"Keine ausreichende Gewissheit"

Freispruch möglich: Ex-Högel-Vorgesetzte wohl ohne Verurteilung

06.06.2019, Niedersachsen, Oldenburg: Der wegen Mordes angeklagte Niels Högel sitzt im Gerichtssaal. Die Staatsanwaltschaft hat den Ex-Krankenpfleger wegen Mordes an 100 Patienten an Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg angeklagt. Das Landgericht Ol
Seit Monaten wird in Oldenburg gegen ehemalige Vorgesetzte von Patientenmörder Niels Högel verhandelt. (Archivbild)
hcd jat, dpa, Hauke-Christian Dittrich

Auf einen Freispruch hoffen können alle sieben angeklagten Ex-Vorgesetzten des Patientenmörders Niels Högel aus den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst. Bisher habe die Beweisaufnahme ein vorsätzliches Handeln der Angeklagten „nicht mit einer für eine Verurteilung ausreichenden Gewissheit belegt“, teilte das Landgericht Oldenburg am Dienstag (20.09.) mit. Seit Februar läuft der Prozess gegen die ehemaligen Vorgesetzten wegen Totschlags durch Unterlassen.

Freispruch nach vorläufigen Einschätzungen

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Niels Högel am Tag seiner Zeugenaussage gegen ehemalige Vorgesetzte der Kliniken Oldenburg und Delmenhorst.
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Hintergrund des laufenden Verfahrens sind die Verbrechen des Ex-Krankenpflegers Niels Högel. Er tötete Patienten, indem er ihnen nicht verordnete Medikamente spritzte. 2019 wurde Högel dafür wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt. Mit dem Verfahren gegen die Ex-Vorgesetzten, drei Ärzte, drei leitende Pflegerinnen und Pfleger und einen Ex-Geschäftsführer der Kliniken Oldenburg und Delmenhorst, will das Gericht klären, ob diese eine Mitverantwortung tragen. Die Schwurgerichtskammer machte in ihrer Einschätzung klar, dass in den Kliniken zwar das Misstrauen gegen Högel stetig wuchs. Das Unbehagen gegenüber Högels Verhalten sei aber für die Feststellung eines auch nur bedingt vorsätzlichen Verhaltens nicht ausreichend. Dies sei aber Voraussetzung für eine Verurteilung. Das Landgericht hatte bereits im Juli eine gleichlautende vorläufige Einschätzung zu den Angeklagten aus dem Oldenburger Klinikum abgegeben. Diese wurde nun bestätigt und um die für die drei Angeklagten aus dem Klinikum Delmenhorst ergänzt. Das Urteil wird für den 25. Oktober erwartet.

Auch Högel selbst sagte in dem Prozess als Zeuge aus. Dabei wurde er zu seinem Lebenslauf und den Manipulationen, die er an seinen Arbeitsplätzen vorgenommen hat, zu den Menschen, die dadurch gestorben sind und zu dem Verhältnis der Kollegen untereinander befragt. (dpa/kho)