Azubis ohne Kohle

Das sind die schlechtbezahltesten Ausbildungsberufe

Friseur-Azubis bekommen deutlich weniger als andere
Friseur-Azubis bekommen deutlich weniger als andere
dpa, Britta Pedersen

Wirtschaft und Unternehmen klagen über Fachkräftemangel und freibleibende Lehrstellen. Doch in einigen Branchen sind die Ausbildungsbedingungen für junge Menschen alles andere als attraktiv, die Ausbildungsvergütung ist oft schlecht. Eine Studie zeigt jetzt, in welchen Branchen Azubis besonders wenig Geld bekommen – und wo vergleichsweise viel.

Pflege-Azubis sind die Spitzenreiter

Der Mangel an Pflegekräften macht sich für viele Auszubildende in dieser Branche mittlerweile bezahlt. In einem am Dienstag von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichten jährlichen Ranking der Ausbildungsvergütungen belegten Pflegekräfte im öffentlichen Dienst erneut die Spitzenplätze.

Je nachdem, ob sie beim Bund und den Gemeinden oder bei den Ländern angestellt sind, bekommen sie schon im ersten Ausbildungsjahr 1.191 Euro oder 1.161 Euro pro Monat. In privaten Pflegeeinrichtungen ohne Tarifvertrag könne die Ausbildungsvergütung aber auch deutlich geringer ausfallen.

Versicherung, Chemie, Banken: Auch andere Branchen zahlen gut

Ausbildungsvergütungen von mehr als 1.000 Euro gibt es im ersten Lehrjahr aber auch in einigen anderen Branchen: etwa im Versicherungsgewerbe, der chemischen Industrie, im Bankgewerbe oder bei der Deutschen Bahn.

Doch sind die Unterschiede bei der tariflichen Bezahlung von Auszubildenden laut der Untersuchung von 20 Tarifbranchen nach wie vor groß. Dabei hängt der Verdienst nicht nur von der Branche, sondern auch von der Region ab

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Gehalt während der Ausbildung: Das sind die Schlusslichter

Die niedrigsten Ausbildungsvergütungen mit Beträgen von zum Teil deutlich unter 800 Euro im Monat finden sich der Studie zufolge in der Landwirtschaft, dem Backhandwerk, der Floristik und dem Friseurhandwerk.

Schlusslicht ist mit 585 Euro die ostdeutsche Floristik, die sich damit auf dem Niveau des gesetzlichen Minimums bewegt. Die großen Branchenunterschiede setzen sich auch im zweiten und dritten Ausbildungsjahr fort.

„In einigen Branchen ist das Niveau der Ausbildungsvergütung nach wie vor sehr niedrig“, sagte der Leiter des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Böckler-Stiftung, Thorsten Schulten: „Vor dem Hintergrund der hohen Preissteigerungsraten haben es derzeit viele Auszubildende besonders schwer, mit ihrem Einkommen über die Runden zu kommen, vor allem wenn sie aus einkommensschwachen Familien stammen.“

Deshalb müssten die Ausbildungsvergütungen gerade in den klassischen Niedriglohnbranchen weiter angehoben werden. Unterstützt werden könne eine solche Aufwertung durch den zunehmenden Fachkräftemangel. Ihm sei ohne eine deutliche Verbesserung der Ausbildungssituation nicht beizukommen, urteilte Schulten. (dpa/rcl)

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