Prozessende nach Mordversuch an Hells-Angels-Boss

Hamburger Rocker-Pärchen verurteilt: „Das Ganze hatte Hinrichtungscharakter“

04. Juni 2019 - 9:12 Uhr

Lebenslange Haft für Racheakt im Hamburger Rockermilieu

Fünf Schüsse auf einen Rivalen in der Hamburger Rockerszene, ein missglückter Mordanschlag, geplant aus dem Gefängnis. Das sah das Hamburger Landgericht als erwiesen an und verurteilte das Hamburger Rocker-Pärchen Arash R. und Lisa S. zu langen Haftstrafen. Der Vorsitzende Richter sagte: "Fünf Schüsse drücken Vernichtungswille aus. Das Ganze hatte Hinrichtungscharakter." Aus dem Knast hat der heute 28-Jährige, der früher im Rockerclub Mongols war, laut Gericht alles geplant. Nach der Urteilsverkündung kam es vor dem Gerichtssaal zu Ausschreitungen – die Bilder sehen Sie im Video.

Anschlag auf Rocker-Boss als Racheakt

Das Urteil: Arash R. wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, Lisa S. erhielt eine Strafe von zwölf Jahren und sechs Monaten. Die Strafkammer zeigte sich davon überzeugt, dass der Angeklagte seine Freundin und einen unbekannten Schützen zu dem Mordversuch anstiftete.

Der Anschlag war nach Überzeugung der Strafkammer ein Racheakt, 2016 war das Paar Opfer eines ähnlich heimtückischen Überfalls im Stadtteil Schnelsen geworden. Dabei hatten die beiden Deutschen schwere Schussverletzungen erlitten. Die Täter konnten damals aus der Wohnung flüchten und wurden nie gefasst.

„Aus Liebe zu ihm gehandelt, weil sie ihn abgöttisch liebt“

Lisa S. hatte vor Gericht eingeräumt, dass sie den Wagen fuhr, aus dem die Schüsse auf den Hells Angels abgefeuert wurden. Sie habe aber nicht gewusst, was der Unbekannte vor hatte. Sie sagte auch aus, dass Arash R. nicht der Auftraggeber gewesen sei. Die Gerichtskammer allerdings war überzeugt, dass er Hintermann und Anstifter war. WhatsApp-Nachrichten und SMS hätten das ergeben. Lisa S. habe, so der Richter, "aus Liebe zu ihm gehandelt, weil sie ihn abgöttisch liebt." Und, bezogen auf die Schüsse 2016, sei das Bedürfnis nach Vergeltung da gewesen. Zwar sei der Schütze bislang immer noch unbekannt. Doch das ist laut Strafkammer unerheblich für das Strafmaß der Angeklagten.

Der Richter hat die Strafmilderung von Lisa S. so begründet: "Sie ist nicht vorbestraft, sie hat sich eingelassen und letztendlich auch zur Tat bekannt und so Aufklärungshilfe geleistet. Sie hat eine starke emotionale Abhängigkeit zum Angeklagten." So habe sie auch bei der Aussage vor Gericht geschluchzt und geweint. Und weiter: "Das Verhalten von Lisa S. ist nicht per se kriminell. Nur in Verbindung zum Angeklagten." Sie könne bei guter Führung früher entlassen werden.

Dariusch F. seit Schüssen querschnittsgelähmt

ARCHIV - 27.08.2018, Hamburg: Polizisten stehen neben einem Auto auf dem Millerntorplatz an der Reeperbahn, nachdem Schüsse gefallen waren. Am 03.06.2019 wird voraussichtlich das Urteil im Prozess um die Schüsse auf einen Rockerboss am Millerntor ver
In diesem Auto trafen Dariusch F. die Schüsse
© dpa, Mücahid Güler, hjb chc ehl

Die Tatnacht am Hamburger Millerntor: In der Nacht zum 27. August 2018 waren auf den Hells Angels-Boss Dariusch F. fünf Schüsse abgegeben worden, als er mit seinem weißen Bentley vor einer Ampel am Millerntor auf St. Pauli hielt. Der 38-Jährige wurde lebensgefährlich an Kopf und Oberkörper verletzt. Er ist seitdem querschnittsgelähmt.