Bis zu 50 Cent Gebühren für jede Kartenzahlung

"Mit Karte, bitte!": Dieser Satz kann teuer werden

In der Corona-Krise bezahlen Verbraucher häufiger per Karte. Doch das kann schnell zu Zusatzkosten führen. Foto: Daniel Karmann/dpa
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19. August 2020 - 9:35 Uhr

"Finanztest" hat 294 Girokonten geprüft

Seit Beginn der Coronakrise hat die bargeldlose Bezahlung im Supermarkt oder Restaurant an Bedeutung gewonnen. Doch das kann ins Geld gehen, wie "Finanztest" berichtet: Bei 55 der jetzt geprüften Girokonto-Modelle werden für jede Kartenzahlung Gebühren fällig. Doch es gibt immerhin auch günstige Angebote: 20 Konten sind komplett gratis.

Bei diesen Banken kosten Kartenzahlungen besonders viel

"Finanztest" hat insgesamt 294 Kontomodelle von 125 Kreditinstituten in Deutschland ausgewertet, darunter alle bundesweiten Finanzhäuser sowie Direkt- und Kirchenbanken, alle Sparda- und PSD-Banken sowie die größten Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken je Bundesland. Bei 55 davon werden bei jedem Bezahlvorgang mit der Girocard (EC-Karte) Gebühren fällig. Besonders viel, nämlich 50 Cent pro Kartenzahlung, verlangen diese drei Banken bei ihren Klassik-Konten:

  • Bremische Volksbank
  • Kasseler Sparkasse
  • Salzlandsparkasse

"Diese Gebühren gab es bereits schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Sie fielen jedoch kaum auf, weil viele Menschen bar bezahlten", so "Finanztest"-Expertin Heike Nicodemus. Das sieht nun anders aus: Laut einer Umfrage des Bundesverbands deutscher Banken verzichteten im April 2020 rund ein Viertel aller Deutschen auf die Bezahlung mit Bargeld.

Weitere Kostenfallen: Service-Anrufe und Papierüberweisungen

"Grundsätzlich stellen wir seit Jahren einen Trend zu mehr und zunehmend höheren Gebühren für Serviceleistungen fest", sagte Nicodemus. "Der Extra-Service kann teuer werden. Die Banken wollen, dass die Kunden möglichst viel selber machen." Bei manchen verursachen klassische Papierüberweisungen beachtliche Kosten:

  • 1822direkt: 4,50 Euro
  • Comdirect: 4,90 Euro
  • Sparda West: 5,00 Euro

Anrufe beim Telefonservice oder das Geldabheben an einem Automaten, der nicht zum Pool der Kundenbank gehört, können ebenfalls ordentlich zu Buche schlagen: Bis zu 6 Euro verlangen manche Banken den Angaben zufolge dafür.

Online-Girokonten oft noch kostenlos

Die größten Chancen auf ein kostenloses Girokonto bestehen bei online geführten Versionen. Die Tester fanden aktuell 20 online geführte Gehaltskonten, die ohne weitere Bedingungen kostenlos sind. Dazu gehören unter anderem:

  • Norisbank Top-Girokonto
  • Comdirekt Bank Girokonto
  • DegussaBank GiroDigital Plus
  • DKB Cash
  • Santander BestGiro

Als kostenlos definiert "Finanztest": Keine Grundgebühr, keine Gebühr für den Kontoauszug, bei Buchungen, für die Girocard und beim Geldabheben am Automaten im eigenen Bankenpool sowie keine Bedingungen wie regelmäßiger Geld- und Gehaltseingang in einer bestimmten Höhe.

Will man allerdings eine Kreditkarte nutzen, kommt bei den meisten hierfür noch eine Jahresgebühr hinzu. Serviceleistungen wie Anrufe beim Telefonservice oder Überweisungen auf Papier kosten auch hier in der Regel extra.

Jahresgebühr bis zu 60 Euro ist im Rahmen

"Neben den kostenlosen 20 Girokonten haben wir 71 Kontenmodelle gefunden, die bis zu 60 Euro im Jahr kosten", sagte Nicodemus. "Diese Summe ist aus unserer Sicht in Ordnung. Es muss nicht immer kostenlos sein, schließlich steht eine Leistung dahinter." Das sind die günstigsten kostenpflichtigen Online-Konten:

  • Deutsche Skatbank Trumpfkonto: 6,85 Euro pro Jahr
  • DegussaBank Giro Basic: 7,50 Euro pro Jahr
  • Evangelische Bank Girokonto Smart: 9 Euro pro Jahr
  • Sparda West Giro online: 20 Euro pro Jahr
  • Postbank Giro direkt: 22,80 Euro pro Jahr

Jeder Verbraucher müsse entscheiden, welches Kontomodell für ihn passe. "Nicht jeder hat Zugang zum Internet und nicht jeder möchte Onlinebanking machen." Verbraucher sollten auf jeden Fall die jährliche Entgeltaufstellung genau überprüfen. "Dort können sie erkennen, was die Kosten nach oben treibt", empfiehlt die "Finanztest"-Expertin. 

Auf welche versteckten Kürzel Sie beim Kleingedruckten Ihres Kontos achten sollten, um nicht auf versteckte Kosten hereinzufallen, erklären wir hier!


Quelle: DPA/RTL.de