Nummer 2 von Mercedes hat jetzt Narrenfreiheit

Bringt ausgerechnet "Wingman" Bottas Hamilton zu Fall?

Valtteri Bottas muss sich für den Rest der Saison nicht mehr groß um die Belange von Lewis Hamilton und Mercedes kümmern
Valtteri Bottas muss sich für den Rest der Saison nicht mehr groß um die Belange von Lewis Hamilton und Mercedes kümmern
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09. September 2021 - 12:37 Uhr

Valtteri Bottas muss sich nicht mehr zurückhalten

von Jannik Kube

Nach insgesamt fünf Jahren muss Valtteri Bottas Mercedes zum Saisonende verlassen. Doch in den kommenden Wochen sind die Silberpfeile noch dringend auf den Finnen angewiesen, schließlich kämpft Teamkollege Lewis Hamilton in der Formel 1 gegen Max Verstappen um den WM-Titel. Ob sich der Rennstall dabei zu 100 Prozent auf "Wingman" Bottas verlassen kann, ist nach den jüngsten Entwicklungen aber fraglich.

Bottas konnte Rosbergs Spuren nicht füllen

Das Fahrerfeld für die Saison 2022 nimmt weiter Formen an. Nach wochenlangen Spekulationen steht fest, dass Mercedes zukünftig auf George Russell setzt. Der 23 Jahre alte Brite wechselt von Williams zum deutschen Traditionsrennstall. Ein Schritt, den vor fünf Jahren auch Valtteri Bottas machte.

Damals beerbte der heute 32-Jährige Nico Rosberg, der sich nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2016 in den Ruhestand verabschiedete. Bottas sollte sich mit Hamilton um die Vorherrschaft in der Formel 1 duellieren, doch ein halbes Jahrzehnt später ist die Bilanz des Finnen ernüchternd.

Lediglich zwei Vize-Weltmeisterschaften stehen in Bottas' Vita. Anstatt sich wie Rosberg mit Hamilton um den WM-Titel zu streiten, avancierte Bottas in der teaminternen Hierarchie schnell zum Helfer des Briten. Zwar wusste der Routinier in seiner Rolle als Nummer zwei meist zu überzeugen, die erhoffte Attacke auf den Formel-1-Thron gelang jedoch nicht. Auch in dieser Saison rangiert Bottas in der Fahrerwertung weit abgeschlagen auf dem dritten Platz.

Wichtige Rolle im Titelkampf

Dennoch spielt der Mercedes-Pilot im andauernden Titelkampf eine wichtige Rolle. Immerhin soll Bottas seinen Teamkollegen Hamilton zu seiner fünften Weltmeisterschaft in Folge verhelfen. Da sich Verstappens Mitstreiter Sergio Pérez im Red Bull in diesem Jahr viel zu inkonstant präsentiert, war Bottas an den bisherigen Wochenenden oftmals das Zünglein an der Waage.

Kein Wunder also, dass Bottas bei Hamilton hoch im Kurs steht. "Er war der beste Teamkollege, mit dem ich die Ehre hatte, zusammenzuarbeiten", erklärte der Rekord-Champion kurz nach dem Bekanntwerden von Bottas' Mercedes-Abschied. Doch in den verbleibenden Rennen dürfte die Beziehung nochmal auf eine harte Probe gestellt werden.

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Zandvoort-Runde war falscher Alarm

Da Bottas bereits einen "mehrjährigen Vertrag" bei Alfa Romeo unterschrieben hat, muss sich der Rennfahrer innerhalb der Formel 1 nicht mehr um eine Weiterbeschäftigung bewerben und besitzt dadurch schlicht mehr Freiheiten. Einen ersten Vorgeschmack, wie die letzten Einsätze für Mercedes laufen könnten, bekamen die Motorsportfans am vergangenen Wochenende in Zandvoort.

Nachdem Bottas in der 70. Runde frische Reifen erhielt, fuhr der F1-Veteran die schnellste Rennrunde und sicherte sich vorübergehend den Zusatzpunkt, der eigentlich für Hamilton vorgesehen war.

Jedoch entpuppte sich die zwischenzeitliche Aufregung einiger Fans letztlich als falscher Alarm. So fuhr Bottas gar nicht am Limit und ermöglichte hierdurch die darauffolgende schnellste Runde von Hamilton, die bis zum Rennende Bestand haben sollte.

"Wir mussten ihn ein bisschen erinnern, dass er ein bisschen vom Gas geht", begründete Mercedes-Teamchef Toto Wolff den Wirbel um Bottas anschließend bei "Sky".

"Hat lange genug Rücksicht auf Lewis genommen."

Zuvor hatte TV-Experte Ralf Schumacher noch erklärt: "Daran kann man sehen, dass Bottas nicht mehr bei Mercedes ist. Ich verstehe ihn sogar ein bisschen, er ist nächstes Jahr nicht mehr da und hat lange genug Rücksicht auf Lewis genommen."

Allerdings gibt es auch Gründe, die für Bottas' Treue in den verbleibenden Grands Prix sprechen, denn Mercedes hat weiterhin realistische Chancen auf den ersten Rang der Teamwertung. Aktuell liegen die Silberpfeile nur acht Punkte hinter Red Bull.

Doch ob der fünfte Konstrukteurs-Titel in Folge Bottas' glücklich stimmen würde, bleibt offen. Schließlich muss sich der Mercedes-Pilot schlussendlich ohne die erhoffte Einzel-Weltmeisterschaft in das triste Mittelfeld der Formel 1 verabschieden. Erste Antworten dürfte der anstehende Große Preis von Italien (ab 14 Uhr, LIVE bei RTL) liefern.