Final-Unfall wäre verheerend

Bloß kein Titel-Crash!

Rumms - Kollision in Dschidda.
Rumms - Kollision in Dschidda.
© Getty Images, Bongarts, JB1 / JB1

09. Dezember 2021 - 12:27 Uhr

F1-Finale wird zur Zitterpartie

Von Emmanuel Schneider

Das anstehende Formel-1-Finale in Abu Dhabi (Sonntag, ab 14 Uhr im RTL-Ticker) elektrisiert die Sport-Welt. Erstmals seit 1974 gehen die beiden Top-Fahrer punktgleich ins letzte Rennen. Dank eines kleinen Vorteils würde Max Verstappen von einem Crash mit Lewis Hamilton profitieren. Er könnte sich sogar zum Titel crashen. Bitte nicht!

Droht am Sonntag die Eskalation?

An prominenten Beispielen für spektakuläre Titel-Crashs mangelt es in der Königsklasse nicht. Alain Prost und Ayrton Senna machten es einst vor. 1989 und 1990 schossen sich die Erzrivalen gegenseitig ab. Zuerst profitierte "Renn-Professor" Prost, im Jahr darauf Emporkömmling Senna. Die Rivalität der beiden Formel-1-Ikonen ist legendär – natürlich spielen dabei auch solche Unfälle eine Rolle. Ebenso bei Michael Schumacher, der sich anno 1994 im Benetton gegen Damon Hill zum Premieren-Titel crashte. Drei Jahre später gegen Jacques Villeneuve wagte er sogar den Rammstoß – mit katastrophalen Folgen, Schumi wurde disqualifiziert, alle Punkte der Saison aberkannt. Diese Crashs sind Teil der Legendenbildung.

Und es droht am Sonntag ein ähnliches Szenario. Lange schaukelte sich der harte Zweikampf zwischen Verstappen und Hamilton hoch. Zweimal schon endete es mit Ausfällen, vergangenes Wochenende dann beinahe die nächste Eskalation. Nur durch Glück brachten beide ihren Wagen ins Ziel.

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Wolff beschwichtigt, aber kann man es glauben?

Auch wenn Mercedes-Teamchef Toto Wolff schon kurz nach dem Saudi-Rennen beschwichtigend sagte: "Ich glaube, es wird nicht eskalieren. Das waren heute so viele Warnschüsse für alle Beteiligten, dass es sauber abgehen wird und sauber abgehen muss." Kann man das allen Beteiligten abnehmen? Es wirkte eher so wie ein Elternteil, das dem Nachwuchs das Versprechen abnimmt, auf der Abschluss-Fahrt keinen Bier-Rausch abzuholen.

Und vor allem Verstappen wirkt entschlossen, kompromisslos in jeden Zweikampf reinzuhalten. In der Tat hat er am Sonntag einen kleinen, aber in gewisser Weise dann doch großen Vorteil: Im Fall der Fälle hat er weniger zu verlieren als Verfolger Hamilton. Sie haben zwar gleich viele Punkte, der Niederländer aber 2021 einen Rennsieg mehr geholt. Fallen beide aus – wie zum Beispiel in Monza 2021 – dann wäre Verstappen neuer Weltmeister. Hamilton schaute in die Wüsten-Röhre.

Nun ist es verlockend diesen Crash herbeizuschreiben, heraufzubeschwören. Trotzdem kann das keiner wollen. Die Formel 1 nicht, und die Teams und Fahrer schon gar nicht. Der Titel, sei es der erste für Verstappen oder der achte für Hamilton, hätte einen ewigen Makel. Die Folgen: Diskussionen überlagerten das Sportliche, die Fan-Lager dreschten verbal aufeinander ein.

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Zoff wäre vorprogrammiert

Angenommen Verstappen würde den Titel tatsächlich durch eine diskussionswürdige Berührung gewinnen – niemand würde anschließend über seine unfassbar gute Saison und sein Können reden, sondern (zu Recht) auf den möglichen Regelverstoß hinweisen. Andersherum wäre wohl erst mal wenig vom Legendenstatus Hamiltons und Titel Nummer 8 die Rede. Und genau das wäre schade.

Bei all dem Zoff zwischen Red Bull und Mercedes in diesem Jahr würde es wohl tagelang mit Theater weitergehen, Einspruch inklusive – bis dann am darauf folgenden Donnerstag in Paris vom Weltverband FIA endlich der WM-Pokal vergeben werden würde und langsam Ruhe einkehrte. Es wären keine guten Tage für den Motorsport.

Verstappen und Hamilton sind in diesem Jahr endlich auf Augenhöhe. Es ist ein epischer Kampf. Die Entscheidung muss auf der Strecke fallen - mit fairen Mitteln und ohne Fouls.

Es geht um die Essenz des sportlichen Wettbewerbs: Wer vor dem anderen ankommt, ist neuer Weltmeister. Möge der Bessere gewinnen.