende Leere und Geisterspiel-Stille. Daraufhin entbrennt erneut die Diskussion: Wie soll der Fußball mit den steigenden Zahlen in der Corona-Pandemie umgehen? Reicht das 2G-Konzept vieler Vereine oder werden doch die Ligen zu Geisterspielen zurückkehren? Die Experten sind sich uneinig. Wie 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster das sieht, erfahren Sie oben im Video.

Lindner: "In den Größen, in denen die Stadien jetzt besetzt sind, geht das nicht"

Die besorgniserregende Corona-Lage hat die Debatte um die flächendeckende Rückkehr der Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga neu entfacht. Der Zuschauer-Plan steht zwar noch - doch an die Umsetzung glaubt fast niemand mehr. Dass am Samstag tatsächlich 67.000 Fans das Topspiel der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und Bayern München live im Stadion erleben werden, erscheint angesichts der beängstigenden Corona-Lage äußerst unrealistisch. Viel mehr rückt das flächendeckende Comeback der Geisterspiele immer näher - exakt ein halbes nach dem von der Politik deren Ende proklamiert worden war.

"Auch wenn ich Fußball-Fan bin: In den Größen, in denen die Stadien jetzt besetzt sind, geht das nicht", sagte FDP-Parteichef Christian Lindner in der ARD-Talkshow Anne Will. Der designierte Finanzminister dürfte mehr wissen als die Öffentlichkeit - und so könnte das zurückliegende Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach (4:1) vorerst die letzte Partie mit vollen Tribünen gewesen sein. Die Begegnung am Samstag vor 50.000 Zuschauern hat die Debatte um die Geisterspiele entscheidend befeuert. Zahlreiche Spitzenpolitiker und Experten äußerten ihr Unverständnis. Neben Lindner fordern unter anderem Markus Söder und Karl Lauterbach stark reduzierte Zuschauerzahlen oder den erneuten Komplett-Ausschluss der Fans.

Im Video: ntv-Moderatorin schätzt die Lage ein

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Hitzelsberger: "Geisterspiele für uns dramatisch"

Als Folge wird erwartet, dass nach Sachsen auch Baden-Württemberg unter der Woche die Rückkehr zu Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschließen wird. Bayern hat bereits die Zahl der erlaubten Besucher in den Stadien stark reduziert, andere Bundesländer wollen nachziehen. Von Geisterspielen in Baden-Württemberg wären am Wochenende die TSG Hoffenheim (gegen Eintracht Frankfurt) und der VfB Stuttgart (gegen Hertha BSC) betroffen. Die Schwaben sind bereits alarmiert.

Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger warnte eindringlich vor Begegnungen ohne Zuschauer oder gar einem "Fußball-Lockdown". "Geisterspiele sind für uns wirklich dramatisch", sagte der frühere Nationalspieler im SWR und bezeichnete die finanzielle Lage "immer mehr prekär".

Der VfB habe seit Pandemie-Beginn rund 80 Millionen Euro Einnahmeverluste zu verbuchen: "Wir haben eine große Stadionkapazität und sind auch abhängig von den Ticketing-Erlösen", sagte Hitzlsperger: "Wenn die wegbrechen, dann spüren wir das sehr deutlich." Hitzlsperger kann die Gründe für Geisterspiele zwar nachvollziehen, würde sich aber eine andere Lösung wünschen. "Wir haben alle Verordnungen sauber umgesetzt. Alles war sehr offen und kooperativ, und ich habe keine Kritik gehört", sagte er. Deshalb finde er es "sehr, sehr schade", dass nicht über Alternativen zu Geisterspielen gesprochen werde.

 Vor Spielbeginn: leeres Stadion, ohne Zuschauer, Geisterspiel Blick auf Arena von der Tribüne, Corona-Krise VfB Stuttgart vs RasenBallsport Leipzig RBL RB Leipzig 02.01.2021 DFL/DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/
Sieht so nahe die Bundesliga-Zukunft wieder aus?
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Leipzig übt schon einmal vor leeren Rängen

Die ersten Erfahrungen mit der Rückkehr der Partien vor leeren Rängen hat RB Leipzig bereits am Sonntag gemacht. Dabei hat nicht nur das Ergebnis gegen Bayer Leverkusen (1:3) die Bosse desillusioniert.

"Fakt ist, dass man müde wird, nicht nur wir im Fußball, sondern auch jeder andere Bürger im Land, mit immer wieder neuen Einschränkungen und Hoffnungen, die einem gemacht werden. Dann droht doch wieder der nächste Lockdown", sagte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff bei DAZN: "Natürlich ist es sportlich und wirtschaftlich ein großer Nachteil, den wir im Vergleich zu den Bundesligisten haben, die in vollen oder halbvollen Stadien spielen."

Immerhin diesen Nachteil könnte es schon bald nicht mehr geben. Für Söder sind deutschlandweite Kontaktbeschränkungen unumgänglich. "Was die Leopoldina fordert, braucht das ganze Land. Wir müssen jetzt entschlossen handeln", sagte der bayerische Ministerpräsident am Montag im ZDF-Morgenmagazin. (sid/lgr)