Keine Chance gegen Norris

Was war in Monaco eigentlich mit Daniel Ricciardo los?

Daniel Ricciardo
Daniel Ricciardo
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27. Mai 2021 - 15:40 Uhr

Der Formel-1-Strahlemann im Land der Sorgen

Von Emmanuel Schneider

Da fällt selbst dem "Honigdachs" der Formel 1 das Lächeln schwer. Regelmäßig stiehlt Jungspund Lando Norris dem siebenmaligen Rennsieger Daniel Ricciardo im McLaren die Show. Zuletzt war der Abstand in Monaco ziemlich deutlich, dort wo Ricciardo 2018 noch triumphiert hatte. Teamchef Andreas Seidl hat eine starke Vermutung, wie der Rückstand auf den Teamkollegen zustande kommt.

Autsch! Ricciardo vom Teamkollegen überrundet

Mclaren driver Lando Norris of Britain looks at teammate Mclaren driver Daniel Ricciardo of Australia, left, during a news conference ahead of the Portugal Formula One Grand Prix at the Algarve International Circuit near Portimao, Portugal, Thursday,
Lando Norris (r.) stellt seinen Teamkollegen derzeit in den Schatten.
© AP, Gabriel Buoys, AF

Fünf Rennen Eingewöhnungszeit gilt grob als Richtlinie, bevor man einen Fahrer im neuen Team bewertet, quasi das Pendant zu den 100 Tagen Amtszeit von Politikern. Und nach dem Großen Preis von Spanien – dem vierten Rennen in diesem Jahr – sah es auch noch einem Ricciardo-Leistungsanstieg und Besserung am Papaya-Horizont aus. Erstmals hatte der Australier den jüngeren Teamkollegen hinter sich gelassen. Doch was folgte, war keine Bestätigung dieses Trends, sondern die Landung auf dem harten Asphalt in den Häuserschluchten Monte Carlos.

Während Norris überraschend aufs Podium raste und vom Team abgefeiert wurde, beendete Ricciardo zähneknirschend das Rennen auf Platz 12 – keine Punkte. Besonders schmerzhaft waren für den 32-Jährigen wohl vor allem die blauen Flaggen. Der F1-Routinier wurde von Norris überrundet – Höchststrafe im Teamduell. Auch wenn Teamchef Andreas Seidl vor der Saison ein Duell auf Augenhöhe ohne Nummer-Eins-Status ausgerufen hatte, ist deutlich: Norris hat bei McLaren derzeit die Hosen an, steht mit 56 Punkten auf einem starken dritten Rang der Fahrerwertung. Ricciardo ist abgeschlagen auf Rang 8 mit 24 Punkten.

"Ein Wochenende zum Vergessen"

03 RICCIARDO Daniel aus, McLaren MCL35M, action and 07 RAIKKONEN Kimi fin, Alfa Romeo Racing ORLEN C41 during the 2021 Formula One World Championship, WM, Weltmeisterschaft Grand Prix of Monaco from on May 20 to 23 in Monaco - FORMULE 1 : Grand prix
Schon beim Start ging der Schlamassel los.
© imago images/PanoramiC, ANTONIN VINCENT via www.imago-images.de, www.imago-images.de

"Woran hat et jelegen?", möchte man Ricciardo also zurufen. Doch der Australier ist selbst noch nicht ganz schlau geworden aus dem verkorksten Monaco-Wochenende und stellt sich diese Frage wohl selbst. "Es war ein Wochenende zum Vergessen", sagte der McLaren-Pilot. "Ganz offensichtlich muss ich im Bezug auf das Auto noch mehr lernen als Lando. Es war ein sehr merkwürdiges Rennwochenende von Beginn an. Aber ich will es auch nicht überanalysieren, ich blicke jetzt Richtung Baku."

Das Wochenende im Fürstentum stand für Ricciardo von Beginn an unter keinem guten Stern. Auch wenn er 2018 hier noch überragend und trotz eines Defekts vor Sebastian Vettel gewann. Schon am Donnerstag in den ersten Trainings fand er nicht die Pace, um mithalten zu können. Am Samstag im Qualifying war dann entsprechend auch in Q2 Feierabend. Eine ganze Sekunde langsamer als Norris. Die Daten hätten Unterschiede gezeigt, analysierte Ricciardo. Zum Beispiel, warum Norris in gewissen Kurven schneller gewesen sei. "Aber ich bin nicht überzeugt, dass ich das auch hinbekomme."

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RTL-Reporter warnt: Kann mentales Problem werden

Und auch der Start ging dann in die Hose. Von Platz 12 (eigentlich aber 11 wegen des Leclerc-Ausfalls) fiel er schon in der ersten Kurve zurück, Lance Stroll (Aston Martin) zog vorbei, kurz danach auch Kimi Räikkönen im Alfa Romeo. Und im Leitplanken-Labyrinth von Monaco ist das Überholen ungefähr so einfach Jonglieren auf dem Einrad.

So schwante dem Teamchef früh: "Für ihn war das Rennen in Monaco schon nach der ersten Kurve ziemlich gelaufen, als er leider zwei Positionen verloren hat. Dann gab es kaum eine Chance mehr, sich zurück in die Punkte zu kämpfen."

Zudem hat sich Ricciardo im neuen Renner immer noch nicht eingegrovt. Seidl begründete dieses Defizit so: "Um unsere Autos momentan schnell zu fahren, braucht man einen speziellen Fahrstil, der nicht natürlich ist für Daniel. Deswegen ist es für ihn gerade nicht so einfach."

Die Gefahr ist da, dass es sich zu einem mentalen Problem entwickelt. "Für Lando Norris läuft das Auto gerade genau, wie er es haben will, kriegt es um jede Ecke", analysierte RTL-Reporter Peter Reichert in unserem F1-Insta-Talk "Letzte Runde". "Und bei Riccardo ist es mir in Monte Carlo aufgefallen, wie er ins Lenkrad beißt, versucht das Gaspedal durchs Bodenblech zu drücken, um ein paar Tausendstel rauszuholen. Als Fahrer merkst du dann irgendwann: Mein Teamkollege schlägt mich, langsam wird's eng und das ist dann im Hinterkopf."

Seidls Plan für Ricciardo und McLaren

 F1 Grand Prix of Monaco Andreas Seidl GER, McLaren F1 Team, F1 Grand Prix of Monaco at Circuit de Monaco on May 20, 2021 in Monte-Carlo, Monaco. Photo by xpbimages.com/XPB Images/FIA Pool via HOCH ZWEI Monte-Carlo Monaco Poolfoto HOCH ZWEI/Pool/XPB
Andreas Seidl hat einen Plan.
© HOCH ZWEI/Pool/XPB Images, ps

Trotzdem heißt die Devise bei McLaren: kühlen Kopf bewahren. "Wir müssen ruhigbleiben, weiter analysieren und weiter lernen, damit er sich weiter anpassen kann. Wie man sieht, ist das Potential ja da", sagte Seidl, der auch auf die positiven Seiten des Rennens verweist.

"Es gab auch Abschnitte im Rennen, als er freie Fahrt hatte, in denen er zeigen konnte, was er in Monaco draufhat. Es ist wichtig, dass wir das Wochenende jetzt hinter uns lassen und unseren Weg in Baku weiter bestreiten."

Dass etwas am Auto nicht in Ordnung gewesen sei in Monaco, glaubt Ricciardo übrigens nicht. "Ich bin sicher, dass das Team nach dem Wochenende alles überprüfen wird."

Für Seidl gibt es nun zwei Ansatzpunkte. Mit Ricciardo werden man weiter versuchen, dessen Fahrstil ans Auto anzupassen. Und gleichzeitig werde das Team schauen, ob es das Auto in irgendeiner Form anpassen kann, damit es sich für den Fahrer "natürlicher" anfühlt.

Seinen positiven Spirit ließ sich Ricciardo dann aber doch nicht verderben. Als er an Red-Bull-Teamchef und Ex-Boss Christian Horner vorbeilief, gratulierte er herzlich zum Sieg der "Bullen". So schnell lässt sich der "Honigdachs" nicht unterkriegen.