Taliban erobern Afghanistan

Erste Deutsche aus Kabul evakuiert

16. August 2021 - 10:57 Uhr

40 Deutsche in Doha gelandet

40 Mitarbeiter der deutschen Botschaft konnten in der Nacht zu Montag aus Afghanisten evakuiert werden: Sie sind in der Nacht zu Montag mit einem US-Flugzeug in Doha im Golfemirat Katar gelandet. An Bord der Maschine waren auch Angehörige der Schweizer Vertretung in Afghanistan. Bei der Evakuierung werden die Betroffenen in ein "Drittland" ausgeflogen, das von der Bundesregierung aus Sicherheitsgründen noch nicht genannt wird. Von dort geht es mit zivilen Maschinen weiter nach Deutschland.

​+++ Alle aktuellen Entwicklungen zur Situation in Afghanistan finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Evakuierung durch US-Maschine

Die Bundeswehr hat erst in der Nacht zu Montag Transportmaschinen vom Typ A400M vom niedersächsischen Wunstorf aus nach Kabul losgeschickt – der erste Evakuierungsflug fand deshalb vorher mit einer US-Maschine statt. Die A400M-Maschinen bieten Platz für 114 Passagiere. Sie bieten besonderen Schutz gegen Angriffe von beispielsweise Raketen.

Die Transportmaschinen vom Typ A400M sollen in den nächsten Tagen zentraler Bestandteil einer "Luftbrücke" sein, über die neben den Botschaftsmitarbeitern auch andere deutsche Staatsbürger sowie Ortskräfte, die für die Bundeswehr oder Bundesministerien in Afghanistan gearbeitet haben oder noch arbeiten, nach Deutschland gebracht werden sollen.

Mehr als 100 Deutsche in Kabul

Laut Schätzungen waren bis Sonntag noch mehr als 100 deutsche Staatsbürger in Kabul. Um wie viele Ortskräfte es genau geht, ist noch unklar, es solle sich aber um eine Zahl im vierstelligen Bereich handeln. Alleine in der staatlichen Entwicklungshilfe waren zuletzt noch 1.100 Afghanen in deutschem Auftrag tätig. Hinzu kommen tausende ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr oder der Bundesministerien.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

US-Soldaten sichern Flughafen ab

Die militant-islamistischen Taliban hatten in den vergangenen Tagen in einem rasanten Tempo eine Stadt nach der anderen teilweise kampflos eingenommen, waren am Sonntag auch in die Hauptstadt Kabul eingedrungen und haben bereits den Präsidentenpalast in ihrer Kontrolle. Die Bundesregierung hatte angesichts der dramatischen Lage am Freitag entschieden, das Botschaftspersonal auf ein Minimum zu reduzieren. Am Sonntag wurden alle Mitarbeiter zum Flughafen gebracht, der von tausenden US-Soldaten abgesichert wird.

Die Evakuierungsaktion wird von Fallschirmjägern der Division Schnelle Kräfte der Bundeswehr unterstützt, die eine Spezialausbildung für solche Einsätze hat. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte den Einsatz am Sonntag als gefährlich bezeichnet. "Wir sind auf alle Szenarien eingerichtet", sagte sie. (dpa/fst)