Acht Polizisten in Essener Wohnung

Koch-Abend wegen Corona gestürmt? Das sagen Betroffene und Polizei

05. März 2021 - 10:13 Uhr

Erst kam das Ordnungsamt, dann acht Polizisten

Marcel Gaide ist sauer. Er wollte eigenen Angaben zufolge zusammen mit einem Kollegen in seinem Haus in Essen kochen, doch die Behörden versalzten die Suppe – erst stand das Ordnungsamt auf der Matte, kurz darauf rückte die Polizei an. "Die sind hier einfach eingefallen mit acht Mann, völliger Blödsinn", so der Diplom-Kaufmann zu RTL. Die Polizei dagegen hat eine eigene Version zum Verlauf des Abends. Die Bilder des Einsatzes sehen Sie im Video.

Warum das große Polizeiaufgebot?

Laut Gaide habe er mit einem Kollegen zusammen etwas getrunken und dabei Musik gehört. Das Haus grenzt an einen Friedhof. Dann habe das Ordnungsamt vor der Tür gestanden. Der Vorwurf: Ruhestörung. Gaide und sein Gast weigerten sich, die Ausweise vorzulegen. Kurz darauf enterten acht Polizisten sein Zuhause. "Die waren sehr aggressiv und haben schnell den Kollegen weggeschubst, um an die Portemonnaies zu gelangen, die auf der Kücheninsel lagen. Sind einfach hier reingegangen ohne Grund", so der 41-Jährige. Tatsächlich erlaubt die aktuelle Corona-Schutzverordnung in Nordrhein-Westfalen ein Treffen mit einer weiteren Person, die nicht zum Haushalt gehört. Warum also das große Polizeiaufgebot?

Die Essener Polizei sagt, dafür seien Gaide und sein Gast selbst verantwortlich. Die beiden sollen dem Ordnungsamt gesagt haben, dass sie noch eine zweistellige Anzahl von Personen erwarten würden, bevor sie die Haustüre zuschlugen. "Wir hatten Hinweise auf Ruhestörung und den Verdacht eines Verstoßes gegen die Corona-Schutzverordnung", so die Pressesprecherin der Stadt Essen, Sylvia Czapiewski.

Vor Ort seien die Polizisten erst nach mehrfachem Klopfen und Klingeln hereingelassen worden. "Es bestand kein Verstoß gegen die Corona-Schutzverordnung, dennoch mussten die Personalien der beiden Männer festgestellt werden, weil das Ordnungsamt Anzeigen wegen Ruhestörung schreiben wollte. Da die Männer sich weigerten, ihre Personalien mitzuteilen, wurde als mildestes Mittel die Geldbörse nach einem Ausweis durchsucht. Beide verhielten sich sehr unkooperativ."

Anzeige wegen Beamtenbeleidigung

Czapiewski weiter: "Als die Beamten aus dem Haus gingen, hat einer der Männer den Polizisten Beleidigungen hinterhergerufen und ihnen vorgeworfen, rechtsextremistisch zu sein. Deshalb hat es eine Anzeige wegen Beleidigung gegeben." Sie könne verstehen, dass Gaide und dessen Gast überrascht gewesen seien, als acht Polizisten vor der Haustür standen. "Aber sie sind den Mitarbeitern des Ordnungsamtes aggressiv gegenübergetreten und haben den Eindruck vermittelt, dass vor Ort eine Feier stattfindet. Deshalb und aus Gründen der Eigensicherung sind die Kollegen mit mehreren Polizisten ins Haus gegangen. Es hat vor Ort keine Durchsuchungen gegeben."

Gaide dazu: "Völliger Quatsch. Wir waren den ganzen Abend zu zweit, alles war zu zweit geplant, man konnte auch vom Friedhof aus sehen, dass wir nur zu zweit waren." Der Hobbykoch will gegen die Behauptung und die Anzeige ankämpfen. Es steht Aussage gegen Aussage – die Suppe ist noch nicht ausgelöffelt.