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Apotheker melden Lieferengpässe

Grippeimpfung: Wird der Influenza-Impfstoff knapp?

02. November 2018 - 16:53 Uhr

Apotheker melden Lieferengpässe bei Impfstoff gegen Grippe

Wer vorhatte, sich dieses Jahr noch gegen Grippe impfen zu lassen, sollte sich genau informieren. Denn manche Ärzte und Apotheker melden aktuell, keinen Impfstoff mehr zur Verfügung zu haben. Die regionalen Lieferengpässe kamen durch die erhöhte Impfbereitschaft der Bevölkerung, aber auch durch diverse Unklarheiten zwischen Herstellern, Krankenkassen und Ärzten zustande. Eine Expertin erklärt, was das für Patienten bedeutet.

Nachfrage deutlich höher als 2017

Die zuständige Behörde, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), hatte rund 15,3 Millionen Impfdosen freigegeben. Doch bereits jetzt melden sich in einigen Bundesländern wie Niedersachsen einige Apotheker, denen die Medikamente zum Impfen fehlen. Obwohl die Nachfrage in diesem Jahr deutlich höher ist als noch 2017, kann mit Nachschub nicht gerechnet werden: Die Hersteller haben die Produktion bereits abgeschlossen. Im Interview erklärt Susanne Stöcker vom PEI, was Patienten nun tun können.

Impfstoffe nicht gleichmäßig verteilt?

Termin zur Schutzimpfung
Laut einer Umfrage des Herstellers Sanofi wollen sich diese Saison 63 Prozent mehr Deutsche gegen Grippe impfen lassen.
© fovito - Fotolia

Kann es wirklich dazu kommen, dass ich mich gegen Grippe impfen lassen will und der Arzt mich wieder wegschickt?

Susanne Stöcker: Aktuell haben wir den Eindruck, dass die Grippeimpfstoffe in Deutschland nicht gleichmäßig verteilt sind. Es gibt Gegenden, in denen es gar keine Probleme gibt, wir bekommen aber auch Meldungen, dass kein Impfstoff zu bekommen ist. In jedem Fall sollte der Arzt zunächst bei mehreren Apotheken und diese bei mehreren Großhändlern nachfragen, da es sogar von Stadt zu Stadt eine unterschiedlich gute Versorgung geben kann.

Außerdem rufen wir dazu auf, ein Formular auf unserer Website auszufüllen. Wenn wir sehen können, ob und wo es solche Engpässe gibt, versuchen wir, zusammen mit den Herstellern eine Lösung zu finden.

Vier Impfstoffe gegen vier Virusstämme

Gibt es keine alternativen Wirkstoffe, die besser verfügbar sind?

Susanne Stöcker: Impfen kann man nur mit den Impfstoffen gegen die echte Virusgrippe. Es gibt es dieses Jahr vier tetravalente Impfstoffe - das bedeutet, sie richten sich gegen alle vier Virusstämme der Grippeviren, die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen werden. Drei davon werden durch Spritzen verabreicht, beim vierten handelt es sich um ein Nasenspray mit abgeschwächtem Lebendimpfstoff. Er ist nur für Menschen zwischen zwei und 17 Jahren zugelassen, jedoch nicht für Personen mit einem geschwächten Immunsystem.

Zudem gibt es noch einen Impfstoff, der sich – wie in früheren Jahren - nur gegen drei dieser Stämme richtet. Der ist allerdings nur für Menschen über 65 zugelassen und enthält einen Wirkverstärker.

Hat man in ein paar Wochen wieder bessere Chancen auf eine Grippeimpfung?

Susanne Stöcker: Es ist kein Problem, wenn es noch etwas dauert, bis Impfstoffe auch beim eigenen Arzt angekommen sind. Denn die empfohlene Impfsaison geht noch über den gesamten November. Häufig lassen Menschen sich auch bewusst erst im Dezember impfen.

Gründe für Lieferengpässe sind komplex

Gründe für die Lieferengpässe gibt es viele. Unter anderem wurde erst im April klar, dass eine Umstellung vom trivalenten auf den tetravalenten Impfstoff erfolgt. Das bedeutet, dass nun auch die Impfung gegen vier Stämme der Grippeviren – statt wie bisher drei – von den Krankenkassen bezahlt wird. Den Herstellern blieb deshalb für die langwierige Produktion nur wenig Vorlauf. Zudem zögerten Ärzte und Apotheker lange mit der Vorbestellung, weil über die Preis- und Anbietervorgaben Unklarheit herrschte.

Influenza-Impfung sollte im Herbst erfolgen

Bei der echten Grippe, auch Influenza genannt, handelt es sich – im Gegensatz zu einer Erkältung - um eine ernste Krankheit, die in schweren Fällen zum Tod führen kann. Laut Robert-Koch-Institut beginnt die jährliche Grippewelle meist im Januar. Eine Impfung sollte deshalb idealerweise schon in den Monaten Oktober und November erfolgen, da erst nach 14 Tagen ein ausreichender Schutz aufgebaut ist. Vor allem für medizinisches Personal, Menschen über 60, chronisch Kranke sowie Schwangere ist der Schutz aufgrund des hohen Infektrisikos ratsam.

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