Studie aus München

Frühwarnsystem Abwasser: Corona lässt sich hier 3 Wochen früher nachweisen

Vom Klo ins Labor: Seit April 2020 hat das LMU Klinikum München das bayerische Abwasser auf Coronaviren untersucht - mit Erfolg.
Vom Klo ins Labor: Seit April 2020 hat das LMU Klinikum München das bayerische Abwasser auf Coronaviren untersucht - mit Erfolg.
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07. August 2021 - 19:09 Uhr

Können wir bald schneller auf ansteigende Zahlen reagieren?

Unser Abwasser kann uns frühzeitig vor der nächsten Corona-Welle warnen. Was erstmal komisch klingt, könnte uns künftig vor steigenden Zahlen und Infektionen schützen. Und das sogar drei Wochen im Voraus.

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Schneller als die Behörden

Mit Abwasseruntersuchungen können Wissenschaftler frühzeitig den Verlauf der Corona-Pandemie und die Ausbreitung neuer Virusvarianten erkennen. Eine einjährige Studie in München habe gezeigt, dass die im Abwasser nachgewiesene Verbreitung von Sars-CoV-2 gut mit den offiziellen Daten der 7-Tage-Inzidenz in den jeweiligen Stadtgebieten übereinstimme, berichten Forschende vom LMU Klinikum München.

Mit dem Vorteil, dass die Entwicklungen schon drei Wochen vor den Meldezahlen der Behörden, die auf der Analyse von Atemwegsabstrichen basieren, sichtbar gewesen seien. Auch die TU Darmstadt untersuchte bereits Anfang des Jahres das hessische Abwasser auf Coronaviren. Sie konnten die Viren rund zehn Tage vor den Behörden nachweisen.

Auch Corona-Varianten nachweisbar

"Zudem konnten wir die zunehmende Ausbreitung der Virusvariante B.1.1.7 (Alpha) in der Münchner Bevölkerung bereits Anfang Januar 2021 nachweisen, Wochen bevor diese durch die Sequenzierung von Abstrich-Proben von Patienten in München in relevanter Zahl festgestellt werden konnte", erläuterte Studienleiter Andreas Wieser vom Tropeninstitut des LMU Klinikums. Das Abwasser-Monitoring könne daher tatsächlich gut als Frühwarnsystem dienen. Es wird inzwischen gerade für Großräume auch von der Europäischen Kommission empfohlen.

Die Münchner Studie, die im Fachblatt "Science of The Total Environment" veröffentlicht wurde, ist den Angaben zufolge eine der ersten und längsten Untersuchungen zur Nachverfolgung der Sars-CoV-2-Viruslast im Abwasser weltweit. Seit April 2020 sammelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wöchentlich Abwasserproben an sechs Standorten im Münchner Stadtgebiet. Im Labor wurde dann unter anderem das Erbgut sequenziert, um besorgniserregende Varianten zu entdecken. (dpa/akr)