Gesundheitsminister und RKI-Chef über die aktuelle Corona-Lage

Jens Spahn: "Die Lage ist dramatisch ernst, so wie zu keinem anderen Zeitpunkt der Pandemie"

27. November 2021 - 15:26 Uhr

RKI-Chef Wieler: Jedes fünfte Intensivbett mit Corona-Patienten belegt

"Die Lage ist dramatisch ernst, so wie zu keinem anderen Zeitpunkt in der Pandemie", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler zur aktuellen Corona-Lage am Freitagmorgen.

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Spahn: Noch nie so viele Intensivpatienten verlegt

"Die traurige Zahl von über 100.000 Corona-Toten ist zu beklagen", sagte Spahn zu Beginn der Pressekonferenz. "Erstmals in der Pandemie müssen mehr als 100 Intensivpatienten verlegt werden." Sie Lage sei so ernst wie nie und der "Weckruf ist noch nicht überall angekommen", so der CDU-Politiker.

Wer glaubt, so Spahn, die vierte Welle gehe nur durch Bayern und Sachsen, "der irrt". Wie viele Tote und Intensivpatienten es geben werde, wisse noch niemand: "Das haben wir in der Hand, wir können einen Unterschied machen", sagte Spahn.

Ziel sei es jetzt, Kontakte runter zu schrauben. Deshalb müsse es bundesweit mehr Kontaktbeschränkungen geben, so Spahn. Je "länger man das jetzt laufen lasse", desto drastischer würden die notwendigen Maßnahmen ausfallen.

"Wir diskutieren mit viel politischer Kraft über Impfpflichten, die aber akut nicht helfen", sagte der Noch-Gesundheitsminister. Er sei aber froh, dass die Impfkampagne wieder Fahrt aufnehme. "Wir verzeichnen inzwischen Rekorde", erklärte der CDU-Politiker und versicherte, dass man die Impfstoffbestellungen bestmöglich bedienen werde.

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RKI-Chef Wieler begann seine Stellungnahme mit einer Schweigeminute für die mehr als 100.000 Menschen, die mit oder an einer Coronainfektion gestorben sind. Auch er appellierte an die Bevölkerung, die Kontakte auf das Nötigste zu beschränken.

Der Anteil der Covid-19-Patienten auf den Intensivbetten liege aktuell bei 18,9 Prozent, so Wieler. Das mag für den ein oder anderen wenig klingen, aber "es entspricht jedem fünften überhaupt verfügbaren Bett". Man dürfe nicht vergessen, dass die Betten auf für andere Patienten gebraucht werden, so der RKI-Chef.

Coronavirus verbreitet sich immer weiter

Das RKI meldete am Freitag mehr als 76.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden – das sind rund 20.000 mehr als vor einer Woche. Die Inzidenz steigt derweil auf 438,2 – ein neuer Höchstwert.

Trotz der neuen Corona-Maßnahmen verbreitet sich das Virus immer weiter. Sehr hohe Infektionszahlen gibt es weiter vor allem im Süden und Osten Deutschlands. In Sachsen stieg die Inzidenz deutlich auf 1.192,8. Dann folgen Thüringen mit 805,7 und Sachsen-Anhalt mit 686,6. Brandenburg verzeichnet einen Wert von 663,6 und Bayern von 652,5. In allen fünf Ländern ist die Impfquote unterdurchschnittlich.

Unterdessen wächst die Sorge vor einer neuen Corona-Variante aus Südafrika. Wegen der Mutante B.1.1.529 will die Bundesregierung das Land am Freitag zum Virusvariantengebiet erklären. Fluggesellschaften dürften dann nur noch deutsche Staatsbürger nach Deutschland befördern, teilte Spahn mit. (dpa/mor)

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