RTL/ntv "Frühstart"

"Turbo bei Kinder-Impfungen rausnehmen"

27. Mai 2021 - 10:56 Uhr

Alena Buyx: „Ich glaube, es ist wichtig, dass man den priorisierten Gruppen erst noch das Angebot macht“

Von Philip Scupin

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Prof. Alena Buyx, hält Impfungen für Kinder und Jugendliche erst dann für richtig, wenn besonders gefährdete Bürger die Möglichkeiten hatten, sich impfen zu lassen. "Ich glaube, es ist wichtig, dass man den priorisierten Gruppen erst noch das Angebot macht", so Buyx in der Sendung "Frühstart" bei RTL/ntv. "Aber dann würde ich mich freuen, wenn man den Blick auf die junge Generation legt." Impfungen für Jüngere könnten bereits vorbereitet werden. Es sei aber gut, dass einige Bundesländer die Priorisierung gefährdeter Gruppen in den Impfzentren nach wie vor aufrechterhielten.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

"Kein Verteilungskampf" um Corona-Impfstoff

Angesprochen auf die Frage, ob nicht zunächst sämtliche Erwachsenen ein Impfangebot bekommen müssten, sagte Buyx, es komme jetzt auf größere Impfstofflieferungen an. Dann könnte in die Breite geimpft werden – und damit sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche. "Man muss das eine tun, das andere nicht lassen." Die Gruppe der jüngeren Menschen, die zunächst in Frage kämen, sei nicht sonderlich groß. "Das darf man jetzt nicht als so einen harten Verteilungskonflikt darstellen."

Sie finde es schwierig, Kinder nur deshalb zu impfen, um Herdenimmunität oder Gemeinschaftsschutz zu erreichen, so die Ethikrat-Vorsitzende. Es gehe vielmehr um den Eigenschutz der Kinder, denn auch bei ihnen gebe es schwere Krankheitsverläufe und Langzeitschäden. Außerdem müsse auch der Gruppenschutz eine Rolle spielen, um zum Beispiel Schulbesuche wieder möglich zu machen. "Das sind schon sehr erhebliche Argumente, weil wir inzwischen auch wissen, dass gerade die Kinder extrem belastet waren durch die Pandemie."

Die Ständige Impfkommission hatte sich zuletzt skeptisch gezeigt, ob Kinder geimpft werden sollten. Sie diskutiert noch, ob sie überhaupt eine allgemeine Empfehlung dafür gibt. Gesundheitsminister Spahn sprach sich bei RTL für Impfungen bei Jüngeren aus.

Diskussion um dritte Corona-Impfung

ARCHIV - 28.08.2019, Niedersachsen, Hannover: Ein Kinderarzt impft ein Kind mit einem 6-fach-Kombinationsimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Kinderlähmung (Polio), Keuchhusten (Pertussis), Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hep
Schon bald könnten in Deutschland die ersten Kinder gegen Corona geimpft werden.
© dpa, Julian Stratenschulte, jst lop abl vco jjk ost

Beim Impfgipfel von Bund und Ländern am Donnerstag wird es auch um Corona-Auffrischungsimpfungen gehen. Noch ist umstritten, wann der Impfschutz so sehr sinkt, dass eine dritte Spritze nötig wird. Ethikrat-Chefin Buyx aber ist dagegen, diese dritten Impfungen schon während der erste Impfrunde zu starten. "Da wäre ich sehr zurückhaltend, die Auffrischungen zu beginnen bevor alle dieses Angebot haben."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Ethikrat: Deutschland darf zuerst an sich selbst denken

Für besonders schwierig hält Buyx die Frage, ob Deutschland nicht zunächst ärmeren Ländern Impfstoff zur Impfung älterer Menschen abgeben sollte bevor hier Kinder dran kommen. Die Pandemie sei erst vorbei, wenn sie überall vorbei sei und es gebe überall viel Leid, so Buyx. "Es ist aber schon akzeptabel, wenn Regierungen zunächst den Schutz ihrer eigenen Bevölkerung in den Vordergrund stellen." Das dürfe man machen, wenn es gleichzeitig globale Solidarität gebe – wie über die internationale Allianz Covax. Sobald Deutschland Impfstoff übrig habe, müsse er sofort weitergegeben werden.