40 Jahre alt und kein bisschen F1-müde

Alonsos epische Hilfe für den Sensationssieger

Die Alpine-Piloten hatten einiges zu feiern.
Die Alpine-Piloten hatten einiges zu feiern.
© Pool via REUTERS, FLORION GOGA, DY

02. August 2021 - 15:42 Uhr

Der eigentliche Star des Rennens

Von Emmanuel Schneider

Am Donnerstag feierte Fernando Alonso seinen 40. Geburtstag, drei Tage später zeigte er auf dem Hungaroring, warum er auch im hohen Sportleralter weiter die Formel 1 bereichert. Mit seinen harten Verteidigungsmanövern hielt er Weltmeister Lewis Hamilton lange hinter sich und hatte einen riesigen Anteil am Sensationssieg von Teamkollege Esteban Ocon.

Alonso gab keinen Millimeter Platz

BUDAPEST, HUNGARY - AUGUST 01: Fernando Alonso of Spain driving the (14) Alpine A521 Renault leads Lewis Hamilton of Great Britain driving the (44) Mercedes AMG Petronas F1 Team Mercedes W12 during the F1 Grand Prix of Hungary at Hungaroring on Augus
10 Runden schaute Lewis Hamilton ins Heck von Fernando Alonso.
© Getty Images, Bongarts, JB1 / WTM

Fernando Alonso crashte die Interviewzone, sprang umher, tätschelte seinen Teamkollegen Esteban Ocon und ließ ihn hochleben. Fast scheinte es so, als freue sich der Spanier über den Sieg des Teamkollegen mehr als über einen eigenen. Dass der 24-jährige Franzose nach dem wilden Ungarn-GP ganz oben auf dem Podium stand, hatte er nicht nur dem Anfangscrash und dem großen Bowling durch Valtteri Bottas zu verdanken, sondern vor allem auch dem F1-Oldie im eigenen Rennstall.

Denn der Spanier bildete drei Positionen hinter Ocon gegen Ende des Rennens ein blaues Alpine-Schutzschild sondergleichen. Von hinten pflügte Hamilton im überlegenen Mercedes und frischen Pneus durchs Feld. Der Weltmeister rauschte vom letzten Rang auf P5 hinter Alonso. Jetzt also nur noch kurz am Alpine-Fahrer vorbei und schon steht dem 100. Sieg der Karriere nichts mehr entgegen. Tja, wenn das so einfach wäre. Runde um Runde verteidigte der 40-Jährige seine Position, teils durch hartes Racing, das Hamilton zu Funk-Beschwerden brachte à la: "Komm schon, der fährt überall rum!" Es half nichts, Alonso hatte Lunte gerochen und gab keinen Millimeter Platz.

Während Ocon vorne an der Spitze einsam in Führung lag und auch Sebastian Vettel im Aston Martin dahiner wenig ausrichten konnte, verzögerte sich Hamiltons Jagd immer weiter. Und das obwohl der Brite deutlicher schneller war pro Runde, bis zu drei Sekunden schneller, um genau zu sein. Hamilton attackierte, Alonso hielt dagegen. Zehn Runden ging dieses Spielchen so. Dann erst erwischte Hamilton aus seiner Sicht endlich eine günstige Position und zog in Runde 65 nach einem Alonso-Verbremser in Kurve 1 vorbei. Die Rolle als Verteidiger, sie schien dem Spanier zu gefallen.

Für Hamilton kam das Überholmanöver zu spät. Auch wenn Carlos Sainz im Ferrari deutlich weniger Gegenwehr leistete und er sich in ganz großen Weltmeister-Schritten Vettel und Ocon näherte, reichte es nicht mehr für den Sieg. 1,8 Sekunden fehlten auf den Premierensieger. Das Rennen beendete Hamilton auf Platz 3 (nach der Disqualifikation von Vettel rückte er auf P2 vor, Aston Martin hat allerdings Protest eingelegt).

"Das ist Teamwork"

"Ich habe heute alles gegeben. Ich bin so stolz auf das Alpine-Team an diesem historischen Tag für diese Marke und den Sieg von Esteban Ocon. Was für ein Tag! Danke Budapest. Ihr wart wie immer sehr gut zu uns", jubelte Alonso hinterher.

Und auch Teamkollege Ocon wusste genau, bei wem er sich zu bedanken hatte. "Das fühlt sich so gut an. Glückwunsch auch an Fernando, weil ich den Sieg auch ihm und seinen Kämpfen zu verdanken habe. Das ist Teamwork. Es war ein fantastischer Tag."

Der Franzose räumte gleich noch mit Negativ-Gerüchten auf und wusch den nicht ganz so reinen Ruf von Alonso etwas sauber: "Wir arbeiten zusammen und pushen das Team, damit wir uns verbessern und näher an die Spitze kommen. Alle haben mir vorher Dinge über Alonso gesagt, aber das ist alles nicht wahr", betonte Ocon. "Ich kann sagen, dass er im Team ein fantastischer Kerl ist, mit dem ich wirklich gerne zusammenarbeite."

Beide fuhren nach der Zieldurchfahrt gemeinsam die Auslaufrunde und holten sich den Applaus der Fans ab. Alonso hatte am Samstag durchaus Weitsicht, fast schon seherische Fähigkeiten, bewiesen. "Jetzt müssen wir am Sonntag den Job zu Ende bringen. Ein guter Start wird elementar sein, danach musst du deine Position clever verteidigen", hatte er nach der Quali gesagt.

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Ein echter Gewinn für die Formel 1

"Es ist super schwierig hier, einen Gegner zu überrumpeln. Aber wir haben eine gute Chance, mit beiden Autos zu punkten. Diese Gelegenheit dürfen wir uns nicht entgehen lassen, denn es geht für uns um jeden Zähler." Er sollte Recht behalten. Von P8 und P9 aus gestartet profitierten die Alpine-Fahrer vom frühen Crash und dem Neu-Start. Ab Runde 5 führte der Underdog Ocon – verteidigt vom Haudegen himself.

In der Gunst der Fans stand Alonso am Sonntag zumindest ganz weit oben: Der Eigenbrötler, der polarisiert und gerne als Egoist verschrien wird, wurde von den Zuschauern zum Fahrer des Tages gevotet.

40 Jahre alt, kein bisschen der F1 müde. In dieser Verfassung ist Alonso ein echter Gewinn für die Königsklasse.

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