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Schulen in Corona-Pandemie: Längst nicht alle Lehrer geimpft

Kinder und Jugendlichen kehren in den Präsenzunterricht zurück - das Ansteckungsrisiko sorgt Lehrerinnen und Lehrer
© dpa, Julian Stratenschulte, jst wst

04. Juni 2021 - 12:18 Uhr

Scheitert die Rückkehr in den Präsenzunterricht an der schleppenden Impferei für Lehrer?

von Lucas Schäfer und Kathrin Hetzel

Die dritte Welle scheint gebrochen, doch in einer ganz bestimmten Gruppe sind die Inzidenzwerte weiterhin hoch. Ausgerechnet Jüngere, besonders Kinder im Schulalter sind betroffen. Die können zwar nur selten schwer erkranken, eine Ansteckungsgefahr geht von ihnen aber aber dennoch aus. Besonders für Lehrer, mit denen sie durch den Präsenzunterricht wieder im engen Kontakt stehen. Die Forderung: Nur geimpfte Lehrer dürfen in den Präsenzunterricht. Aber von denen gibt es weniger als gedacht.

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Corona: Inzidenzwerte bei Kindern und Jugendlichen aktuell am höchsten

Im aktuellen Covid-19-Lagebericht des Robert-Koch-Instituts lassen sich die aktuellen und vergangenen Fälle der letzten Wochen und Monate nach Altersgruppen erkennbar aufschlüsseln. In der sogenannten "Heatmap" sieht die Lage zum jetzigen Zeitpunkt wieder recht entspannt aus: Inzidenzen von unter 35 in fast jeder Altersgruppe. Doch drei orangefarbene Fleckchen fallen aus der Reihe: Die Gruppe der 10-24-Jährigen liegt bei Inzidenzwerten über 50.

Ist für eine Rückkehr in den Präsenzunterricht dann gerade jetzt der richtige Zeitpunkt? Viele finden das nicht und fordern, dass nur geimpfte Lehrer in den Präsenzunterricht zurückkehren sollen. Lehrer gehören zur Priorisierungsgruppe zwei oder drei und dürften sich demnach bereits um einen Impftermin bemühen. Wie RTL-Recherchen zeigen, sind aber längst nicht alle Lehrkräfte der Corona-Immunität nahe.

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RKI: Keine offiziellen Zahlen zu Impfungen bei Lehrern

Offizielle Zahlen über den Impfstatus von Lehrerinnen und Lehrern in Deutschland gibt es nicht. Das Robert-Koch-Institut erhebt aus Datenschutzgründen keine Zahlen einzelner Berufsgruppen. Genaue Zahlen gibt es hier nur zum Alter der Geimpften (über/unter 60 Jahre) sowie dem Bundesland, in dem geimpft wurde.

Schätzungen gibt es aus Lehrerverbänden. Andreas Bartsch vom Lehrerverband NRW vermutet auf RTL-Anfrage, dass an weiterführenden Schulen erst ungefähr 40 bis 45 Prozent eine Erstimpfung, sowie 10 bis 15 Prozent eine Zweitimpfung haben. Lehrer an weiterführenden Schulen sind also noch lange nicht durchgeimpft. Die Quote von Beschäftigten an Grundschulen, dürfte laut Bartsch deutlich höher liegen, da diese innerhalb der Impfreihenfolge vor den weiterführenden Schulen lagen.

Eine Impfquote unter Lehrern an die Teilnahme am Präsenzunterricht zu koppeln ist laut Heinz-Peter Meidinger vom deutschen Lehrerverband aber nicht die Lösung. Denn damit würde man Lehrern eine indirekte Impfpflicht auferlegen – und die ist nicht zulässig.

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Kein Thema mehr nach den Sommerferien

Die genannten Lehrerverbände sind optimistisch, dass das Thema im nächsten Schuljahr vom Tisch sein sollte. Bis zum Ende des Sommers soll laut Bundesregierung jeder ein Impfangebot bekommen haben. Mit der Aufhebung der Impfpriorisierung am 7. Juni dürfen sich auch Jugendliche ab 12 Jahren um einen Impftermin bemühen.

Bartsch vom Lehrerverband NRW und Meidinger vom deutschen Lehrerverband zeigen sich optimistisch: Nach den Sommerferien dürfte die Lehrerschaft weitgehend durchgeimpft sein. Die Hoffnung bleibt, dass das ausreicht und die Zahlen weiter sinken, und Schüler und Lehrer sicher in das neue Schuljahr starten können. (khe)

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