Verpatzte Mercedes-Strategie

Lewis Hamilton erlebt Monaco-Desaster - und nölt, bis es nervt

Nur Platz 7 - bei Lewis Hamilton ging 2021 in Monaco nix.
Nur Platz 7 - bei Lewis Hamilton ging 2021 in Monaco nix.
© Getty Images, Bongarts, JB1 / AJB

24. Mai 2021 - 11:32 Uhr

Wenn's nicht läuft, kann Sir Lewis auch anders

von Martin Armbruster

Lewis Hamilton erlebte in Monaco ein Formel-1-Wochenende zum Vergessen. Nach einem total verbockten Qualifying blieb die erhoffte Aufholjagd des Weltmeisters im Rennen aus. Wegen einer ungünstigen Strategie wurde Hamilton nur Siebter – und schimpfte rundenlang mit seinem eigenen Team.

Hamilton erlebt Monaco-Desaster

Vor zwei Wochen hing der Formel-1-Himmel für Musik-Fan Lewis Hamilton noch voller Geigen. Erst tütete der Brite in Barcelona die 100. Pole Position seiner Karriere ein, Sieg Nummer 98 folgte. Und wie so oft war alles toll in Hamiltons Welt: sein Team Team, das Auto, die Leute im Werk. Wären Fans in Katalonien gewesen – auch sie hätte der Rekordchampion standesgemäß für ihren "Support" abgefeiert.

Beim Monaco-GP zogen dann aber dunkle Wolken über dem Lewis-Empire auf. In den Häuserschluchten Monte Carlos kam der 36-Jährige im W12 irgendwie nie in die Gänge, fuhr schon beim ersten Donnerstags-Training seltsam blass hinterher. Und es kam immer schlimmer: Am Quali-Samstag bog Hamilton in puncto Setup falsch ab, wurde nur Siebter, von Stallkollege Valtteri Bottas (3.) überdies regelrecht versägt.

Im Rennen kostete Hamilton dann eine verpatzte Strategie Platz 4 oder 5 – es wäre das Maximum für den Titelverteidiger gewesen. Seine Renn-Hirne hatten Hamilton schon in Runde 30, auf Rang 6 hinter AlphaTauri-Pilot Pierre Gasly liegend, zum Reifenwechsel beordert. Das Kalkül: Via Undercut sollte der Engländer den Franzosen in der Boxengasse vernaschen. Gasly aber wollte kein Mon Cheri sein. AlphaTauri "coverte" Hamiltons Stopp eine Runde später sofort, Gasly blieb knapp vor dem F1-Kaiser.

Boxenfunk Hamilton, Runde 31: "Warum bin ich immer noch hinter ihm? Come on!"

Doch es kam noch dicker: Sebastian Vettel blieb auf strapazierten Soft-Pneus noch länger auf der Piste als Gasly und Hamilton. Dank starker Runden und eines tadellosen Stopps schaffte es der Aston Martin-Pilot in Runde 33 ganz knapp vor der französisch-britischen Kombo zurück. Statt auf 5 fand sich Hamilton nach den ersten Stopps also auf 7 wieder – dabei war er nach Charles Leclercs Heimspiel-Albtraum doch noch von 6 losgefahren und sein Kollege Bottas mittlerweile ausgeschieden.

Boxenfunk Hamilton, Runde 33: "Was ist da gerade passiert?! Ich habe zwei Plätze verloren."

Boxenfunk Hamilton, Runde 34: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich habe die Reifen aufgespart, um draußen zu bleiben, und ihr lasst mich vor allen anderen stoppen."

Es stellt sich die Frage, warum kein verbales Auskotzen mehr über die Tatsache folgte, dass auch Red-Bull-Pilot Sergio Perez dank einer famosen Rennpace und cleverer Strategie an King Lewis vorbeihuschte. Vielleicht hatte Hamilton keinen Bock mehr, vielleicht verpasste die internationale Regie einen weiteren Motz-Anfall. Was folgte, war ein Renningenieur, der sich bei Hamilton kleinlaut für den frühen "Call" entschuldigte – und dabei ein wenig klang, wie der devote Mitarbeiter eines beleidigten Chefs.

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Ausgerechnet Bottas zeigte, was im Mercedes ging

Nur Platz 7, wann hat es das bei Hamilton zuletzt gegeben. Er habe auf das schlechte Wochenende "keine Antwort", sagte Hamilton kurz nachdem sein Debakel amtlich und die WM-Führung futsch war. Man werde das Ganze bei Mercedes "intern besprechen".

Warum aber, fragt man sich, hatte Hamilton sein Team dann zuvor rundenlang vor aller Welt rundgemacht? Warum einen keineswegs unlogischen Undercut ins fast schon Lächerliche gezogen? Muss man in Monaco, wo Überholen so vielversprechend ist wie Tauchen in einem Piranha-Becken, nicht was wagen?!

Wenn Hamilton gewinnt, ist natürlich immer alles gut, das ist verständlich. Läuft es beim Rekordweltmeister aber mal nicht, zeigt der Sir ein anderes Gesicht, haut auch mal kräftig auf den Tisch.

Schon nach der verbockten Quali hatte er "harte Diskussionen" angekündigt und seinem Team unverblümt eine mitgegeben: "Es gibt Dinge, die wir hätten tun sollen, aber nicht getan haben." Ob er auch sich selbst meinte? Dass Mercedes in Monaco absolut konkurrenzfähig war, bewies doch ausgerechnet der oft als Adjutant verspottete Bottas (der nach seinem Radmutter-Desaster übrigens viel mehr Grund zum Motzen gehabt hätte, dies aber nordisch kühl unterließ).

Gewiss: Ohne grenzwertigen Ehrgeiz, ohne seine Ich-will-unbedingt-gewinnen-Mentalität, ohne klare Ansagen auch an das eigene Team, wird man nicht sieben Mal Weltmeister. Und doch: In Summe war Hamiltons permanentes Rumgenöle in Monaco einfach nur nervig.