Der tragische Held von Sotschi

Norris ist einfach nur „untröstlich“ - die Zukunft gehört ihm trotzdem

Lando Norris
Lando Norris
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27. September 2021 - 8:49 Uhr

Norris verpokert sich spektakulär

Das Norris-Drama in Sotschi! Eine kolossale Fehleinschätzung kostet den McLaren-Piloten den ersten Grand-Prix-Sieg überhaupt. Der Jungspund nimmt den Fehler auf seine Kappe und ist nach der Pleite einfach nur "untröstlich". Der erste Sieg des 21-Jährigen ist dennoch nur eine Frage der Zeit.

Die Enttäuschung war Lando Norris ins Gesicht geschrieben. Sie war ja auch nicht weiter verwunderlich. Das große Talent der Königsklasse hatte eben die große Chance auf den ersten Sieg in einem F1-Rennen weggeworfen. Bei Social Media kanalisierte er in einem Wort seinen Gemütszustand: "Untröstlich" ("Heartbroken"), fasste er Ganze zusammen. Und versah das Adjektiv mit einem traurig dreinblickenden Lando-Foto. Ein Symbolbild.

Vier Runden vor Schluss nahm das große Drama um Lando Norris seinen Lauf. Es plätscherte los in Sotschi, die Strecke wurde nasser und nasser. Lewis Hamilton, der dem McLaren-Mann im Nacken saß, reagierte und stellte von Slicks auf Intermediates um. Norris weigerte sich zunächst. "Lasst mich in Ruhe" funkte er. Eine Fehlentscheidung! Norris rutschte und schlitterte über die Piste, Hamilton krallte sich Spitzenposition, Norris bog viel zu spät in die Box ab. Am Ende reichte es nur für Platz sieben, eine bittere Pille für den McLaren-Piloten, der bis dato das Rennen in Russland angeführt hatte.

"Wir haben uns verzockt!"

"Ich bin darüber natürlich nicht glücklich, aber wir haben diese Entscheidung getroffen und stehen dazu, auch wenn sich diese schließlich als Fehler erwiesen hat", sagte der Pechvogel hinterher. "Das Team wollte, dass ich an die Box komme, aber ich wollte auf der Strecke bleiben. Es war meine Entscheidung, ich dachte, es sei das richtige Vorgehen."

Teamchef Andreas Seidl gestand: "Wir haben uns verzockt. Wir haben gedacht, dass es weiter nur leicht regnen würde, deswegen haben wir die Entscheidung getroffen, draußen zu bleiben."

Der deutsche Capo des Teams gab direkt die Denkweise vor: Der Blick geht nach vorne! "Wir müssen daraus lernen und jetzt sehen, was wir Positives mitnehmen können."

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Alles oder nix: Diesmal nix

Dass Norris – ohnehin eine großer Fanliebling – der Sotschi-Fahrer der Herzen war, steht wohl außer Frage. "Er hat alles riskiert. Ich muss auch ganz ehrlich sagen: Es ist schön, dass es diese Fahrer noch gibt, die selber vom Instinkt mal sagen: Ich bleibe draußen. Selbst wenn man dann mal einen Fehler macht", lobt RTL-Reporter Felix Görner die "Alles-oder-nix"-Einstellung von Norris.

Der Brite setzte am Sonntag eben alles auf eine Karte. Es hätte genauso gut funktionieren können: Statt vom Pechvogel würde die F1-Welt über den Sotschi-Helden Norris sprechen.

F1-Kolumne von Görner: "Der Fahrer der Herzen"

Norris' Zeit wird kommen

In seinem dritten Jahr in der Königslasse hat Norris den nächsten Schritt gemacht, hatte Teamchef Seidl mehrmals in dieser Saison bei RTL seinen Schützling gelobt. Bis zur Sommerpause fuhr er im MCL35M Teamkollegen Daniel Ricciardo regelmäßig um die Ohren. Neben Russell ist er das größte Talent der F1. Ein kommender Superstar.

"Der Junge wird bald seinen ersten Formel-1-Sieg holen. Da bin ich mir hundertprozentig sicher", analysiert RTL-Reporter Görner.

Schon jetzt schreibt Norris mit McLaren eine der Feeldgood-Stories der Saison 2021. Erst vor zwei Wochen machte er mit Überraschungssieger Daniel Ricciardo den historischen McLaren-Doppelsieg von Monza klar. Nun gab's die erste Pole, der Premierensieg war nur vier Runden und eine Trockenphase entfernt.

Mit dem verbesserten McLaren-Renner ist für Norris noch mehr drin. Vielleicht kann er sogar noch in den Kampf um Platz drei (12 Punkte Rückstand auf Valtteri Bottas) ein großes Wort mitreden. Ab 2022 greifen dann die neuen Regeln in der F1, nach McLaren-Plan rückt der Rennstall dann noch näher an die Top-Teams heran. Norris ist dabei das Versprechen für die Zukunft.

Eine positive Nachricht gab es dann noch am Sonntagabend: Norris musste nach dem Rennen zu den Stewards antanzen, weil er die Linie bei der Boxeneinfahrt überfahren hatte. Die Kommissare verzichteten allerdings auf eine Strafe und beließen es bei einer Verwarnung.

Ob Norris es noch mitbekommen hat? Nach dem Rennen hatte er seinen weitere Tagesplan angekündigt: "Einfach nach Hause gehen und schlafen." (msc)