Impfungen für Kinder unter 12?

Göttinger Immunologe für Neubewertung der Impfung für Kinder und Jugendliche

Alle Kinder so schnell wie möglich gegen das Coronavirus impfen - ja oder nein?
Alle Kinder so schnell wie möglich gegen das Coronavirus impfen - ja oder nein?
© iStockphoto, iStock, ANA SLADOJEVIC

15. Juli 2021 - 16:55 Uhr

Umstrittenes Thema

"Es war gar nicht schlimm und tat auch nicht weh. Nebenwirkungen hatte ich auch nicht und ich fühl mich jetzt sicherer." Das erzählt die 13-jährige Schülerin Junia RTL Nord zwei Tage nach ihrer ersten Impfung. Ihre Entscheidung, sich gegen das Coronavirus trotz ihres jungen Alters impfen zu lassen, ist umstritten. Denn: Während in Ländern wir England, Portugal, Israel und den USA Kinder längst geimpft werden, gibt es von der Ständigen Impfkomission in Deutschland weiter keine generelle Empfehlung. Sie empfiehlt lediglich die Impfung bei Kindern mit einer Vorerkrankung. Der Impfstoff von Biontech ist von der EU-Arzneimittelbehörde aktuell ab 12 Jahren zugelassen.

Ständige Impfkommission wartet auf Ergebnisse aus den USA

In den USA sind bereits mehrere Millionen Kinder gegen das Coronavirus geimpft. Die Ständige Impfkommission will die dort durchgeführten Studien erstmal abwarten, wie der Vorsitzende der Stiko Thomas Mertens im RTL Nord-Interview erzählt: "Wir warten sehr dringend auf die Auswertungen aus den Vereinigten Staaten. Denn dort gibt es zwar Meldungen über Fälle von Herzmuskelentzündungen nach der Impfung, aber die wirkliche Auswertung liegt eben noch nicht vor."

Göttinger Immunologe hofft auf Neubewertung durch die Stiko

Der Göttinger Immunologe Jürgen Wienands im RTL Nord-Interview
Der Göttinger Immunologe Jürgen Wienands im RTL Nord-Interview
© RTL Nord

Kinder erkranken zwar bisher weniger stark als Erwachsene, der Göttinger Immunologe Jürgen Wienands beobachtet aktuell aber eine Wende: "Die Infektionszahlen in Deutschland aber auch in England und Holland zeigen, dass der zunehmende Anstieg von Covid-Erkrankungen bei Jugendlichen auch mit entsprechenden Hospitalisierungen und teilweise schweren Verläufen assoziiert ist. Deswegen: Sobald die Datenlage gesichert ist, wird sich ganz sicher auch die Stiko wieder mit dem Thema befassen und eine Impfung für Jugendliche noch einmal neu bewerten."

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Hausärzte sind sich uneinig

Der Deutsche Ärztetag forderte per Beschluss bereits im Mai von der Bundesregierung, so schnell wie möglich eine Covid-19-Impfstrategie für Kinder und Jugendliche zu entwickeln. Begründet wurde die Forderung mit dem Recht auf Bildung, wobei sich offensichtlich nicht alle in der Ärzteschaft einig waren. Unter dem Hashtag #nichtmeinaerztetag machten einige Ärzte in den sozialen Medien ihrem Ärger Luft. Ihre Hauptargumente gegen eine Impfung bei Kindern: Kinder seien nicht stark gefährdet, spielten für die Verbreitung des Virus keine Rolle, Kinder-Impfungen würden keinen Beitrag zur Herdenimmunität leisten und sie seien durch die Nebenwirkungen der Impfstoffe besonders gefährdet.

Politiker befürworten Impfung für Kinder

In der Politik häufen sich die Stimmen, die für eine Corona-Impfung bei Kindern sind. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) forderte im Juli in der Talkshow "mybrit illner", die Bundesregierung sollte bis zum 1. August eine Impfstrategie für Kinder vorlegen und dabei auch die Erfahrungen und Berichte aus anderen Länder berücksichtigen. Und auch Karl Lauterbach kritisierte die Entscheidung der Stiko, keine generelle Empfehlung für die Kinderimpfung auszusprechen: "Die Angaben der Stiko beziehen sich immer auf alte Varianten. Die Durchseuchung der Kinder mit der Delta-Variante ist zu riskant. Und Wechselunterricht ist keine Lösung."

Unterschiedliche Meinungen in der Gesellschaft

RTL Nord hat sich in der Innenstadt in Hannover umgehört um die Meinungen von Eltern zu dem Thema "Kinderimpfung" zu hören. "Also meine Kinder sind beide gegen alles was es gibt geimpft. Auch Kinder leiden unter den ganzen Auswirkungen von Covid-19, ihre Freizeit leidet, ihre Freundschaften leiden. Umso mehr Leute sich impfen lassen, desto besser", erzählt uns eine junge Mutter. Wir treffen aber auch auf ganz andere Meinungen: "Davon halte ich nicht so viel. Also der Impfstoff ist doch noch gar nicht richtig erforscht. Insofern halte ich das für gefährlich." erzählt eine weitere junge Frau. Daneben gibt es noch die Unentschlossenen: "Ich bin hin- und hergerissen, also er hat Asthma, theoretisch wäre er eine Risikogruppe, aber aufgrund der Tatsache, dass der Impfstoff doch relativ schnell entwickelt wurde und es mir persönlich zu wenig Probanden gibt, werde ich es doch ein wenig herauszögern."

(jbl)

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