Helge Braun im RTL-Interview über die neuen Corona-Beschlüsse

Helge Braun räumt ein: „Der Fehler wurde im Oktober gemacht“

07. Januar 2021 - 14:34 Uhr

Hohe Corona-Zahlen: Man hätte schneller reagieren müssen

Kanzleramtschef Helge Braun hat im Interview mit RTL Fehler eingeräumt. Fehler wurden im Herbst gemacht, sagt der Kanzleramtsminister. Im Sommer habe man zwar genug getan und die Gesundheitsämter unterstützt sowie genügend Schutzausrüstung beschafft. Nach nur geringen Corona-Fallzahlen bis in den Herbst hätte man dann aber schärfer reagieren müssen.

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Zweite Welle: Vorsprung des Sommers wurde nicht genutzt

Kanzleramtsminister Helge Braun und RTL-Politik-Chef  Nikolaus Blome.
Kanzleramtsminister Helge Braun und RTL-Politik-Chef Nikolaus Blome.
© RTL

Auf der Ministerpräsidentenkonferenz am 14. Oktober sei die zweite Welle erkennbar gewesen: "Wir haben diesen Vorsprung, den wir den ganzen Sommer lang hatten, erst aufgebraucht, bevor wir angefangen haben, dann konsequenter zu handeln. Auch die Lockdown-Maßnahmen im November waren ja erkennbar nicht genug, das heißt: Wir hätten schon Mitte Oktober entscheidender und deutlicher handeln müssen," sagt Braun.

Die Länder setzten sich damals gegen die Kanzlerin durch. Merkel hatte sich für härtere Maßnahmen ausgesprochen.

Braun: „Wenn der Lockdown nicht intensiv genug ist, dann dauert er sehr lange.“

Am 5.Januar beschlossen Bund und Länder die Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar. Angesichts der aktuellen Lage ist sich Braun sicher, dass dies die richtige Entscheidung war.
Gegenüber der Vorwoche habe man in Deutschland zwar sieben Prozent weniger Corona-Fälle. Wenn man mit dieser Geschwindigkeit aber weitermachen würde, dauere es 15 Wochen, bis die 7-Tage-Inzidenz unter 50 käme.

"Das ist etwas, das will ich für unsere Volkswirtschaft nicht und auch nicht für den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft," sagt Braun. Gerade in Hinblick auf die neue Virus-Mutation aus England gebe es keinen anderen Weg. Bisher tritt sie in Deutschland nur vereinzelt auf.

Werden bald Büros dicht gemacht?

Noch immer fahren viele Menschen täglich ins Büro. Es gibt inzwischen sogar eine Petition, die Büros zu schließen. Da stellt sich auch die Frage: Werden in Deutschland bald auch Büros und Fabriken geschlossen? "Wir appellieren dafür, dass allen, die einen Büroarbeitsplatz haben, auch ein Home-Office-Angebot gemacht wird", sagt Braun.

Auf die Frage, ob der harte Lockdown ausgeschlossen werden kann, weicht er aus: "Es ist jetzt das ganz Wichtige, dass einmal die Bevölkerung das Ihre tut und die privaten Kontakte reduziert und da wo wir politische Entscheidungen getroffen haben, müssen wir sie sehr konsequent umsetzen."