Beamte verabreden, jemanden festzunehmen und "kaputt" zu machen

Chatverläufe von suspendierten Kölner Polizisten veröffentlicht

Ermittlungen gegen Streifenpolizisten der Inspektion West in Köln Ehrenfeld.
Ermittlungen gegen Streifenpolizisten der Inspektion West in Köln Ehrenfeld.
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25. November 2021 - 15:59 Uhr

Ermittlungen gegen Streifenpolizisten der Inspektion West in Köln Ehrenfeld

Am 24. April soll der Streifenpolizist Bettino G. (Name geändert) mit vier weiteren Kollegen, einen betrunkenen, widerspenstigen Anwohner in Bickendorf gefesselt und misshandelt haben. Der gebürtige Italiener starb zwei Monate später aufgrund von Rippenbrüchen an einer Blutvergiftung. Nun wird gegen die Beamten wegen Körperverletzung im Amt ermittelt. Doch dabei kommen weitere schlimme Details ans Licht. In Chatverläufen, deren Inhalt der Deutschen Presseagentur bestätigt wurde, scheinen sich die Beamten zu regelrechten Gewaltorgien während ihrer Streifendienste zu verabreden.

Erschreckende Chatverläufe der suspendierten Kölner Polizisten veröffentlicht

Laut Staatsanwaltschaft sei es nicht das erste Mal, dass Bettino G. mit derartigen Vorwürfen belastet wurde. Gegen ihn liefen bereits zwölf Verfahren mit ähnlichen Vorwürfen, die aber immer wieder eingestellt wurden. In den Chats mit Kollegen, die jetzt an die Öffentlichkeit drangen, zeigt sich ein erschreckendes Bild des Streifenpolizisten und vier weiteren Kollegen der Inspektion West in Köln Ehrenfeld.

In einer Nachricht von Bettino G. an einen Kollegen heißt es, laut "Kölner Stadt-Anzeiger", er habe "dem Türken gestern ein Kick gegeben." Sein Chatpartner daraufhin wohl: "Hättet ruhig warten können. Bin extra mit 150 Sachen über die Venloer Straße geballert." G. soll weiter geprahlt haben: "Im Ernst, der ist hart geflogen. Schicke Dir morgen mal Bilder von seiner Fresse. Der hat auf jeden Fall den Finger gebrochen, irgendetwas im Gesicht und sein Knöchel ist dick."

Polizisten tauschen sich in Chats über Gewalt gegen Tatverdächtige aus

Am 24. April soll der Streifenpolizist Bettino G. (Name geändert) mit vier weiteren Kollegen, einen betrunkenen, widerspenstigen Anwohner in Bickendorf gefesselt und misshandelt haben.
Erschreckende Chatverläufe der suspendierten Kölner Polizisten veröffentlicht. (Symbolbild)
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Laut Recherchen der Strafverfolger sei an dem Tag ein Verfahren wegen Widerstand aktenkundig geworden. Der Tatverdächtige sei mit Pfefferspray attackiert worden, habe sich hilflos die Hände vor sein Gesicht gehalten und dann soll er von einem Beamten einen Tritt gegen sein linkes Bein bekommen haben.

Im Chat sollen die Polizisten sich dann wie folgt ausgetauscht haben: "So ein Widerstand mit dem wär auch mal witzig." Der 40-jährige Kommissar, Bettino G., daraufhin: "Definitiv wäre das witzig." Und kündigte für die nächste Streife an: Dann "nehmen wir auf jeden Fall jemanden fest und machen jemanden kaputt."

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Polizisten kündigen an. Tatverdächtigen noch mal "kriegen" zu wollen

Nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeiger" hat die Polizei in derselben Angelegenheit einen weiteren Polizisten in den Innendienst versetzt. Der Beamte soll mit einem der fünf beschuldigten Kollegen ebenfalls besorgniserregende Nachrichten ausgetauscht haben.

"Der Typ, den wir gestern weggesperrt haben, ist richtig durchgedreht und hat uns als H****söhne und mich als Drecksn****r bezeichnet", soll der schwarze Beamte seinen Kollegen im Chat geschrieben haben. Außerdem will der Beamte erfahren haben, dass eine Anzeige auf dem Weg zur Staatsanwaltschaft sei.

Daraufhin schrieb der Kollege wohl zurück: "der hängt ja öfter rum. Dann kann er uns das gerne nochmal ins Gesicht sagen." Darauf der strafversetzte Polizist: "Hätte ich das gewusst, dass der so ein H****sohn ist, hätte der mehr kassiert." Und zum Schluss halten die Chatpartner fest: "Irgendwann kriegen wir den sicher nochmal."

Verteidiger meint: Ermittlungen werden ins Leere laufen

Die Staatsanwaltschaft überprüfe jetzt weitere Einsätze der beschuldigten Beamten. Der Verteidiger der ehemaligen Streifenpolizisten, Christoph Arnold, meint, die Chats seien nur großspurige Unterhaltungen gewesen: "Es gibt keine Beweise dafür, dass die Beschuldigten bewusst Widerstandshandlungen provoziert haben." Die Ermittlungen werden seiner Meinung nach "komplett ins Leere laufen."

NRW-Innenminister Reul sieht das anders. Die neuen Erkenntnisse aus den sichergestellten Chats ließen die Vorgänge "in einem weitaus schlimmeren Licht erscheinen". "Das, was da in Köln-Ehrenfeld passiert zu sein scheint, geht überhaupt nicht", sagte Reul. Mit Prahlerei und Imponiergehabe junger Männer, wie es der Anwalt interpretiert habe, sei das aus seiner Sicht nicht zu erklären.

Er zweifele ernsthaft an der inneren Haltung und Eignung der Polizisten, bekräftigte Reul. "Ein solches Dienstverständnis werde ich nicht dulden". Die Haltung, die sich dort andeute, habe bei der Polizei nichts zu suchen. Reul zitierte die Nachricht eines Polizisten: "Und gerade einen umgeklatscht...".

Kölner Polizei soll nun ein Konzept erarbeiten

Die Kölner Polizei werde laut dem Minister nun ein Interventionskonzept erarbeiten. Der Polizeipräsident habe einen Brief an die Mitarbeiter geschrieben, die Inspektionsleiterin persönliche Gespräche geführt. Alle verdächtigen Polizisten stammten von der Wache in Köln-Ehrenfeld. Sie seien zwischen 24 und 40 Jahre alt. Vier von ihnen seien Polizisten auf Probe. Von ihnen werde man sich leichter trennen können, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. (dpa/mca)