RTL News>Formel 1>

Formel 1: Lewis Hamilton verschiebt den Barcelona-Feierabend und kommt brutal zurück

Platz 5 statt Kaffeefahrt

Hamilton verschiebt den Feierabend und kommt brutal zurück

Lewis Hamilton mit Sonnenschutz.
Lewis Hamilton mit Sonnenschutz.
Imago Sportfotodienst

von Emmanuel Schneider

Lewis Hamilton ist einer der Gewinner des hitzigen Spanien-GP. Und das nach einem Fehlstart und früher Lust auf Feierabend. Doch der Mercedes-Fahrer gibt sich einen Ruck und setzt zur Aufholjagd an. Sein Teamchef ist begeistert. Was ist noch drin für den Rekordweltmeister?

Erst Bock auf Feierabend, dann Aufholjagd

Das Rennen in Barcelona war keine fünf Runden alt, da wollte Altmeister Hamilton seinen Arbeitstag bei Mercedes eigentlich beenden. Getreu dem Motto: Hier kannste heute nix mehr gewinnen, plädierte er dafür, den Motor zu schonen, seinen Silberpfeil in der Garage zu parken und eine ruhige Kugel zu schieben. Bei Temperaturen von fast 40 Grad ein fast nachvollziehbarer Wunsch.

Gut, dass sein Renningenieur Peter Bonnington sofort intervenierte und verdeutlichte, dass hier heute noch fette Punktebeute drin sei. Er sollte Recht behalten.

Der Große Preis von Spanien begann mit einer bitteren Note für den Vize-Weltmeister. Er kollidierte leicht mit Schumacher-Kollege Kevin Magnussen in Kurve 4. Die linke Vorderreifen seines W13 waren futsch. Statt die Spitze anzugreifen ging es von Position sechs aus direkt in die Box, um den Reifenschaden zu beheben. Kurz danach folgte Hamiltons angesäuerter Funkspruch an seine Box.

Lese-Tipp: Verstappen staubt Hitze-Sieg ab, K.o. für Leclerc

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformtwitter, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

Fingerzeig von Lewis Hamilton

Nach der Ansage nahm der Arbeitstag des 37-Jährigen im Glutofen von Barcelona aber erst richtig Fahrt auf. Und es wurde deutlich, dass Mercedes mit seinen Updates ins Schwarze getroffen hat. Die Silberpfeile sind zurück, das lässt sich nach diesem denkwürdigen Sonntag in Katalonien festhalten. Denn die Pace, die Hamilton fortan an den Tag legte, war phänomenal.

Teilweise raste der Brite als Schnellster um den Circuit de Barcelona-Catalunya. So pflügte Altmeister Hamilton von ganz hinten durchs Feld, schluckte die Ex-Weltmeister Sebastian Vettel und Fernando Alonso außerdem Mick Schumacher und andere Jungspunde. Am Ende überquerte er als Fünfter die Ziellinie.

Und wäre nicht in den letzten beiden Runden ein Wasserleck an seinem Silberpfeil aufgetreten, es wäre sogar der vierte Platz geworden. Durch den massiven Leistungsverlust musste Hamilton seine Position wieder an Carlos Sainz abgeben – den Ferrari-Piloten hatte er kurz zuvor aufgeschnupft. Sei‘s drum. Die Aufholjagd war eine Reminiszenz an die alten Dominanztage des siebenmaligen Champion und ein Fingerzeig: Schreibt mich nicht ab.

Lese-Tipp: Mercedes-Kampfansage an Ferrari

Dieser Inhalt kann nicht angezeigt werden

Es tut uns leid,
bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Toto Wolff von Hamilton-Pace beeindruckt

Die Stimmung bei Mercedes war dementsprechend gut, wenn auch „nicht euphorisch“, wie Teamchef Toto Wolff am Sky-Mikrofon betonte. Denn neben Hamilton überzeugte einmal mehr auch dessen Stallrivale George Russell, der wieder vor dem Rekordchamp landete. Der 24-Jährige fuhr in Barcelona auf Rang drei und ist damit weiterhin der einzige Pilot, der es in allen sechs Grands Prix der Saison in die Top 5 schaffte.

Den Rückstand auf seinen Landsmann konnte sich Hamilton schon am Samstag nicht wirklich erklären. Er wisse nicht, woran das liege, sagte er nach dem Qualifying zu dem Zehntel, dass erlangsamer war als Russell (Hamilton wurde Sechster, Russell Vierter). Im Rennen lagen die Gründe auf der Hand: schlechtere Start-Position und der unverschuldete Extra-Stopp zu Beginn.

Klar ist: Wäre Hamilton von der Berührung mit dem Magnussen-Haas verschont geblieben - mindestens das Podium wäre drin gewesen. Wolff legt sogar noch einen oben drauf. „Er wäre um den Sieg mitgefahren“, sagte der Österreicher. „Seine Pace war beeindruckend.“

Lese-Tipp: Perez sauer – „Müssen ein paar Dinge klarstellen“

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformtwitter, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

Bouncing-Problem gelöst - Knoten geplatzt?

BARCELONA, SPAIN - MAY 22: Lewis Hamilton of Great Britain driving the (44) Mercedes AMG Petronas F1 Team W13 on track during the F1 Grand Prix of Spain at Circuit de Barcelona-Catalunya on May 22, 2022 in Barcelona, Spain. (Photo by Clive Mason/Gett
Lewis Hamilton auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya.
CJM / WTM, Getty Images, Bongarts

Schon direkt nach Rennende hatte sich der Chef bei Hamilton persönlich gemeldet. „Ein großartige Rennen, Lewis“, lobte Wolff. „Sorry für die Probleme am Ende. Du warst der Schnellste im Rennen.“ Hamilton sekundierte: „Großartige Arbeit, Leute! Sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich bin stolz auf euch.“

So viel gute Stimmung, so viel Aufbruchstimmung hat man beim Konstrukeursweltmeister schon lange nicht mehr erlebt. Die Hoffnung kehrt bei Mercedes zurück. Aus Gründen. Das ekelhafte Bouncing ist – zumindest auf den Geraden – gezähmt, gar getilgt worden. Die Hoppelei verschärfte die Lage bei Mercedes seit Saisonbeginn. Nun gibt man sich beim deutsch-britischen Team hoffnungsvoll, sich endlich aufs Wesentliche konzentrieren zu können.

Den WM-Kampf will man daher nun doch noch nicht abschreiben. Zumindest Russell liegt noch einigermaßen in Position, was auch daran liegt, dass Verstappen und nun auch Leclerc schon mit Technik-Problemen zu kämpfen hatten.

Lese-Tipp: Ausgebounct! Mercedes ist wieder da

Spanien-Serie gerissen

Für Mercedes geht es nun aus einer Position der Stärke in Richtung Saisonmitte. Nie war das Selbstbewusstsein der Silberpfeile in diesem Jahr größer als jetzt. „Wenn du das Bouncing in den Griff kriegst, kannst du tiefer fahren und mehr Aero generieren“, sagte Wolff. „Wir haben am Unterboden gearbeitet. Jetzt hält das Auto das aus. Die Pace war super.“

Die unglaubliche Siegesserie von Hamilton endete zwar an diesem Sonntag. Seit 2017 hatte er jedes Rennen in Barcelona für sich entschieden. Doch weil er den Feierabend um anderthalb Stunden nach hinten verlegte, sich unter der brutzelnden Sonne Barcelonas zurückkämpfte, kehrt auch bei Hamilton die Hoffnung zurück. Honoriert wurde die Leistung im Übrigen auch von den Fans. Hamilton wurde zum „Fahrer des Tages“ gevotet. So lässt es sich doch in den richtigen Feierabend starten.