Nationalheld Takuma Asano„Hansi Flick? Was ist das?“ - frecher Japan-Kicker versetzt Deutschland den WM-Schock
Takuma Asano ist nicht nur ein Schlitzohr, sondern hat auch ein Faible für wichtige Tore. Beim VfB Stuttgart erzielte er einst in der 2. Bundesliga drei seiner vier Saisontore der Saison 2016/17 ausgerechnet im emotionalen Derby gegen den Karlsruher SC, was schnell mal Ruhm und Ehre auf lokal begrenzter Ebene bringt. Nun wird der Heldenstatus Asanos wohl auf Landesebene ausgeweitet. Der pfeilschnelle Flügelflitzer legte mit seinem Sprint und erfolgreichen Abschluss gegen den überforderten Nico Schlotterbeck den deutschen WM-Traum in der Wüste vorerst auf Eis. Das 2:1 traf das DFB-Team und nicht-boykottierende Fan-Lager mitten ins Herz.
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Japans Systemwechsel knackt das DFB-Team
Für Aufsehen hatte Asano zuletzt im April gesorgt. Dort traf er für seinen VfL Bochum zum bislang letzten Mal in der Bundesliga (Doppelpack gegen Hoffenheim) vor den Augen des Bundestrainers ebenfalls nach schnellen Gegenstößen. Und er gab auch ein ziemlich lustiges Interview. Vor der ZDF-Kameras wurde er nach Worten für Hansi Flick gefragt. Seine Antwort: „Hansi Flick? Was ist das?“ Ganz unironisch. Nun, wer Hansi Flick ist, das wird er inzwischen ziemlich genau wissen. Genauso weiß nun jeder Fan der deutschen Nationalmannschaft, wer Asano ist.
Das deutsche Team schnürte über weite Strecken die „Blue Samurai“ ein. Das Hauptproblem bis zur Mitte der zweiten Halbzeit: Es fielen zu wenige Tore. Schon das 1:0 durch Ilkay Gündogan gelang nur durch einen Elfmeter. Die deutsche Offensive um Youngster Jamal Musiala ließ größte Chancen aus, während sich hinten erste Unsicherheiten andeuteten.
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Dann stellte Japans Trainer Hajime Moriyasu um, er wechselte das System. Stärkte die Defensive und brachte mehrere neue Spieler in die Partie, unter anderem in der 57. Minute Asano. Bevor der 28-Jährige seinen großen Auftritt hatte, stachen aber zwei andere Joker. Die Vorlage von Takumi Minamino veredelte der Freiburger Ritso Doan zum 1:1-Ausgleich. Der Überraschungscoup Japans war auch eine Machtdemonstration der deutschen Bundesliga-Legionäre von Mittelklasse-Teams (ok, außer Doan vom SC Freiburg). „Viele Spieler sind nach Deutschland gegangen, um dort ihre Fähigkeiten auszubauen. Und diese haben sie heute gezeigt“, lobte Coach Moriyasu.
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Bühne frei für den blondgefärbten „Jaguar“
Es folgte die Szene, die Asano wohl in die Geschichtsbücher brachte. Niklas Süle hebt das Abseits auf, der lange Freistoß von Ko Itakaru (Borussia Mönchengladbach) landet in den Füßen des Bochum-Außenspielers Asanos. Der 1,73 Meter große Offensivmann ist plötzlich in seinem Element, nimmt die Kugel gekonnt mit und spielt seine große Stärke aus: Sprinten. Der Japaner enteilt Schlotterbeck, der vergisst, eine Heldengrätsche auszupacken (Grüße an Mats Hummels).
Aus sehr spitzem Winkel spitzelt der Außenspieler den Ball über Manuel Neuer. 2.1. Bühne frei für die Nippon-Party. Wobei in all dem Trubel, die Auswechselbank eskalierte aus nachvollziehbaren Gründen, Asano erst gar nicht seinen Krallen-Jubel auspacken konnte, den er in der Bundesliga etabliert hatte (er holte das dann kurz darauf nach). In Raubkatzen-Manier zeigt der blondgefärbte „Jaguar“ in freier Tor-Wildbahn seine „Krallen“ und faucht den Torjubel hinaus.
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Asanos überraschender Weg zum Nationalhelden war nicht unbedingt vorgezeichnet. Beim VfB Stuttgart (er kam damals per Leihe vom FC Arsenal) gelang ihm trotz der Derby-Treffer nie wirklich der Durchbruch (fünf Tore in 45 Partien). Anschließend führte ihn der Weg von Hannover (ein Tor in 15 Spielen ) via Partizan Belgrad (30 in 77) zum VfL Bochum in den Ruhrpott.
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„Ich habe mich viereinhalb Jahre auf diesen Tag vorbereitet“
In Bochum war der Japaner bislang mehr Einwechselkraft denn Stammspieler. Und zuletzt verletzt. Ein Innenbandriss im Knie stoppte Asano jäh. Sein letztes Pflichtspiel absolvierte er am 10. September in der Bundesliga gegen Schalke. Erst kurz vor WM-Beginn meldete er sich fit. Zum Glück für Japan, Pech für Deutschland. Mit der WM erfüllt sich Asano einen großen Traum. Es ist das erste große Turnier im Trikot des japanischen Teams. Bislang spielte er nur bei Olympia 2020. Seine Bilanz: Neun Treffer in 39 Spielen. Solide.
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Wie Asano seinen jüngsten Treffer gefeiert hat, ist derweil noch nicht überliefert. Besondere Tänzchen kann er jedenfalls. Einst (2017) festgehalten vom späteren französischen Weltmeister Benjamin Pavard, zeigte der damalige Teamkollege in Stuttgart einen wilden Nackedei-Tanz zu den Klängen des Songs Gangnam-Style.
Auf Twitter machte er indes Stunden nach dem Schlusspfiff seine Gedanken öffentlich. „Ich habe mich viereinhalb Jahre auf diesen Tag vorbereitet“, schrieb Asano am Mittwoch. „Die frustrierenden Dinge und die glücklichen sind alle mit diesem Moment verbunden. [...] Ich werde von hier aus mein Bestes geben. Vielen Dank.“ Vor dieser Teilzeit-Raubkatze müssen sich wohl nicht nur Deutschland und ein gewisser Hansi Flick fürchten.
