Achtjähriger vor ICE gestoßen

Frankfurt: Hunderte gedenken am Hauptbahnhof an getöteten Jungen

31. Juli 2019 - 11:50 Uhr

Im Video: Trauerfeier am Bahnhofs-Vorplatz

Trauer, Sprachlosigkeit, innere Wut. Viele können es noch immer nicht fassen, was am Montagvormittag auf Gleis 7 am Frankfurter Hauptbahnhof passiert ist. Ein Mensch löscht mutwillig das Leben eines Kindes aus. Mutmaßlich war es ein 40-jähriger Familienvater aus Eritrea, wohnhaft in der Schweiz, der den achtjährigen Jungen vor einen fahrenden ICE gestoßen hat. Im Video zeigen wir die Trauerfeier, die am Dienstagabend auf dem Bahnhofs-Vorplatz stattgefunden hat.

Kirchengemeinden gedenken gemeinsam

Habte A.
Der Eritreer Habte A. soll den achtjährigen Jungen getötet haben.
© rtl.de

Katholiken, Protestanten und auch Vertreter der eritreischen Gemeinden haben sich am Dienstagabend zu einer Andacht auf den Bahnhofsvorplatz in Frankfurt gesammelt. Gemeinsam wollen sie ihre Anteilnahme für die Mutter des achtjährigen Jungen ausdrücken.

"Wir können nicht glauben, dass ein Leben sinnlos abbricht, das gerade erst begonnen hat", sagte der Leiter der Frankfurter Bahnhofsmission, Carsten Baumann. Er lud die Trauernden ein, sich in ein Kondolenzbuch einzutragen. Zunächst war geplant, die Andacht in der Bahnhofshalle abzuhalten. Wegen des erwarteten großen Andrangs wurde sie aber auf den Vorplatz verlegt.

"Wir dürfen nicht zulassen, dass jetzt Gedanken von Hass um sich greifen"

Viele sind gekommen - auch Peter Feldmann (SPD), Oberbürgermeister von Frankfurt. "Ich glaube, dass wir alle kaum den Schmerz der Mutter nachvollziehen können, wenn da auf einmal diese Stille ist."

"Wir dürfen nicht zulassen, dass jetzt Gedanken von Hass um sich greifen", sagte die Pfarrerin der Evangelischen Hoffnungsgemeinde, Jutta Jekel. Jetzt gelte es, bei den Opfern zu stehen. "Es geht darum, dass wir zusammenhalten, dass wir uns nicht hinreißen lassen von Wut und Gewalt", sagte Jekel.

Verdächtiger war in psychiatrischer Behandlung

Am Nachmittag gab Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mit den Chefs der Sicherheitsbehörden eine Pressekonferenz: "Mein Dank gilt den Passanten, die den Täter verfolgt und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten haben."

Der Täter Habte A. ist verheiratet, Vater dreier Kinder und war wohnhaft in der Schweiz. Dort war er zur Fahndung ausgeschrieben. "A. ist zuletzt am 25.7. diesen Jahres in der Schweiz aufgefallen, durch eine massive Bedrohung seiner Nachbarin", sagt Bundespolizeipräsident Dieter Romann. Laut Züricher Polizei war der Mann in diesem Jahr in psychiatrischer Behandlung.

Das könnte ein Grund sein, warum er sich nach Frankfurt abgesetzt hat und dann am Hauptbahnhof eine Mutter mit ihrem Sohn vor den einfahrenden ICE geschubst hat. Was den Mann zu der Tat bewegt hat, ist weiter unklar.