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Formel 1 vor Kosten-Kollaps? Christian Horner warnt vor Saisonfinale ohne mehrere Teams

Wegen hoher Inflation

Saisonfinale ohne Teams? Horner warnt vor Kostenkollaps in der Formel 1

 Formula 1 2022: Spanish GP CIRCUIT DE BARCELONA-CATALUNYA, SPAIN - MAY 21: Christian Horner, Team Principal, Red Bull Racing during the Spanish GP at Circuit de Barcelona-Catalunya on Saturday May 21, 2022 in Barcelona, Spain. Photo by Mark Sutton /
Christian Horner schaut der zweiten Jahreshälfte in der Formel 1 skeptisch entgegen
www.imago-images.de, IMAGO/Motorsport Images, IMAGO/Mark Sutton

Angesichts steigender Inflationsraten und explodierender Frachtkosten hat Red-Bull-Teamchef Christian Horner die Verantwortlichen der Formel 1 und FIA vor einem düsteren Szenario gewarnt. Der Kostendruck und die geltende Budgetobergrenze könnten dazu führen, dass „womöglich sieben Teams die letzten vier Rennen verpassen, um dieses Jahr innerhalb der Obergrenze zu bleiben“. Droht der Rennserie ein Kostenkollaps?

Horner: Kostenexplosion für Teams nicht kontrollierbar

In der Formel 1 gilt seit 2021 ein Budgetdeckel, dieses Jahr liegt die Grenze bei 140 Millionen Dollar. Mehr dürfen die zehn Teams für die Saison nicht ausgeben (Fahrergehälter ausgenommen). Der Deckel soll sicherstellen, dass die Schere zwischen „armen“ und „reichen“ Teams nicht zu sehr auseinandergeht. Mehr Chancengleichheit also.

Laut Horner setzt der Deckel viele Teams in diesem Jahr aufgrund nicht kontrollierbarer Einflüsse extrem unter Druck. „Dinge wie die Energierechnung, die Lebenshaltungskosten. Die Kosten steigen exponentiell und die Formel 1 ist davon nicht ausgenommen. Wir sehen, dass Frachtkosten sich vervierfacht haben und das ist etwas, das wir nicht kontrollieren können.“

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Topteams fordern Inflationsausgleich

Die FIA habe eine „Sorgfaltspflicht“ für die Rennställe, nimmt Horner den Automobil-Weltverband in die Pflicht. „Für die zweite Jahreshälfte muss die FIA dieses Thema angehen“, forderte der Brite. Nötig sei, dass der Weltverband Hand in Hand mit den Formel-1-Rechteinhabern von Liberty Media arbeite, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Red-Bull-Berater Helmut Marko hatte schon am Rande des Spanien-GP in Barcelona einen Inflationsausgleich gefordert. Die Preise für Material und Transport „seien immens gestiegen“, sagte Marko dem ORF. „Pandemie und der Krieg (Russlands gegen die Ukraine, d.Red.) waren Ereignisse, die nicht vorhersehbar waren, und diese Inflationsraten sind ja nicht normal.“ Unter den gegenwärtigen Bedingungen könnten über die Saison weder Mercedes, Red Bull noch Ferrari den Budgetdeckel einhalten.

McLaren schloss sich laut BBC der Forderung nach einem Inflationsausgleich an.

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"Oder wir müssen 50 Leute entlassen"

Die Inflation betrifft nicht zuletzt das Wettrüsten der Teams bei der Entwicklung ihrer Boliden. "Es ist nicht mehr möglich, zu jedem Rennen neue Teile zu bringen. Bei dem Entwicklungstempo, das wir jetzt sehen, müssen viele Teams schon bald an die Grenzen des Kostendeckels stoßen“, hatte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto schon nach dem Miami-GP prognostiziert .

Laut „auto motor und sport“ veranschlagen die Topteams rund zehn Prozent ihres Budgets für die Entwicklung des Autos. Kleinere Rennställe wie Haas, Williams oder Alfa Romeo haben mehr Spielraum, etwa, weil sie weniger Angestellte bezahlen müssen. Experten zufolge könne es nach dem Kanada-Rennen im Juni keine Weiterentwicklung mehr geben, „wenn alle ehrlich spielen“, heißt es in dem Bericht. "Oder wir müssen 50 Leute entlassen", zitiert das Fachmagazin einen Teamchef.

Vasseur stellt sich gegen die Großen

Ein Inflationszuschlag ist derzeit nicht vorgesehen. Laut Reglement würde dieser vier Millionen Dollar betragen, hätte die Inflationsrate vergangenen September mehr als drei Prozent betragen. Sie lag aber knapp darunter. Momentan liegt die Teuerungsrate im Euro-Raum bei mehr als sieben, im Vereinigten Königreich, wo sieben Teams ihren Sitz haben, gar bei neun Prozent.

Die großen Teams wie Red Bull argumentieren daher à la Marko, dass Höhere Gewalt sie zwinge, die Entwicklungsarbeit einzustellen, sofern der Budgetdeckel nicht angepasst werde.

Alfa-Romeo-Teamchef Frédéric Vasseur hält dagegen "Inflation hat nichts mit Höherer Gewalt zu tun. Die Pandemie war Höhere Gewalt. Inflation ist ein normaler Prozess. Die Teams, die nicht mehr viel Luft nach oben haben, können ganz einfach darauf reagieren. Sie müssen nur ihren Windkanal abstellen und weniger Teile bauen. Für uns sind Fracht und Strom teurer geworden. Wir müssen irgendwie damit klarkommen“, sagte der Franzose.

Meisterschaft der Buchhalter?

Am Ende könnte die Formel 1 angesichts der finanziellen Gemengelage auch zu einer Meisterschaft der Buchhalter werden, in der Tricks und kreatives Rechnen über Entwicklung oder Stillstand entscheiden. Eine Atmosphäre, die nicht wenige Team-Vertreter als ungesund betrachten.

F1 und FIA stehen der Forderung eines Inflationszuschlags zwar wohlwollend gegenüber. Damit dieser in Kraft tritt, müssen allerdings acht Teams ihren Segen geben. Alfa (Sauber), Williams und Alpine sind Stand jetzt dagegen. "Wenn wir die Regeln jetzt aufgeben, wäre das das Ende des Budgetdeckels“, warnt Alfa-Teamchef Vassuer. (mar)