Tierwohl beim Discounter

Aldi wirft Billigfleisch aus Sortiment

Aldi Süd und Aldi Nord stellen ihr Fleischangebot auf die Haltungsstufen 3 und 4 um.
Aldi Süd und Aldi Nord stellen ihr Fleischangebot auf die Haltungsstufen 3 und 4 um.
© dpa, rtl

28. Juni 2021 - 16:20 Uhr

Bis 2030 soll gesamtes Fleischsortiment umgestellt werden

Viel Kritik gibt es am Fleischangebot von Discountern und Supermärkten schon lange. Bemängelt wird beim "Billig"-Fleisch vor allem die Art der Tierhaltung. Jetzt prescht Aldi vor und kündigt an, das eigene Frischfleischsortiment auf die höheren Tierwohl-Haltungsformen 3 und 4 umzustellen. Allerdings lässt sich der Discounter erstaunlich lange Zeit: Bis 2030 soll die Umstellung erfolgen.

Fleisch-Erzeuger- und Verarbeiter sollen verlässlich produzieren können

Ein gesetzliches Tierwohl-Label gibt es bislang noch nicht. Weil sich die Politik seit Jahren nicht einigen kann, ist der Handel vorgeprescht und hat seit dem 1. April 2019 eine Tierhaltungs-Kennzeichnung für Fleisch eingeführt. Kunden können die Haltungsbedingungen der Tiere seitdem auf einen Blick erkennen, es gibt vier Haltungsstufen.

  1. Stufe "Stallhaltung" entspricht lediglich den gesetzlichen Anforderungen.
  2. Stufe: Fleisch, das mit "Stallhaltung plus" gekennzeichnet ist, sichert Tieren unter anderem mindestens zehn Prozent mehr Platz und zusätzliches Beschäftigungsmaterial.
  3. Stufe namens "Außenklima" garantiert Tieren noch mehr Platz und Frischluft-Kontakt.
  4. Stufe ("Premium") haben die Tiere außerdem Auslaufmöglichkeiten im Freien. Auch Biofleisch wird in diese Stufe eingeordnet.

"Wir geben heute ein großes Versprechen ab", sagte Erik Döbele, Managing Director Corporate Buying bei Aldi Süd zusammen mit seinem Kollegen Tobias Heinbockel, Managing Director Category Management bei Aldi Nord. Gemeinsam sind sie dafür verantwortlich, in den kommenden Jahren das Tierwohl bei Aldi zu verbessern. "So schwer es auch wird, wir glauben daran, das Richtige zu tun: für Tierwohl, für nachhaltiges Wirtschaften, für unsere Kunden und aus Überzeugung", so Döbele.

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Darum stellt Aldi das Frischfleischangebot erst 2030 komplett um

Und warum setzt Aldi erst ab 2030 auf die höheren Tierhaltungsstufen? "So einfach ist es nicht", sagt Erik Döbele. Der Fleischmarkt sei ein globales Geschäft mit vielen komplexen Strukturen und Parteien, die sich nicht von heute auf morgen ändern können. Rund 90 Prozent der deutschen Landwirte produzieren heute auf konventionelle Art und Weise. "Für einen deutlichen Ausbau von Außenklima- und Bio-Haltung braucht es verlässliche Perspektiven und Abnahmemengen für Erzeuger und Verarbeiter", so Döbele.

Für Aldi Nord und Aldi Süd ist vor allem Signal wichtig, das nicht nur an die Kunden, sondern auch an die Landwirte geht: Die Discounter verstehen sich ausdrücklich als Partner in der Wertschöpfungskette. "Wir geben Landwirten und Verarbeitern über Jahre hinaus Planungssicherheit und schaffen einen starken, langfristig verlässlichen Absatzkanal für Tierwohl-Haltungsformen deutscher Landwirte", sagt Tobias Heinbockel.

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Der konkrete Aldi-Plan

Aldi will "als erster großer Lebensmittelhändler Frischfleisch aus Außenklima- und Bio-Haltung für alle seine Kunden zu einer Selbstverständlichkeit machen". Für die größten Nutztiergruppen Rind, Schwein, Hähnchen und Pute hat Aldi folgenden Zeitplan vorgestellt:

  • Bereits im Jahr 2021: 15 Prozent des Frischfleisch-Umsatzes* aus den Haltungsformen 3 und 4.
  • Bis 2025: Vollständiger Verzicht auf Haltungsform 1
  • Bis 2026: 33 Prozent aus den Haltungsformen 3 und 4*
  • Bis 2030 stellt Aldi bei diesen Tierarten vollständig auf Frischfleisch der Haltungsformen 3 und 4 um.

Ausdrücklich ausgenommen sind Tiefkühlartikel und (internationale) Spezialitäten.

Es ist auch ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz, die möglichst bald mitziehen soll: "Wir hoffen, dass unsere Mitbewerber hier schnell mit ähnlichen Plänen nachziehen", so Aldi-Nord-Chef Heinbockel. (aze)