Vettel verliert Platz 2

Ungarn-GP: Überraschungssieger beim verrückten Chaos-GP in der Puszta

Großer Preis von Ungarn
Großer Preis von Ungarn
© dpa, Darko Bandic, nwi

01. August 2021 - 22:48 Uhr

Esteban Ocon feiert ersten Formel-1-Erfolg

Ein Massencrash, ein Sensationssieger und am Ende eine bittere Disqualifikation von Sebastian Vettel. Der Ungarn-GP war eine emotionale Berg-und-Tal-Fahrt – nicht nur für Vettel. Den Sieg beim verrückten PS-Thriller in der Puszta sichert sich überraschend Alpine-Pilot Esteban Ocon. Für den Franzosen war es der erste Formel-1-Erfolg seiner Karriere. Vettel kam zwar als Zweiter ins Ziel, wurde aber Stunden später nachträglich disqualifiziert. Der Grund: Im Tank seines Aston Martins befand sich nach der Zieldurchfahrt zu wenig Sprit. Auf Platz zwei rückte damit Lewis Hamilton im Mercedes vor. Ferrari-Pilot Carlos Sainz erbte Podestplatz 3.

Bottas macht Weg mit Massencrash frei

Den Weg für Ocon und Vettel hatte zunächst Hamiltons Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas beim Start frei gemacht. Der Finne verursachte auf regennasser Piste einen Massencrash, der das Rennen von Red-Bull-Star Max Verstappen, dessen Teamkollegen Sergio Perez und anderen Piloten früh ruinierte. Hamilton und seinem Team unterlief dann beim Re-Start ein folgenschwerer taktischer Fehler, der den Briten zunächst bis ans Ende des Feldes spülte.

Hamilton kämpfte sich zurück, biss sich im letzten Renndrittel aber lange die Zähne an Alpine-Routinier Fernando Alonso aus. Hätte der Spanier Hamilton mit knallhartem Racing nicht rundenlang in Schach gehalten, hätte es für den siebenmaligen Champion vielleicht sogar noch zum obersten Platz auf dem Podium gereicht. Ocon wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte: "Vielen Dank vor allem an Fernando. Der Sieg geht auch auf sein Konto, er hat sich gegen Lewis so gut verteidigt – tolles Teamwork", sagte der Franzose.

Vettel: "Ich hab's versucht, sorry Leute"

Vettel und sein Team verschenkten zur Mitte des Rennens mit einem völlig verpatzten Boxenstopp die mögliche Führung. Der 34-Jährige versuchte danach zwar alles, um auf der Strecke doch noch ganz nach vorne zu kommen – doch Ocon verteidigte sich auf dem engen und kurvenreichen Hungaroring geschickt. "Ich hab's versucht, sorry Leute", funkte Vettel nach der Zieldurchfahrt an die Box. Am Ende hätte ihm ein Überholmanöver auch nichts genützt. Nach seiner Disqualifikation reist der 34-Jährige mit leeren Händen aus Budpest ab.

Mick Schumacher hielt sich lange in den Punkterängen wurde dam Ende doch auf Rang 13 durchgereicht.Trotzdem dürfte er mit seiner Leistung Haas-Teamchef Günter Steiner wieder milde gestimmt haben. Der Südtiroler war nach einem neuerlichen Crash-Fauxpas von Schumacher im 3. Freien Training gar nicht gut auf den Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher zu sprechen gewesen.

Hamilton kämpfte nach seiner irren Aufholjagd mit Schwindelattacken. Mit Platz 2 eroberte er aber im letzten Grand Prix vor der Sommerpause auch die WM-Führung zurück. Der Titelverteidiger liegt nach elf von 23 Rennen nun mit 195 Punkten vorn. Verstappen, der nach einem missglückten Rennen zunächst nur Zehnter wurde, kletterte durch die Vettel-Disqualifikation noch einen Rang nach oben und ist mit 187 Punkten Zweiter.

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Der Ungarn-GP im Zeitraffer

Runde 1 – Start: Weil es kurz zuvor zu regnen begonnen hat, entscheiden sich alle Fahrer auf Intermediates ins Rennen zu gehen. Trotzdem kommt Bottas auf der nassen Piste von Gridposition 2 kaum vom Fleck. Nicht nur beide Red-Bull-Piloten, sondern auch der von Position 6 gestartete Norris schlüpfen vorbei. Möglicherweise gefrustet, bremst Bottas vor der ersten Kurve zu spät, rutscht Norris ins Heck und schiebt den McLaren-Mann in den Red Bull von Verstappen – dann räumt der Finne auch noch Perez im zweiten Bullen ab. In diesem Chaos verschätzt sich schließlich auch noch Lance Stroll und kracht seitlich in den Ferrari von Charles Leclerc, weiterer Leittragender: Daniel Ricciardo im zweiten McLaren.

Bilanz der Bottas-Harakiri-Aktion: Perez raus, Norris raus, er selbst raus und Verstappen mit demoliertem Boliden nur noch 13. Zudem ist das Rennen für Stroll und Leclerc vorbei, ehe es richtig begonnen hat.

Größte Nutznießer der Billard-Karambolage sind der von Position 8 gestartete Ocon und Vettel, den ein ganz schlechter Start von Platz 10 davor bewahrt, ebenfalls ins Start-Chaos zu geraten. So findet sich Vettel nach Kurve 1 unverhofft auf Rang 3 wieder – hinter dem Führenden Pole-Mann Hamilton und Ocon. Gut macht es auch Schumacher, der ganz vorsichtig durchs Boliden-Trümmerfeld auf Rang 10 nach vorne schleicht. Die Rennleitung schickt sofort das Safety-Car auf die Strecke.

Kurioser Neustart: Hamilton allein im Grid

Runde 2: Rote Flaggen – das Rennen wird unterbrochen, um die havarierten Boliden sicher bergen und alle Trümmerteile aufsammeln zu können. In der Pause versuchen die Red-Bull-Mechaniker den ziemlich demolierten Dienstwagen Verstappens notdürftig zu reparieren – auch Gafferband kommt zum Einsatz.

Runde 4 - Restart: Nach rund halbstündiger Unterbrechung geht es kurios weiter. Bei inzwischen wieder trockenen Bedingungen rollt nur der Führende Hamilton nach einer Einführungsrunde zurück in die Startaufstellung – alle anderen biegen in die Boxengasse ab, um von Intermediates auf Slicks zu wechseln. Hamilton startet als ganz alleine aus dem Grid – das gab es in der Königsklasse noch nie. In der Boxengasse wird zeitgleich George Russell von seinem Williams-Team am schnellsten abgefertigt und führt damit nach den Stopps das Verfolgerfeld hinter Hamilton an.

Runde 5: Jetzt kommt auch Hamilton zum Service, Russell übernimmt die Führung vor Ocon und Vettel. Doch zur Hälfte des Umlaufs ereilten Briten wieder einmal das Pech: Motoraussetzer. Ocon und Vettel gehen vorbei, Russell wird bis ins Mittelfeld durchgereicht, kann aber weiterfahren. Hamilton sortiert sich auf Platz 14 als Letzter wieder ein, Verstappen ist 11

Schumacher in harten Duellen mit Verstappen

Runde 10: Nach mehreren vergeblichen Versuchen kommt Hamilton endlich an Alfa-Romeo-Mann Antonio Giovinazzi vorbei. Verstappen hängt dagegen weiter hinter Schumacher fest.

Runde 14: Schumacher fährt die Ellenbogen aus, wehrt sich mit allen was er hat gegen den nächsten Angriff von Verstappen – der Niederländer muss Ausgangs der ersten Kurve kurz die Strecke verlassen, quetscht sich kurz darauf nach Kurve 2 doch noch am Haas-Piloten vorbei.

Runde 16: Schumacher muss nun auch Hamilton passieren lassen.

Runde 20: Mercedes reagiert, holt den im Verkehr feststeckenden Hamilton zum nächsten Boxenstopp und schickt ihn mit harten Pneus wieder auf die Strecke – die sollen den Weltmeister bis ins Ziel bringen.

Runde 21: McLaren-Pilot Daniel Ricciardo und Verstappen covern den Undercut von Hamilton, kommen ebenfalls zum Reifenwechsel – doch der Mercedes-Plan geht auf: Beide kommen hinter Hamilton auf die Strecke zurück.

Runde 24: Hamilton kassiert erneut Schumacher, ist damit jetzt schon 8.

Runde 32: Hamilton schnappt sich AlphaTauri-Rookie Yuki Tsunoda und verbessert sich damit auf Rang 5.

Aston Martin vermasselt Vettels Boxenstopp

Runde 35: Schumacher kann seinen Platz in den Top 10 nicht mehr verteidigen, rutscht immer weiter zurück und kommt zur Halbzeit des Rennens endlich zum Reifenwechsel.

Runde 37: Endlich ist die Lücke für den Boxenstopp von Vettel da – doch dann geht fast alles schief. Erst vertut sich der viermalige Champion beim Anbremsen vor der Boxengasse, dann vermasselt seine Crew auch noch den Reifenwechsel. Vettel sortiert sich hinter Alonso und vor Ferrari-Pilot Carlos Sainz als Dritter wieder ein.

Runde 38: Das Alpine-Team von Ocon macht es besser, fertig den Franzosen beim Service fehlerfrei ab. Als Ocon wieder aus der Boxengasse heraus beschleunigt, kommt Vettel auf Start- und Ziel angeflogen – aber Ocon bleibt vorn.

Runde 40: Alonso biegt in die Boxengasse ab, damit übernimmt Teamkollege Ocon wieder die Führung vor Vettel. Hamilton rutscht auf 4 vor, Verstappen fährt als Elfter weiter außerhalb der Punkte - kämpft mehr mit seinem stark beschädigten Red Bull als mit den Gegnern.

Knallhartes Duell zwischen Hamilton und Alonso

Runde 41: Verstappen gibt trotzdem nicht auf, lässt noch einmal frische Reifen aufziehen.

Runde 48: Auch Hamilton holt sich als Vierte noch einmal frische Medium-Pneus, verliert dabei aber nur eine Position und reiht sich hinter Sainz und Alonso wieder ein.

Runde 49: Vettel versucht in Kurve 1 eine Überrundung für einen Überraschungsangriff auf Ocon zu nutzen – doch der Franzose ist hellwach, wirft die Tür passt und bleibt vorn.

Runde 55: Hamilton attackiert Alonso, der Spanier hält hart dagegen – Hamilton muss sich zunächst geschlagen geben.

Runde 57: Hamilton versucht es erneut, aber Alonso verteidigt knallhart seinen 4. Platz.

Hamilton kassiert endlich Alonso

Runde 61: Verstappens zusätzlicher Stopp zahlt sich aus, der Niederländer überholt Ricciardo und sichert sich damit zumindest einen WM-Punkt.

Runde 63: Hamilton versucht erneut, an Alonso vorbeizukommen. Der Alpine-Pilot gibt wieder keinen Millimeter nach - die Autos berühren sich leicht, beide bleiben aber auch der Strecke.

Runde 65: Da ist der Fehler, auf den Hamilton gelauert hat: Alonso verbremst sich in Kurve 1, Hamilton zieht vorbei. Der Spanier versucht nochmal zu kontern, ist jetzt aber chancenlos – Hamilton damit wieder Vierter. Aber das Duell hat den Champion viel Zeit und Kraft gekostet.

Gasly leistet Verstappen Schützenhilfe

Runde 67: Von Sainz lässt sich Hamilton nicht lange aufhalten, gleicher der erste Angriff passt – der 36-Jährige ist zurück auf dem Podium.

Runde 70: Pierre Gasly vom Red-Bull-Farmteam AlphaTauri brennt auf frischen Soft-Schluppen noch die schnellste Rennrunde in den Asphalt - schnappt Hamilton damit den fälligen Extrapunkt weg. Schützenhilfe für Verstappen im WM-Kampf!

Runde 70 – Zieleinfahrt: Ocon überquert nach 1:40.00,248 Stunden die Ziellinie und jubelt über seinen ersten Sieg in der Königsklasse. Vettel folgt im Abstand von 1,859 Sekunden, eine weitere Sekunde später wird Hamilton abgewunken. Der spätere Dritte Sainz hat schon fast 16 Sekunden Rückstand auf Sensationssieger Ocon.

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