Wer polterte? Wer patzte? Wer punktete?

Fazit zum ersten Wahl-Triell Schleswig-Holsteins bei RTL Nord

RTL Nord zeigte das erste Triell zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein.
RTL Nord zeigte das erste Triell zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein.
© dpa, Frank Molter, tba

21. April 2022 - 16:52 Uhr

Das erste Triell zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 8. Mai ist vorbei. 45 Minuten hatten die Spitzenkandidaten bei RTL Nord Zeit, ihre Botschaft an die Wählerinnen und Wähler zu bringen. Aber wer hat den Dreikampf denn nun gewonnen: Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), Noch-Koalitionspartnerin Monika Heinold (Bündnis 90/Die Grünen) oder Herausforderer Thomas Losse-Müller (SPD)? Das Triell in voller Länge finden Sie hier.

"Eigentlich ein ziemlich einträchtiges Bild"

Politikwissenschaftler Wilhelm Knelangen im Gespräch mit RTL Nord-Reporter Thomas Jell.
Politikwissenschaftler Wilhelm Knelangen im Gespräch mit RTL Nord-Reporter Thomas Jell.
© RTL Nord

Geht es nach Politik-Experte Wilhelm Knelangen, gibt es weder klare Gewinner noch klare Verlierer: "Auffällig war für mich, dass der Ministerpräsident und Frau Heinold eigentlich ein ziemlich einträchtiges Bild einer Jamaika-Koalition abgegeben haben, wohingegen der Herausforderer Losse-Müller tatsächlich versucht hat, Programmatik zu erklären. Aber auch er hat nicht angegriffen. Man musste also suchen, wo sind die Konfliktlinien?", sagt der Politikwissenschaftler der Uni Kiel im Interview mit RTL Nord.

Heinold beim Thema Bildung im Angriffsmodus

Während sich beim Punkt Verkehrswende alle drei Kandidaten noch recht einig sind, löst das Thema Bildung eine hitzigere Debatte aus: Während für Losse-Müller eine Abschaffung der Kitagebühren möglich ist, hält seine Kontrahentin Heinold entschieden dagegen, sie halte nichts von leeren Versprechungen. "Wenn Herr Losse-Müller sagt, das Geld ist da, dann kennt er eine andere Kasse als ich." Ihr geht es beim Thema Kita mehr um Qualität. "Mehr Personal, eine bessere Bezahlung, wir müssen dort entlasten. Wenn uns die Fachkräfte weglaufen, weil die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen, dann haben die Eltern gar nichts mehr davon", so die grüne Finanzministerin. Ihr Koalitionspartner Günther gibt sich zurückhaltend und hofft, dass die Kitagebühren - "wenn wir uns das finanziell erlauben können" - eventuell weiter gedeckelt werden könnten.

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Günther attackiert Losse-Müller

Daniel Günther beim RTL Nord-Triell zur Landtagswahl.
Daniel Günther beim RTL Nord-Triell zur Landtagswahl.
© RTL Nord

Dann plötzlich eine Offensive von Daniel Günther gegen Losse-Müller: "Sie plakatieren doch, dass die Kita kostenfrei werden soll". Der SPD-Spitzenkandidat kontert: "Sie plakatieren Klimaschutz und haben nichts für den Ausbau der Windkraft gemacht". "Wir haben genug gemacht", Günthers Antwort. "Er hat versucht, die Glaubwürdigkeit des Herausforderers in Zweifel zu stellen. Und insofern kann man zumindest sagen, dass Herr Günther Herrn Losse-Müller ernst nimmt. Weil ansonsten hätte er in der Tat völlig drüber hinweggehen können", sagt Politikwissenschaftler Wilhelm Knelangen.

"Haben sich von der Persönlichkeit überhaupt nicht gezeigt"

Kommunikationstrainerin Nadine Kmoth ist Expertin für Körpersprache.
Kommunikationstrainerin Nadine Kmoth ist Expertin für Körpersprache.
© RTL Nord

Von diesem Wortduell abgesehen, gab es am Mittwochabend wenig Triell-Zoff. Kommunikationstrainerin Nadine Kmoth ist spezialisiert auf die Analyse von Körpersprache. Sie hat sich die Spitzenkandidaten ganz genau angeschaut. Und auch bei ihr: Enttäuschung. "Nähe schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist die Währung in der Kommunikation. Und das haben sie alle drei nicht geschafft. Sie haben sich von der Persönlichkeit überhaupt nicht gezeigt. Und da könnten sie sicherlich mehr tun, wenn sie Menschen erreichen wollen", sagt sie im RTL Nord-Interview. Zu wenig Gesten, zu wenig Mimik bei den Kontrahenten, so die Meinung der Expertin.

CDU in Schleswig-Holstein weiter vorne

Den Umfragewerten zufolge hat die CDU in Schleswig-Holstein die Nase vorne.
Den neuesten Umfragewerten zufolge hat die CDU in Schleswig-Holstein die Nase vorne.
© RTL Nord

Vor allem SPD-Spitzenkandidat Thomas Losse-Müller hätte ein Befreiungsschlag im Wahl-Triell gut getan. Denn die neuesten Umfragewerte sind für ihn und die SPD ein Schlag ins Gesicht:
Demnach legt die CDU weiter zu - auf 38 Prozent. Die SPD dümpelt mit 20 Prozent vor sich hin. Die Grünen geben ab, liegen jetzt bei 16 Prozent. Die FDP verbessert sich auf neun Prozent. Mit diesen Zahlen ist nicht nur eine schwarz-grüne Koalition, sondern plötzlich auch wieder eine Koalition aus CDU und FDP möglich. Für eine Ampel, die einzig realistische Machtoption der SPD, gibt es keine Mehrheit. (tje/ttr/kzi)