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Haustiere im Tierheim abgeben statt aussetzen - wie viel kostet die Unterbringung?

Katzen, Hunde & Co.

Haustiere abgeben: Abgabekosten in Tierheimen schwanken sehr stark

Zwei traurig aussehende Katzenbabys blicken durch einen Tierheim-Zaun in die Kamera.
Ein Tierheim in Sachsen-Anhalt hat vier Kätzchen aufgenommen, nachdem sie einfach über den Zaun geworfen wurden. (Symbolbild)
Zbynek Pospisil

von Annette Berger

Wenn Menschen sich nicht mehr um ihre Katze oder ihren Hund kümmern können, ist auch das Tierheim eine Option. Die Kosten für die Abgabe von Haustieren sind recht unterschiedlich.

Etwa 800 Haustiere werden jährlich im Tierheim in der Süderstraße in Hamburg abgegeben

Die etwa dreizehnjährige schwarz-weiße Katzendame schaut etwas scheu auf dem Foto des Hamburger Tierheims. Ihr Halter habe sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um "Pina" kümmern können. "Nun suchen wir ein liebevolles Zuhause für die freundliche Katzendame", lautet der Text in der Vermittlungsanzeige auf der Website des Tierheims.

Die Einrichtung in der Süderstraße verzeichnet pro Jahr etwa 800 Fälle, in denen Haustiere von ihren Haltern abgegeben werden, sagte eine Sprecherin des Tierheims, das jährlich im Schnitt etwa 4000 Haustiere aufnimmt, dem stern. Zu den abgegebenen Tieren kommen behördliche Sicherstellungen und auch Fundtiere hinzu, also beispielsweise streunende Katzen, die augenscheinlich niemandem gehören.

Die Kosten für das Abgeben von Tieren unterscheiden sich je nach Heim

Eine Katze oder einen Hund im Tierheim abzugeben, ist für die meisten Menschen eine schmerzvolle Entscheidung und sollte die letzte Option sein – allerdings ist es immer noch besser, als das Tier einfach auszusetzen, was nicht nur für das Tier lebensgefährlich sein kann, sondern auch mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro geahndet wird. Ist das Leben des Tiers bedroht, ist es zudem eine Straftat.

Die Kosten für die Abgabe eines Haustiers im Tierheim sind deutschlandweit recht unterschiedlich, wie der Spezialist für Tierkrankenversicherungen, SantéVet, in einer aktuellen Untersuchung herausgefunden hat. Im Schnitt müssen Tierbesitzer für einen Hund 89 Euro zahlen und für eine Katze 54 Euro, so das Ergebnis einer Umfrage von SantéVet bei Tierheimen in den 20 größten Städten in Deutschland.

Wer in Hamburg oder Bochum sein Haustier abgibt, zahlt der Untersuchung zufolge am meisten: Einen Hund in die Obhut der Tierschützer wegzugeben kostet demnach in beiden Städten 250 Euro, eine Katze in Hamburg 150 Euro, in Bochum 100 Euro.

In Leipzig würden 180 Euro für einen Hund verlangt und 90 Euro für eine Katze, in Bremen 140 Euro für einen Hund und 100 Euro für eine Katze.

Abgabekosten zu hoch - was tun?

Manchmal kann es auch teurer werden – beispielsweise bei Listenhunden, die erfahrungsgemäß schwieriger an neue Besitzer weitervermittelt werden. "In Bochum beispielsweise können sich die Abgabekosten so auf bis zu 400 Euro erhöhen, in Hamburg auf bis zu 350 Euro", so das Ergebnis der Umfrage.

Wer sich die Abgabekosten nicht leisten könne, sollte sich dennoch an das zuständige Tierheim wenden, raten die Experten von SantéVet. Dann könne man sich gemeinsam eine Lösung überlegen – in Notfällen übernehme der Tierschutzbund die Kosten.

In manchen Tierheimen ist die Abgabe von Haustieren auch kostenlos – in Köln und Nürnberg verlangen die Einrichtungen der Umfrage zufolge kein Geld dafür. Allerdings weise etwa das Nürnberger Tierheim ausdrücklich darauf hin, dass Besitzerinnen und Besitzer Verantwortung für ihre Tiere tragen. Keinesfalls sollte die Entscheidung, sein Tier wegzugeben, leichtfertig getroffen werden.

In Münster und Düsseldorf ist die Abgabe vergleichsweise günstig, zeigt die Umfrage: In der Universitätsstadt würden im Schnitt 13 Euro für Hunde und Katzen berechnet, in der Rheinmetropole 15 Euro.

Doch egal, ob die Gebühren hoch oder niedrig erscheinen – sie sind in jedem Fall symbolisch, denn sie decken keinesfalls die Kosten für Futter oder tierärztliche Versorgung. Das weiß schon jeder Tierbesitzer aus Erfahrung.

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes gibt es in Deutschland allein mehr als 550 Tierheime, die den Vereinen der Organisation angeschlossen sind. Das sind eine Menge Anlaufstellen für Menschen, die in der Not ihr Tier abgeben müssen. Dennoch werden auch derzeit offenbar wieder viele Tiere einfach so ausgesetzt. "Wir haben aktuell sehr viele Fundkatzen", sagte die Sprecherin des Hamburger Tierheims.

Tierheime vermitteln nur kastrierte, gechippte und geimpfte Schützlinge – dementsprechend nehmen sie entweder nur solche Tiere auf oder erheben Gebühren, wenn die Kriterien nicht erfüllt sind. Wer also einen Hund oder eine Katze schweren Herzens im Tierheim abgibt, kann zumindest sicher sein, dass der ehemalige Mitbewohner dort gut versorgt wird – und hoffen, dass das Tier in ein neues Zuhause vermittelt wird.

"Wir haben sehr viel Verständnis, wenn man sich aus verschiedenen Gründen – finanziell, familiär, wegen des Jobs – nicht mehr um sein Tier kümmern kann und es dann bei uns abgibt", sagte die Sprecherin des Hamburger Tierheims. Und so enden traurige Geschichten auch häufig glücklich: Die hübsche Katze "Pina" beispielsweise hat schon das Interesse von neuen Haltern geweckt. Vielleicht zieht sie bald in ein neues Zuhause ein.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de