Viele sehnen sich in die Vergangenheit zurück

Früher war alles besser: Sind die Teenies von heute Spießer?

Eine Gruppe junger Leute trifft sich draußen.
Ist die jüngere Generation doch spießiger als bisher gedacht?
Dmytro Adamov, Adamov photography

Jahrzehntelang galt die Jugend als rebellisch. Doch die Mehrheit der jungen Leute träumt laut einer Umfrage nicht mehr von einer besseren Zukunft – sondern von der Vergangenheit. „Das Beamtentum erlebt eine Renaissance“, sagt ein Hamburger Forscher und erklärt, was die Generation der 18- bis 34-Jährigen vermisst.

Boomer vs. Gen Z auf Twitter: Generationskonflikt ausgetragen im Netz

Nachwachsende Generationen können häufig herzlich wenig mit dem Lebensentwurf ihrer Vorgänger anfangen. Zu beobachten ist dieses Phänomen auch auf der Social-Media-Plattform Twitter, wo sich erst diese Woche die „Boomer“ und die Generation Z einen virtuellen Schlagabtausch geliefert haben. Aufhänger war ein Artikel und Tweet der „Welt“: „Lieber arbeitslos als unglücklich im Job.“ Das sei das Motto der Generation Z, also all derjenigen, die ungefähr ab dem Jahr 1995 geboren wurden. Für sie ist scheinbar ganz klar: Die Arbeit ist nur noch zweitranging und spielt keine so große Rolle mehr, wie sie es einst für die Generation der Baby-Boomer getan hat. Schließlich gibt es noch andere Dinge im Leben, die wichtiger sind. Die Boomer, eine Generation mit den geburtenstarken Jahrgängen ab 1955, kann darüber nur müde lächeln. Für sie gilt noch immer: Ohne Fleiß kein Preis, von nichts kommt nichts – zumindest wenn man sich die verschiedenen Tweets der Twitter-User genauer anschaut.

Lese-Tipp: Generation Z: So tickt die Jugend von heute

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Früher war anscheinend doch alles - zumindest vieles - besser

Nachhaltigkeit, Bio-Lebensmittel, „Friday’s for Future“, Social Media, Digitalisierung und Selbstbestimmtheit. Vieles wirkt in Richtung Zukunft ausgerichtet. Selbstverständlich lässt sich die Generation Z nicht auf wenige Schlagworte reduzieren. Umso mehr verwundert jedoch die Tatsache, dass die jüngeren Menschen sich in Deutschland einer neuen Umfrage zufolge mehrheitlich doch in die Vergangenheit zurücksehnen. Also an den Ursprungsort, der die Boomer-Generation hervorgebracht hat.

56 Prozent der Erwachsenen unter 34 Jahren sagten in einer repräsentativen Online-Befragung für die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen (des Unternehmens British American Tobacco (BAT)), sie würden lieber in der Vergangenheit leben. 44 Prozent würden die Zukunft bevorzugen.

Vor knapp einem Jahrzehnt sah das Ergebnis einer ähnlichen Befragung ganz anders aus: Im Jahr 2013 wollten nur 30 Prozent lieber in der Vergangenheit und 70 Prozent in der Zukunft leben. „Das ist wirklich neu und sehr ungewöhnlich“, sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt. Die Jugend habe das Leben noch vor sich und sei darum eigentlich sehr zukunftszugewandt. Mit dem Begriff Vergangenheit würden die Befragten in der Regel ihre eigene Kindheit und Jugend verbinden.

Auf die Frage, warum sie lieber in der Vergangenheit leben wollten, sagten 42 Prozent der Befragten über alle Altersgruppen hinweg, früher sei der Zusammenhalt größer gewesen. 35 Prozent gaben als Grund an, „weil es früher besser war“. Es habe „mehr Sicherheit und Beständigkeit“ gegeben, erklärten 34 Prozent. Als weitere Gründe wurden genannt: „Man war glücklicher“ (29 Prozent), „weniger Kriege und Krisen“ (23), „Umweltbedingungen waren besser“ (22) und „Angst vor der Zukunft“ (20).

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Gerade junge Leute vermissten Zusammenhalt und Gemeinschaft, sagte Reinhardt. Offenbar treffe man sich in der weitgehend digitalen Welt weniger zu Außer-Haus-Aktivitäten. Vielen sei klar, dass Freunde auf Facebook oder Instagram nicht reichten, sagte Reinhardt. „Das ersetzt nicht die Freunde, auf die man sich auch dann verlassen kann, wenn Fragen zum Leben da sind, wenn die Unsicherheit groß ist und wenn man vielleicht einfach Spaß haben möchte.“ In der Corona-Pandemie habe sich das Problem verstärkt. Der Ukraine-Krieg spiele für die Umfrageergebnisse dagegen keine große Rolle.

Er habe in Befragungen immer wieder festgestellt, dass die junge Generation nach Sicherheit strebe, auch in der Arbeitswelt. „Das Beamtentum erlebt eine Renaissance“, sagte der Zukunftsforscher. In den Jahrzehnten davor habe dagegen der Wunsch dominiert, die Welt zum Besseren zu verändern. Jetzt seien die Unter-34-Jährigen zurückgewandt. Kritisch merkte Reinhardt (51) an: „Es ist auch eine Generation, die komplett gepampert wurde von ihren Eltern.“

Vergangenheit oder Zukunft? Das denken die anderen Generationen

In der mittleren Generation im Alter zwischen 35 und 54 Jahren stieg der Anteil der Nostalgiker in geringerem Maße von 54 auf 66 Prozent. Bei den Älteren ab 55 Jahren sehnen sich laut der Umfrage nahezu konstant 68 Prozent in die Vergangenheit zurück. Im Jahr 2013 hatte der Anteil mit dieser Einstellung bei 70 Prozent gelegen. (dpa/vdü)